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Lack ist ab: Sexshop „Novum“ im Herzen von Hamm weicht Neubau

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Von: Sarah Hanke

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Still und heimlich ist auf dem Präsentierteller der Stadt Hamm hinter der verbliebenen Außenwerbung „Novum“ verschwunden: der große Sexshop an der Neuen Bahnhofsstraße. Jetzt gibt es interessante Neuigkeiten.

Hamm – Ein prägendes Gebäude macht Platz für Neues. Dort, wo bis Ende 2020 der Novum-Erotikmarkt mit reizenden Angeboten lockte und aktuell noch einige Dienstleister untergebracht sind (siehe Infokasten unten), soll ein neues Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Abriss und Neubau am Stadtbad 14 sind ein weiteres Puzzleteil auf dem Weg zur Aufwertung des Bahnhofsquartiers. „Hier kann eine neue Chance entstehen, den erfolgreichen Weg des Stadtumbaus im Bahnhofsquartier fortzusetzen“, sagt Heinz-Martin Muhle, Leiter der Stadtplanung. „Dass nun eine weitere Investition erfolgt ist, wird die Neue Bahnhofstraße stärken.“

Die Gosda-Bau Immobilien GmbH hat die Immobilie an der Ecke Neue Bahnhofstraße/Am Stadtbad erworben. Das Ahlener Familienunternehmen hat bereits in Hamm bauliche Spuren hinterlassen: Beteiligt war die Firma an dem Neubau am Alten Papenweg mit 57 Wohneinheiten. Das Projekt wurde 2021 abgeschlossen. An der Ostenallee wird durch Gosda seit 2021 ein Neubau mit 15 Wohneinheiten errichtet. Das ehemalige Novum-Gebäude ist nun das dritte Projekt der Firma in Hamm.

Die grauen Bauten bis hin zum Bushaltestellenschild sollen gänzlich verschwinden.
Quartiersaufwertung: Die grauen Bauten bis hin zum Bushaltestellenschild sollen gänzlich verschwinden. Äußerlich ist kaum sichtbar, dass das Ladenlokal längst geschlossen ist. © Andreas Rother

„Für uns als Investoren ist dies ein interessanter Standort, weil wir hier einen Beitrag zur Quartiersentwicklung leisten können“, sagt Heinz-Jürgen Gosda. „So ein Stück zu einem Ganzen beizusteuern, ist uns lieber, als auf einer grünen Wiese zu bauen“, so der Architekt und Geschäftsführer.

Ziel des Projekts sei es, den Standort anders zu nutzen und so den Wunsch der Stadt Hamm nach einer Mischung aus Einzelhandel und Wohnungen zu realisieren. Das Bestreben sei es, einen hohen städtebaulichen Mehrwert zu schaffen.

„Novum“ in Hamm: Rückblick und Ausblick

Die großflächige pinke Werbung, die Lust auf mehr machen soll, ist geblieben. Doch der äußere Schein trügt: Der Novum-Erotik-Fachmarkt hat die Filiale am Stadtbad 14 verlassen. Wer auf den Geschmack gekommen ist, muss die Stores in Lippetal oder Münster aufsuchen. Bereits seit dem 15. Dezember 2020 ist das Geschäft geschlossen, kurz bevor ein weiterer Lockdown ausgerufen worden war. Nach diesem hat Novum nicht wieder geöffnet.

Nicht die Pandemie sei der Grund für die Schließung gewesen, wie Geschäftsführer Michael Schnelle erklärt: „Wir waren mit dem Standort nicht mehr zufrieden, weil er nicht mehr zeitgemäß war.“ Gespräche mit der Wirtschaftsförderung Hamm hätten für das Unternehmen zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis geführt. Zwei Grundstücke seien damals besprochen worden. Der 2021 ohnehin auslaufende Mietvertrag wurde nicht verlängert.

An den Eröffnungstag in Hamm im Jahre 1997 kann sich der Geschäftsführer noch gut erinnern: „Viele Kunden kamen. Es war eine gute Zeit mit viel Jubel, Trubel und Heiterkeit.“ Die gesamten 23 Jahre seien für Novum in Hamm sehr erfolgreich verlaufen. Corona und vor allem die 2G-Regelung sei zwar wie auch für die anderen Einzelhändler eine „bittere Nuss“ gewesen.

Generell habe die Erotik- und Sexbranche von der Pandemie, in der sich die Freizeit der Menschen vermehrt in die eigenen vier Wände verlagert habe, profitiert. „Von der Gesellschaft, die heute immer mehr durch Einzelleben geprägt ist, werden unsere Utensilien stark gefragt.“

Insgesamt 23 Novum-Filialen gibt es bundesweit. Wenn sich die Chance auf ein passendes Grundstück ergebe, könne sich das Unternehmen durchaus vorstellen, wieder nach Hamm zurückzukehren.

Dieses Foto entstand im Jahr 2000 für eine Reportage in der WA-Zeitschrift „Hamm live“.
Ein Bild aus „besseren Zeiten“: Dieses Foto entstand im Jahr 2000 für eine Reportage in der WA-Zeitschrift „Hamm live“. © Andreas Rother

Sexshop „Novum“ in Hamm: Was dort gebaut werden soll

Der bereits 2010 geänderte Bebauungsplan sieht eine Nutzung wie bisher nicht mehr vor. Einzelhandel spielt darin nur noch in Mikroform eine Rolle. Deshalb sind im Erdgeschoss des Neubaus nur kleinere Geschäfte vorgesehen, in den oberen Etagen soll neuer Wohnraum in zentraler Lage zum Hauptbahnhof und zur Innenstadt entstehen.

Der Neubau soll sich baulich in den Bereich mit bereits abgeschlossenen oder noch laufenden Projekten einfügen: Rückwirkend zum Atelierhaus und den fünf Stadtvillen im Museumsquartier, zum Mercure-Hotel sowie zur „Kleist-Residenz“, das auf der ehemaligen Fläche des „Kipp’n in“ an der Bahnhofstraße 29 durch die Firma Heckmann errichtet wird.

Sexshop „Novum“ in Hamm: Nachfolgeprojekt nicht vor 2023

Abgerissen werden soll laut Gosda nur das dreistöckige Gebäude zur Straße Am Stadtbad hin. Das nebenstehende, vierstöckige Gebäude (beigefarben) mit dem Arkadendurchgang in Richtung Heinrich-Reinköster-Straße bleibt stehen. Dort befindet sich unter anderem „Ali’s Asia Store“.

Das Projekt befindet sich derzeit noch im Anfangsstadium. Frühestens 2023 oder 2024 werde dort baulich etwas passieren, so Gosda. Die Stadt blickt zuversichtlich auf die Entwicklung in diesem Bereich, hieß es aus dem Rathaus.

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