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Blutiges Karnevals-Finale - Ruf nach mehr Polizei

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Von: Markus Hanneken

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© dpa

[Update 16 Uhr] Hamm - Im Verlauf der zunächst friedlichen Karnevalsfeiern hat es am Rosenmontag-Abend in der Innenstadt Schlägereien mit Verletzten gegeben. Meilen-Wirt Karsten Plass wünscht sich mehr Polizei vor Ort an solchen besonderen Tagen.

Wie Polizeisprecherin Julia Breitenstein am Dienstagvormittag auf Nachfrage bestätigte, kam es zwischen 20.15 Uhr und dem frühen Dienstagmorgen im Bereich der Südstraße zu verschiedenen Körperverletzungsdelikten.

Im Rahmen der Einsätze seien sechs Personen in Gewahrsam genommen worden, hieß es. Sie mussten die Nacht bei der Polizei verbringen. Unter ihnen sei auch ein 28-Jähriger gewesen, der zuvor zwei Frauen sexuell belästigt hatte. Neben dem Strafverfahren wegen sexueller Belästigung mussten die Beamten sechs Anzeigen wegen Körperverletzung aufnehmen.

Zeugin kritisiert Teilnahmslosigkeit

Eine WA-Leserin berichtete unserer Redaktion am Dienstagmorgen von mehreren Polizeieinsätzen unter anderem im "Cheyenne" sowie im Außenbereich der Kneipen, darunter eine Schlägerei mit mehreren Beteiligten. Bei dieser hätten zwischen 2 und 3 Uhr morgens etwa sechs Männer auf einen einzelnen eingeschlagen und -getreten, wobei auch eine Eisenstange genutzt wurde. Alle seien etwa zwischen 20 und 30 Jahre alt gewesen. Die Polizei konnte den Vorgang grundsätzlich bestätigen.

Die Freundin des Opfers habe entsetzt und hilflos zugesehen und vergeblich um Hilfe gerufen; er selbst habe sich anschließend nicht mehr bewegt. Nach etwa "einer Viertelstunde" sei die Polizei mit vier Fahrzeugen angerückt; einige der Täter habe man in Höhe des Jugendzentrums aufgegriffen. Der Verletzte sei von Rettungssanitätern versorgt worden. Wie Polizeisprecherin Breitenstein auf Anfrage mitteilte, sei der Mann ansprechbar gewesen - er habe folglich keine schwersten Verletzungen davongetragen. Im übrigen habe die Polizei keine "Viertelstunde" benötigt, sondern sei nach drei Minuten vor Ort gewesen. Der Notruf sei um 1.59 Uhr eingegangen.

Mehr Sicherheit und bessere Absprache für die Meile

Besondere Kritik übte die Zeugin an der Security auf der Meile. Niemand aus deren Reihen habe helfend eingegriffen, sondern stattdessen "einfach zugeguckt". Auf Nachfrage habe es geheißen, dass Security-Mitarbeiter nicht außerhalb ihres eigentlichen Zuständigkeitsbereichs wirken dürften.

Meilen-Wirt: Keine Handlungsfesseln für Security

Auf Unverständnis treffen solche Aussagen anderswo auf der Meile. Laut Karsten Plass, umtriebiger Wirt des "Pirates" und

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Meilen-Wirt Karsten Plass. © Rother

des "King's Pub", gibt es keine Handlungsfesseln für die Sicherheitsleute. "Im Rahmen des Machbaren würden meine Leute dazwischen gehen",  sagt er. Das sei Ehrensache - aber letztlich auch eine Frage der Abschätzung: Allein gegen acht zum Beispiel könne auch ein Security-Mann wenig ausrichten. In einem solchen Fall würde dann die Polizei gerufen. Immerhin gehe es ja auch um die Sicherheit der eigenen Leute, die "keine Eingreiftruppe" seien.

Den beschriebenen Fall hat Plass wegen der Standort-Distanz nur indirekt wahrgenommen, weil plötzlich viel Polizei in der Straße gewesen sei.

Für das "Pirates" - einem von nur drei geöffneten Meilen-Lokalen am Montag - seien am Montagabend zwei Sicherheitsleute zuständig gewesen. Wenn es haarig werde, unterstütze man sich auf der Meile zudem gegenseitig. Wenn auch ohne elektronische Vernetzung; zu einer solchen sei es trotz entsprechender Gedankenspiele leider nie gekommen. Ebenso wenig wie offenbar zu einer Verständigung im oben angesprochenen Fall.

Insgesamt gebe es in den vergangenen Jahren tatsächlich eine Tendenz zu mehr Ruhe auf der Meile. Allerdings mit Einschränkungen. Denn durch das Aus fürs "Tüt-Ei" suchten viele Besucher nun anderswo in der Nähe ihren Spaß. Und bei Großveranstaltungen wie dem "Hammer Summer" oder eben Karneval nach Zeltschließung auf dem Marktplatz sei halt viel los. Zudem seien viele Leute betrunken. Das sei absehbar, und dafür wünsche man sich schon mehr Polizei vor Ort, sagt Plass: "Man sieht sie schon häufiger - aber doch nicht häufig genug." Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) nehme man auf der Meile übrigens nicht wahr.

Stadt: Ordnungsdienst unterstützt Polizei vor Ort

Die Einschätzung von Karsten Plass mag die Stadt Hamm so nicht stehen lassen. Die Meile gehörte sehr wohl zum Einsatzgebiet des KOD dazu, erklärte Stadt-Pressesprecher Lukas Huster. Die Mitarbeiter patrouillierten dort regelmäßig

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© Wiemer

- entweder zu zweit oder gemeinsam mit Polizeibeamten. An möglichen Problemtagen geschehe dies verstärkt. So auch am Montagabend, wo der Ordnungsdienst "bis kurz 2 Uhr" vor Ort war und die Polizei bei mehreren Einsätzen tatkräftig unterstützt habe.

Bilanz der Verkehrskontrollen an Karneval

Durch die Polizei wurden seit Weiberfastnacht bis einschließlich Rosenmontag 809 Autofahrer kontrolliert, von denen 259 pusten mussten. Einer von ihnen war mit Alkohol am Steuer unterwegs und bei sechs Personen besteht der Verdacht auf Drogeneinfluss, so dass Blutproben entnommen wurden.

Polizeibilanzen der Vorjahre:

2016 2015 2014 2013

Wir berichten weiter.

Hammer Rosenmontagszug gefeiert - Fotos und Videos hier

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