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Nach Kirmes-Unfall: Zeugen melden sich bei der Polizei

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Von: Markus Hanneken

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Rasante Fahrten: der „Love Express“ auf dem Stunikenmarkt.
Vor allem bei jungen Kirmes-Fans beliebt: der „Love Express“. © Robert Szkudlarek

Der Zeugenaufruf der Polizei zum Unfall im „Love Express“ auf dem Stunikenmarkt in Hamm trägt Früchte. In den ersten Stunden nach der Veröffentlichung meldete sich bereits ein halbes Dutzend Personen, die das Geschehen persönlich beobachtet haben wollen.

Hamm - Ein männlicher Nutzer des „Love Express“ soll am Eröffnungsabend unter dem Sicherheitsbügel seines Wagen herausgerutscht sein und sich beim Aufprall schwer verletzt haben. Seine Begleiterin erstattete inzwischen Strafanzeige gegen den Betreiber. Der vertritt die Auffassung, der Unfall habe nur passieren können, weil der Mann sich hingestellt habe. (Hier klicken für unser großes Stunikenmarkt-Sonderressort.)

Die Zeuginnen und Zeugen, die sich nun bei der Polizei meldeten, sollen zeitnah vernommen werden, erklärte Polizeisprecher Hendrik Heine das weitere Vorgehen. Inhaltlich wurde der Redaktion noch nichts bekannt; erste Erkenntnisse aus den Aussagen dürften im Lauf der kommenden Woche zu erwarten sein.

Sollte sich der Vorwurf bestätigen, dürfte das eine Premiere sein: Denn bislang wurde kein solcher Fall in Deutschland bekannt beziehungsweise veröffentlicht. Das gilt nicht nur für den „Love Express“, sondern auch für die rund 50 baugleichen „Musik-Express“-Modelle im Umlauf - aktuell steht auch auf dem Oktoberfest in München eines.

Unfall auf dem Stunikenmarkt: TÜV-Prüfer äußern sich

Auch dem TÜV Nord ist kein solcher Fall wie der nun diskutierte bekannt. Die Experten der Prüforganisation sind verantwortlich für die Sicherheit von Kirmes-Fahrgeschäften, sowohl vor der allerersten Inbetriebnahme als auch vor dem Kirmesbetrieb auf den jeweiligen Plätzen.

„Der ‚Musik-Express‘ wird seit den 1970-er Jahren fast unverändert gebaut, er ist auf fast jeder Kirmes zu finden“, erläutert TÜV-Sprecher Martin Brüning auf Nachfrage von wa.de. Trotz dieser großen Anzahl gebe es „nur wenige Unfälle, und diese haben nur sehr selten technische Ursachen“.

Jeden Unfall mit einem Fahrgeschäft müsse der Betreiber den örtlichen Behörden melden; sie würden in der „Argebau“ - der Konferenz der Landesbauminister - besprochen, die zweimal jährlich tagt. Sollten Sicherheitsvorschriften für diese fachlich „Fliegende Bauten“ genannten Betriebe aufgrund von Unfällen nachgebessert werden müssen, würden diese dort beschlossen. Brüning: „Diese sich daraus ergebenden Nachrüstungen oder Umbauten müssten dann von den Betreibern unverzüglich umgesetzt werden, egal wie alt ein Fahrgeschäft ist und wann es genehmigt wurde.“ Das Sicherheitskonzept für „Fliegende Bauten“ sehe einen solchen Nachregelbedarf ausdrücklich vor.

Bei einem weiteren, besonders tragischem Unfall in Kirmes-Fahrgeschäft „Ghost“ wurde ein Besucher am Sonntag schwerst verletzt worden. Das wurde am Tag nach dem Ende der Innenstadtkirmes bekannt

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