Trauriges Bild in der Hammer City

Stadt scheitert mit Rückkauf von historischer Villa

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Die historische Villa Schulte (Baujahr 1926) hat schon bessere Tage gesehen.

Hamm - Die Stadt hat vergeblich versucht, eine historische Villa an der Heßlerstraße zurückzukaufen. Das 1926 errichtete und denkmalgeschützte Gebäude macht seit Jahren einen vernachlässigten Eindruck. Die Stadt hatte es 1996 an eine Privatperson verkauft.

Eine der schönsten Villen Hamms gibt seit Jahren ein trauriges Bild ab: heruntergelassene Rollläden, kopfloser Figurenschmuck, beschädigte Bodenfliesen. Ein Bauzaun schützt Passanten an der Kreuzung von Heßlerstraße und Marker Allee jetzt vor losem Mauerwerk. Die Stadt versucht bisher vergeblich, den Eigentümer zu Sanierung oder Verkauf zu bewegen.

Der schlechte Zustand der 1926 für den Rechtanwaltes Dr. Gustav Schulte errichteten Villa beschäftigt die Behörden schon seit längerem, wie aus einer Antwort der Verwaltung auf eine Anfrage der Grünen in der Bezirksvertretung Mitte hervorgeht. Seit Jahren bemühe man sich, den derzeitigen Eigentümer zur Instandsetzung und Nutzung des Baudenkmals Heßlerstraße 20 zu bewegen, heißt es seitens der Verwaltung. Weder Gespräche noch die Androhung von Bußgeldern hätten den Eigentümer bislang zum Handeln bewegt. Um wen es sich bei dem Eigentümer handelt, war für den WA bisher nicht festzustellen.

Eigentümer geht auf Angebote nicht ein

Dabei hat die Stadt offenbar einiges angeboten: Es habe „Gespräche zum Erwerb seitens der Stadtentwicklungsgesellschaft gegeben“, heißt es in der Verwaltungsantwort. Es sei auch versucht worden, über die SEG einen Mieter für das Gebäude zu vermitteln. Der Eigentümer sei auf die Angebote bislang nicht eingegangen. Eine Förderung über ein Hof- und Fassadenprogramm sei ebenfalls nicht auf Interesse gestoßen.

Im Gegenteil: Der Eigentümer habe keine Absicht, das Gebäude zu verkaufen, sondern plane ein Büronutzung. Die Erlaubnis der Unteren Denkmalbehörde hat er. Die Verwaltung will zwar weiter auf den Eigentümer einwirken, sieht ihre Möglichkeiten aber als begrenzt an: Zu Zwangsmitteln könne man nur greifen, wenn die Bausubstanz gefährdet wäre.

Einer der wichtigsten Hammer Architekten

Doch das ist wohl nicht der Fall: Insgesamt ist das Haus nach Einschätzung der Verwaltung in befriedigendem Zustand. Als problematisch wird der Zustand der beiden Treppenanlagen gesehen, das Dach dagegen sei in Ordnung, weitere Schäden seien nicht zu erkennen. Bewohnt wird das Haus schon seit Jahren nicht mehr.

Errichtet wurde es nach einem Entwurf des Hammer Architekten Karl Wibbe (1896-1969).

Wibbe gilt als einer der wichtigsten Hammer Architekten des 20. Jahrhunderts. Seine Villen, Kirchen, Militärbauten und Geschäftshäuser prägen das Stadtbild. Er entwarf unter anderem die Pfarrkirchen St. Josef (Heessen) und St. Michael (Ostwennemar), das Offizierscasino an der Ostenallee und die Geschäftshäuser am Marktplatz.

Die Villa Schulte blieb in der Nachkriegszeit zunächst in Privateigentum, bevor sie in den 1980er Jahren von der Stadt erworben wurde. Die richtete dort eine Schulberatungsstelle ein. Nach deren Auszug verkaufte die Stadt das Haus 1996 ohne Auflagen. Unter Denkmalschutz wurde es 2007 als „überdurchschnittlich qualitätsvolles Beispiel des Villenbaus der 20er Jahre in Hamm“ gestellt.

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