Kritik an Gaffern - Stadt dankt Einsatzkräften

WDI-Großbrand: Vieles im grünen Bereich - aber noch nicht alles

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Aufnahmen wie diese mit einer Wärmebildkamera lieferte die Drohnengruppe der Feuerwehr Werl, die zur Unterstützung angefordert wurde. Sie gibt der Einsatzleitung Handlungshilfen an die Hand.

[Update 15.30 Uhr] Hamm - Am Tag nach dem Großbrand bei der WDI herrscht im Hammer Westen nach außen Normalzustand. Es gilt jedoch noch vieles zu klären und aufzuarbeiten.

Erst am Dienstagmittag gaben die Verantwortlichen endgültig Entwarnung. Um 11.50 Uhr - und damit 24 Stunden nach dem Ausbruch - haben "Feuer aus" gemeldet werden können, so ein Feuerwehrsprecher auf Nachfrage. Um 12.22 Uhr wurde diese Nachricht auch der Warn-App "Nina" verbreitet. Alle Warnungen seien damit aufgehoben. (Klicken Sie hier für unseren ersten Bericht!)

Bis in den Dienstagmorgen hinein liefen im direkten Umfeld der durch das Feuer am Ostermontag zerstörten Fabrikhalle wegen kleinerer Glutnester weiterhin Nachlöscharbeiten. Dabei kamen auch Wärmebildkameras zum Einsatz. Eine Spezialfirma pumpte zudem das Löschwasser ab. Von 30 Feuerwehr- und THW-Kräften in der Nacht waren am Vormittag noch sechs vor Ort. 

Der Brandherd gegen 14.30 Uhr, mit einer Drohnenkamera aufgenommen..

Warnungen und gesperrte Spielplätze

Messungen der Feuerwehr und des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) bestätigten, dass die Luft rund um Einsatzort nicht nennenswert belastet sei. Es gebe keine Gefahr für die Gesundheit. Trotzdem solle bei sichtbaren Beschlägen auf den Verzehr von Obst und Gemüse verzichtet werden. Zudem empfiehlt das Landesamt, Abwehungen des Brandes nur mit Handschuhen einzusammeln.

Als weitere Vorsichtsmaßnahme hat die Stadt Hamm die Spielplätze am Laurentiusweg und an der Ecke Düppelstraße/Hansastraße gesperrt, um kleinere Brandrückstände einzusammeln. "Der Sand wird in den kommenden Tagen komplett ausgetauscht. Außerdem mähen wir die angrenzenden Grünflächen, um die letzten Brandteilchen auf der Grasoberfläche zu beseitigen", hieß es aus dem städtischen Grünflächenamt. Eine Spielplatz-Alternative gibt es unter anderem im Friedrich-Ebert-Park.

Blick auf den zerstörten WDI-Komplex am Dienstagvormittag.

Halle darf nicht betreten werden

Nach Polizeiangaben darf die Halle selbst aktuell noch nicht wieder betreten werden. Unklar ist, ob es wegen möglicher Schäden an der Statik eine echte Einsturzgefahr gibt. Auch deshalb sei am Dienstag voraussichtlich nicht mit konkreten Informationen zur Ursache und zur Schadenshöhe zu rechnen, heißt es. Eine Vermutung geht in Richtung Maschinenbrand

Allerdings seien die Ermittlungsarbeiten noch nicht abgeschlossen, ergänzte ein Polizeisprecher. Die Untersuchungen der Polizei dauern an und werden voraussichtlich erst am Donnerstag abgeschlossen sein. Die Brandermittler der Polizei werden durch einen Brandsachverständigen unterstützt.

Feuerwehrschläuche an der Wilhelmstraße.

Einer der größten Einsätze seit Jahren

Der Einsatz am Montag war einer der größten Feuerwehreinsätze in Hamm seit dem zweiten Weltkrieg. In der Spitze waren insgesamt 400 Einsatzkräfte vor Ort - neben der Feuerwehr die Polizei, das DRK und das THW. Unterstützung kam von Feuerwehr-Spezialkräften aus Werl, Soest, Dortmund und Bochum sowie von der Freiwilligen Feuerwehr Bönen.

Insgesamt sechs Personen wurden leicht verletzt.

Mehrere dutzend Anwohner wurden wegen möglicher Gesundheitsgefahren zwischenzeitlich evakuiert. Sie wurden in der Friedensschule betreut.

Die Drohne der Feuerwehr Werl.

Klagen über Einsatzstellen-Tourismus

Nach WA.de-Informationen gab es auf den Social-Media-Kanälen und auch intern viel Kritik an Gaffern am Boden und in der Luft. Unter anderem ist von Autofahrern die Rede, die Foto- und Filmaufnahmen der Weiterfahrt an der Einsatzstelle vorbei vorzogen. Viele Schaulustige fanden sich im Bereich der Bahnanlagen ein.

Bilder und Videos wie hier wurden zuhauf bei Facebook gepostet. In diesem Fall droht dem Verursacher ein Bußgeld, weil er während der Fahrt gefilmt hat - eine "Ordnungswidrigkeit".

Der Hammer Polizei zufolge wurden die Einsatz- und Einsatzkräfte indes nicht bei der Arbeit behindert.

Direkt über der Brandstelle zogen Segelflieger ihre Kreise. Auch diese gefährdeten die eigentliche Brandbekämpfung zwar nicht, störten aber den Einsatz einer Drohne, die aus Erkundungsgründen von der Feuerwehr Werl gesteuert wurde. Das bestätigte Christoph Söbbeler von der Bezirksregierung Arnsberg auf Nachfrage. Diese Tatsache und die Frage möglicher Konsequenzen müsse im Nachgang "in Ruhe" überprüft werden.

Warn-App "Nina" erst spät ausgelöst

Vereinzelt war schon am Montag Kritik an der späten Warnung über die Handy-App "Nina" laut geworden. Erst etwa anderthalb Stunden nach Ausbruch des Feuers wurden Anwohner informiert und aufgefordert, aus Vorsichtsgründen Fenster und Türen geschlossen zu halten. Nach Angaben von Markus Breuer aus dem OB-Büro war das kein Versehen, sondern Absicht. Die Warnung sei bewusst erst übermittelt worden, als das Gefahrpotenzial klar war und Evakuierungen nicht auszuschließen seien. Breuer: "Anders als andere Städte wollen wir in Hamm wirklich erst dann warnen, wenn wirklich Gefahr droht."

Lagerhalle an Wilhelmstraße in Flammen

Feuerwehr mit Einsatz zufrieden

Die Einsatzleitung der Hammer Feuerwehr zog am Dienstag eine zufriedene Bilanz. "Es ist alles so gelaufen, wie es in solchen Situationen laufen muss: Das gilt von der Information der Bürger, über die Evakuierung und Betreuung der direkten Anwohner bis hin zur unmittelbaren Bekämpfung des Feuers.

Besonders lobte Feuerwehr-Dezernent Markus Kreuz auch im Namen von Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann das gute Zusammenwirken aller Beteiligten, das sich insbesondere im professionellen Miteinander von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Einsatzkräften gezeigt habe.

Stadt Hamm dankt Einsatzkräften

Kreuz hatte den Einsatzkräften vor Ort noch am Abend über die sozialen Netzwerke ein herzliches Dankeschön ausgesprochen: "Insbesondere unter den freiwilligen Feuerwehrleuten werden sich viele auf einen entspannten Ostermontag mit ihren Familien gefreut haben. Es darf uns als Gesellschaft nicht selbstverständlich sein, dass diese Menschen in solchen Situationen alles stehen und liegen lassen, um zu helfen."

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