Problemzone Vorheider Weg

Respektlose Schüler und meckernde Nachbarn im Hammer Westen

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Müll wie leere Getränkebehälter sind nach den großen Pausen am List-Kolleg keine Seltenheit am Vorheider Weg.

Hamm-Westen – Problemzone Vorheider Weg: Immer wieder beklagen Anlieger die verfahrene Verkehrssituation und reichlich Kolleg-Müll.

„Die Straße ist wie leer gefegt“, wäre die falsche Redewendung. Es ist Dienstag, kurz vor 10 Uhr am Vorheider Weg. Schulzeit. Alles ist ruhig. Doch die Spuren dessen, was eine große Pause am Friedrich-List-Berufskolleg für das Umfeld bedeutet, sind deutlich zu sehen: Etliche Parkscheiben in Schülerautos sind auf den aktuellen Stand gebracht, leere Plastik-Kaffeebecher, Softdrinkbehälter, Papiertüten und Kippen liegen herum, auf dem Bürgersteig sind Rotze-Flecken – und die Anlieger genervt.

Wenn es zur Pause klingelt, strömen Schüler aus dem Schulgelände und bevölkern beide Seiten des Vorheider Weges, bis zur Hansastraße auf der einen und zur Spichernstraße auf der anderen Seite. Mitunter belegen sie auch die Straße. Am Kiosk wenige Meter entfernt versorgen sich manche mit Getränken und Snacks, andere gehen zielsicher zu ihren Autos und erteilen sich persönlich die Lizenz für verlängertes Parken.

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„Als die Schule 1961 in Betrieb genommen wurde, dachten wir: Wie schön, dass hier eine Schule steht – dann ist Ordnung. Heute sind wir Pfandsammler“, sagt Mariele Buxot-Taesler. Sie und ihr Mann leben in direkter Nachbarschaft zur Schule, die Familie von Mariele Buxot-Taesler errichtete das Wohnhaus im Jahr 1928. Die Situation habe sich über die Jahre zusehends verschlechtert, in diesem Schuljahr besonders, sagen beide.

Wenn sie von „Situation“ sprechen, meinen sie ein Gesamtgemenge von Einzelfaktoren, das aus der komplexen Situation am Vorheider Weg entstanden sei: den Müll, die Parkregelung, Fahren entgegen der Einbahnstraße, Lautstärke, Straßenreinigung.

Schüler ziehen in der Pause auf die Straße.

Aus ihrer Sicht passt hier vieles nicht mehr zusammen: Mehrere Tausend Schüler besuchen das Friedrich-List- und das Eduard-Spranger-Berufskolleg – mitten in einem Wohngebiet. Weil viele Schüler und Lehrer per Pkw kämen, könne das gar nicht gut gehen. Die Höchstparkdauer von einer Stunde per Parscheibenregelung vor ihrer Haustür sei ein Witz und ändere nichts an der Situation. Anlieger hätten Probleme, einen Parkplatz zu finden, sofern sie nicht über ein eigenes Grundstück verfügten. „Die Stadt könnte hier jeden Tag eingreifen, tut aber zu wenig“, sagt Klaus Taesler. Das gelte auch für regelmäßige Fahrten gegen die Einbahnstraße.

Er bemängelt, dass kleine motorisierte Kehrmaschinen des Abfallwirtschaftsbetriebes auf dem westlichen Bürgersteig kein Durchkommen mehr hätten, seitdem dieser nach der Erneuerung der Straße 2016 fürs Parken freigegeben worden sei. „Es passt nicht mehr mit den Autos und Mülltonnen, die hier stehen“, so Taesler.

Das Umfeld des Schulen im Hammer Westen.

Dass Schüler über 18 Jahre das Schulgelände verlassen dürfen, weiß das Ehepaar natürlich. Was sie vermissen, ist ein gebührendes Maß an Respekt gegenüber Öffentlichkeit und Nachbarn. Tatsächlich gibt es etliche Müllbehälter und -tonnen in diesem Straßenabschnitt, doch vieles landet trotzdem auf der Straße. Doch wenn das Paar darauf hinweist, reagierten viele Schüler unhöflich und stempelten sie als Meckerer ab.

Gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma?

Aber gibt es einen Weg aus diesem Dilemma? Und welche Rolle spielt die Stadt dabei? „Die Probleme am Vorheider Weg sind hier bekannt“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme aus dem Rathaus. Dazu habe es sowohl zu den Anwohnern als auch zum List-Kolleg immer wieder Kontakt gegeben, so ein Stadtsprecher.

„Der Kommunale Ordnungsdienst ist regelmäßig in der Straße vor Ort und verteilt Verwarnungen/Bußgelder – in der Regel in hohen zweistelligen Stückzahlen pro Kontrolle“, heißt es weiter. Mit dem List-Kolleg sei vereinbart, dass die Schüler in jedem Schuljahr eine entsprechende Ansprache dazu bekämen, dass sie sich auch außerhalb des Schulhofes ordnungsgemäß zu verhalten hätten. Das werde nach Informationen der Stadt auch so durchgeführt.

Keine große Handhabe beim Thema Müll

„Zum Thema Müll in Vorgärten haben wir keine große Handhabe: Wenn die Kollegen kontrollieren, kommt das nicht vor – dementsprechend können wir dahingehend auch gegen niemanden vorgehen“, so der Sprecher.

Die Stadt sei schon mit großem personellen Einsatz und allen Möglichkeiten aktiv, die sie zur Kontrolle hätte. „Klar ist aber auch, dass auch nicht täglich und durchgängig Kontrollen durchgeführt werden können. Die Schüler können sich als Erwachsene natürlich außerhalb des Schulhofes aufhalten“, so der Sprecher abschließend.

Von Lösungsansatz weit entfernt

Heißt übersetzt: Bleibt alles wie gehabt? Die Taeslers sind jedenfalls wenig begeistert von den Erklärungen der Stadt. Regelmäßigkeit der Kontrollen sei ein weiter Begriff. Von einem Lösungsansatz für das Umfeld sei das alles weit entfernt.

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