Überraschungs-Ei ins Nest gelegt

Rechte tricksen Hammer Linke, Polizei und Schützen aus

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Demonstranten und Polizisten am Samstag am Kentroper Weg.

Hamm - Und wieder war alles ganz anders. 120 Demonstranten demonstrierten am Samstagabend am Kentroper Weg „Gegen Rechtsrock und NS-Verherrlichung“; begleitet wurden sie von rund 40 Polizeikräften. Doch das Objekt der Kritik fand tatsächlich anderswo statt.

Das angebliche Rechtskonzert, das Anlass für die Protestkundgebung gewesen war, fand überhaupt nicht in dem seit einigen Jahren von der rechten Szene angemieteten Teil der ehemaligen Gaststätte „Davis Cup“ statt. Gefeiert und gegrölt wurde seitens der „Nationalisten“ im Clubhaus des Südener Schützenvereins an der Richard-Wagner-Straße. Auch die Polizei und der Staatsschutz erfuhren erst in der Nacht von dem Stellungswechsel – offenbar nachdem Anlieger aus dem Hammer Süden sich gemeldet hatten, dass in ihrem Umfeld rechtsradikale Lieder geschmettert würden.

Während die Protestler vom Kentroper Weg längst wieder abgezogen waren, fuhr die Polizei in den Hammer Süden. Eine Handhabe, um dort einzuschreiten, habe es nicht gegeben, sagte ein Polizeisprecher auf WA-Nachfrage. „Es hat sich um eine Privatveranstaltung ohne Öffentlichkeitswirkung gehandelt.“ Bis morgens um 4 Uhr dauerte der Einsatz vor dem Clubgelände, in den Räumlichkeiten selbst war die Polizei nicht gewesen. Verbotene Handlungen wurden nicht festgestellt.

Das Vereinsheim der Südener Schützen.

Überraschendes Ei ins Nest gelegt

Albert-Dieter Schulze-Clewing, seit vielen Jahren Vorsitzender des Schützenvereins und dort auch für die Hallenvermietung zuständig, erfuhr erst am Montagmorgen, welches Ei ihm da ins Nest gelegt worden war. Da meldete sich nämlich die Polizei bei ihm und bat um einen Ortstermin, um die Halle auf mögliche Sachbeschädigungen untersuchen zu können.

„Nie im Leben“, so der Vorsitzende gegenüber dem WA, hätte er die Räumlichkeiten an Mitglieder der rechten Szene vermietet, wenn er auch nur den Hauch einer Ahnung gehabt hätte. Doch faktisch habe sich das im konkreten Fall gar nicht verhindern lassen.

Tarnung als Geburtstagsparty

Bereits mehrere Wochen vor dem 27. Januar sei die für Feiern von bis zu 130 Personen angelegte Halle von einer Privatperson, die dort ihren Geburtstage habe feiern wollen, angemietet worden. Der Mann sei nett und höflich aufgetreten.

„Woher soll ich denn wissen, dass es sich dabei um einen polizeibekannten Rechten handelt?“, so Schulze-Clewing. 60 bis 70 Mal pro Jahr werde das Clubheim extern vermietet. Am vergangenen Wochenende sei nichts zu Bruch gegangen, auch die fällige Rechnung sei auf Heller und Pfennig beglichen worden.

Das Vereinsheim der Allgemeinen Schützenvereins 1927.

Nicht der erste Fall dieser Art

Die Südener Schützen stehen mit ihrem Problem nicht alleine da. Im Herbst 2016 traf es zuletzt den Schützenverein Berge-Weetfeld-Freiske. Auch dort hatte damals eine Einzelperson vorgegeben, das Clubhaus für eine Geburtstagsfeier anmieten zu wollen – tatsächlich wurde am besagten Tag in der Halle dann ein Rechtskonzert gegeben.

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