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Kaufhof: An Abriss geht kein Weg vorbei - aber das dauert noch...

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Von: Frank Osiewacz

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Kaufhof Hamm Rother
Neues Leben statt tote Hose: Was wird mit dem riesigen Kaufhof-Areal in der Hammer Innenstadt? © Andreas Rother

[Update] Seit Oktober 2020 steht das Kaufhof-Gebäude in der Innenstadt von Hamm leer. Jetzt gibt es klare Visionen für eine Nachnutzung des riesigen Areals. Wie die Gutachterbüros feststellten, geht an einem Abriss kein Weg vorbei. Aber daraus ergibt sich eine neue Perspektive für die Innenstadt.

Hamm - Nach der Schließung des Kaufhof-Standorts in der Bahnhofstraße in Hamm wird inzwischen intensiv an der Zukunft des Standorts gearbeitet: Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie wurden mehrere Varianten entwickelt, auf deren Grundlage ein attraktives, städtebaulich und wirtschaftlich tragfähiges Bindeglied zwischen dem historischen Stadtkern und dem Hauptbahnhof geschaffen werden soll.

Wichtig vorab: Die Substanz sei zu schlecht, um darauf aufzubauen, so die Gutachter. Es seien umfangreiche Analysen durchgeführt worden, die den zusammengewürfelten Baukörper - teils aus Vorkriegszeit - durchleuchtet hätten. Ursprünglich standen drei denkbare Varianten zur Auswahl: 1) erhalten und entkernen, 2) erhalten und nachverdichten durch Überbauen des Parkplatzes und 3) Abriss und Neubau.

Entscheidungen liegen beim Eigentümer

Am Dienstag stellten Vertreter der Gutachterbüros ihre Empfehlungen der Presse und dann im Stadtentwicklungsausschuss vor. Wie damit umgegangen wird, liegt zum größten Anteil in Händen der privaten Immobilieneigentümer. Diese hatten in der Vergangenheit aber stets betont, ein großes Interesse am Standort Hamm mit dem rund 7400 Quadratmeter großen Grundstück zu haben und die Studie gemeinsam mit der Stadt Hamm auf den Weg gebracht. Die Verbindung sei sehr eng, sagte Stadtplaner Heinz-Martin Muhle beim Pressetermin.

Die nun nach viermonatiger Erarbeitung - Stadtbaurat Mentz sprach von „Rekordzeit“ - fertiggestellte „Machbarkeitsstudie Kaufhof“ der Arbeitsgemeinschaft HPP Architekten, Düsseldorf, und Bulwiengesa AG, Hamburg, ist zum einen eine städtebauliche und immobilienwirtschaftliche Standortbewertung des ehemaligen Warenhaus-Areals im Hammer Bahnhofsquartier, zum anderen entwickelt sie in Varianten ein architektonisches Gebäudekonzept, das der Stadt an dieser Stelle ein lebenswertes Wohn- und Arbeitsumfeld zurückgeben soll und gleichermaßen zeigt, wie der angrenzende öffentliche Raum attraktiver gestaltet und belebt werden kann.

Nachnutzung von Kaufhof in Hamm: Konzentration auf Duo

Als wesentliche Faktoren standen im Fokus: ein hoher ökologischer Standard, kompakte und funktionale Gebäudeformen, ein humanes und angenehmes Umfeld für Wohnen, Einkaufen, gastronomische Nutzungen sowie Arbeiten, eine identitätsstiftende Fassadengestaltung mit Blick auf die jeweils unterschiedlichen Funktionen und nicht zuletzt eine eindeutige Orientierung und Wegeführung im Äußeren und im Inneren des Gebiets.

Die Analyseergebnisse führten zur Entscheidung, das bestehende fünfgeschossige Verwaltungsgebäude und das Kaufhaus-Warenhaus aufzugeben und die Konzeptarbeit auf zwei Neubau-Varianten zu konzentrieren. Auch der Übergang beziehungsweise Durchgang zwischen Kaufhof und dem gegenüberliegenden Gebäudekomplex (Berlet/Euronics, ehemals Kaufhalle etc.) soll verschwinden. Das sind städtische Aufgaben.

Eine der beiden Varianten der Machbarkeitsstudie könnte am Ende dieses Ergebnis liefern.
Eine der beiden Varianten der Machbarkeitsstudie könnte am Ende dieses Ergebnis aus Ansicht der Bahnhofstraße liefern. Die Fassadengestaltung ist bewusst ein „Zitat“ der alten Müller-Hamm-Fassade, nur ein Stockwerk höher. © Stadt Hamm / Visualisierung: moka-studio (Hamburg)

Nachnutzung von Kaufhof in Hamm - die Varianten:

Variante 1 aus der Luft gesehen.
Variante 1 aus der Luft gesehen. © Hans Blossey / Visualisierung: moka-studio (Hamburg)

Nachnutzung von Kaufhof in Hamm: noch kein Zeitplan

„Wir freuen uns, dass Planer und Berater eine sehr gute Grundlage vorlegen, die alle wesentlichen Bausteine zur weiteren Entwicklung des Areals enthält“, heißt es von der privaten Eigentümergesellschaft der Kaufhof-Immobilie. „Wir sind weiterhin mit allen Stake-Holdern im Gespräch und gehen davon aus, in den nächsten Monaten die Strategie zur zukünftigen Entwicklung finalisieren zu können“.

Bis es zum Bau kommt, wird aber noch einige Zeit der Planung vergehen. Der Rahmen sei jetzt abgesteckt, sagte Oberbürgermeister Marc Herter. Damit sei man anderen Kommunen mit ähnlichen Lagen weit voraus. Vieles hänge nun von der Investitionsplanung des Eigentümers ab. Unter anderem davon, ob dieser vielleicht Dritte mit ins Boot holen würde, ergänzte Stadtbaurat Mentz. Ein grober Zeitplan könnte sich bis zur Bauantrag-Stellung auf die Jahre bis 2024 erstrecken. Denn fertige Pläne hat natürlich noch niemand in der Schublade.

Kaufhof Hamm Blossey
Mitten in der Stadt, direkt auf dem Präsentierteller: Kein Wunder, dass die Zukunft des bisherigen Kaufhof-Geländes viel Gesprächsstoff birgt. Das Bild zeigt den Ist-Zustand. © Hans Blossey

In direkter Nachbarschaft des Kaufhof-Gebäudes hat erst kürzlich ein neues Fahrradgeschäft namens „Radpunk Cycles“ eröffnet. Der Hintergrund ist besonders, die Ambitionen des Besitzers sind groß.

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