Polizei UND Stadt am selben Tag vor Ort

Volle "Blitzer"-Energie am Kino: Absicht oder Zufall?

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Zwei Kontrollen an einem Tag: Am vergangenen Freitag war vor der Stadt mit ihrem "Dreibein" (links) auch die Polizei mit einem Lasermessgerät in der Königstraße unterwegs.

Hamm - Ist die Verkehrssituation auf der Tempo-20-Zone Königstraße wirklich so kritisch, dass gleich zwei Kontrollaktionen am Tag nötig sind? Stadt und Polizei finden das zumindest okay. Dabei ist die Verstoßquote tatsächlich gesunken!

Viele Autofahrer und Beobachter rieben sich am Freitag, 12. April, verwundert die Augen: Zunächst zogen am Vormittag Polizisten Fahrzeuge aus dem Verkehr, die bei der Messung mit einem Lasergerät in Richtung Antonistraße zu schnell waren. Nur wenige Stunden später baute ein Stadtmitarbeiter am Kino zum siebten Mal die allseits bekannte Fotofalle auf, die dort bis in die Nachtstunden verblieb. (Klicken Sie sich hier in unseren Bericht.)

Polizei-Aktion war Stadt nicht bekannt

Beidseitig wird darauf hingewiesen, dass es zwischen der Stadt und dem Verkehrsdienst der Polizei grundsätzlich eine wöchentliche Abstimmung der Radarwagen-Standorte gibt. War diese auffällige Doppelung nun Absicht oder Zufall? Eindeutig letzteres. Die Wahl des Polizei-Standortes sei in diesem Fall im Vorfeld nicht bekannt gewesen, meint Stadtsprecher Tobias Köbberling.

Er zeigt jedoch Verständnis für die vermeintliche "Panne": Auch bei der Stadt lasse sich die Einsatzplanung nicht immer zu 100 Prozent umsetzen; und es sei nicht ungewöhnlich, dass sich durch nicht vorhersehbare Ereignisse kurzfristige Veränderungen ergeben. Dazu zählten zum Beispiel die aktuelle Park- oder die Personalsituation.

Dieser Bereich der Königstraße wird kontrolliert.

Spontaner Einsatz der Lasergeräte

Polizeisprecher Christopher Grauwinkel bestätigte die Angaben der Stadt. Er ergänzte, dass die mobilen Lasermessgeräte der Polizei oftmals auch von Streifenwagenbesatzungen spontan eingesetzt würden - wie jetzt auf der Königstraße. "Diese einsatzfreie Zeiten, die zum Beispiel für die Verkehrsüberwachung, Präsenzstreifen in der Innenstadt und Kontrollen zur Bekämpfung von Wohnungseinbrüchen genutzt werden, lassen sich nicht vorplanen." Die Beamten orientierten sich dann insbesondere an der Unfalllage und an aktuellen Bürgerbeschwerden.

Polizei: Regeln gelten eben jederzeit

Der Einsatz der mobilen Geräte der Polizei ist also nicht mit der Stadt abgestimmt. Insofern könne es natürlich passieren, dass sowohl Polizei als auch Stadt auf der gleichen Straße zu unterschiedlichen Zeiten an einem Tag messen. Grauwinkel: "Das ist aber auch nicht weiter problematisch, die Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten 24 Stunden am Tag an sieben Tage die Woche. Und Verkehrssünder, die durch ihr Fehlverhalten andere Verkehrsteilnehmer gefährden können, sind auch den ganzen Tag unterwegs."

Weniger Fahrer zu schnell unterwegs

Wie auch immer: Das Blitzlichtgewitter war am Freitag in der Königstraße deutlich weniger wuchtig als in den Monaten zuvor. Wurden seit Beginn der Aktionen im November regelmäßig zwischen 40 und 50 Prozent der Autofahrer geblitzt, lag die Quote diesmal lediglich bei 26 Prozent. Konkret: Von insgesamt 351 Fahrzeugen waren zwischen 16 und 21.18 Uhr genau 92 zu schnell. Und: Die allermeisten von ihnen hatten 35 km/ oder weniger drauf; keiner erreichte die 50 km/h-Marke.

Auch die Quote der anderthalbstündigen Polizeiaktion blieb zum Glück überschaubar hoch: 8 von 60 Fahrern wurden in der 20-Zone angehalten, belehrt und zur Kasse gebeten. Allerdings löste das Lasermessegerät überhaupt erst bei 34 km/h aus.

Große 20en sollen Autofahrer ausbremsen

Ob diese Zahlen mit den unlängst auf die Straßen gemalten "20"-Piktogrammen samt entsprechender Diskussion zu tun haben? Das lässt sich allenfalls vermuten und demnächst statistisch auswerten: Weitere Aktionen in der Königstraße sind von der Polizei und der Stadt nämlich durchaus wahrscheinlich.

So begründet die Stadt ihre Aktionen am Kino:

"Es handelt sich im Bereich der Querung am Kino um einen ganztägig durch Fußgänger- und Radfahrer stark frequentierten Bereich. Messungen sind hier zu jeder Tageszeit sinnvoll und möglich, zusätzlich auch an Wochenenden und Feiertagen. Das belegt nicht zuletzt die immer noch äußerst hohe Verstoßquote."

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