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Messerstecherei am Hammer Bahnhof: Mutige Passanten stoppten Täter

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Von: Daniel Schröder, Markus Hanneken, Stefan Herholz, Alexander Schäfer

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© Zimmermann

[Update 15.20 Uhr] Hamm - Bei einer Messerstecherei am Hammer Bahnhof sind am Dienstagabend zwei Männer im Alter von 21 und 28 Jahren lebensgefährlich verletzt worden. Bei allen Tatbeteiligten handelt es sich um in Hamm wohnhafte Eritreer. Die Hintergründe sind noch unklar. Der Oberbürgermeister fordert mehr Polizisten für Hamm und die Bundespolizei im Bahnhof.

Großeinsatz für die Polizei am Dienstagabend: Gegen 20.12 Uhr kam es nach Angaben der Polizei auf dem Vorplatz des Hammer Bahnhofs zu einer Auseinandersetzung zwischen drei Personen.

Dabei verletzte ein 25 Jahre alter Mann seine beiden Kontrahenten mit einem Küchenmesser lebensgefährlich. Die beiden Verletzten, ein 28 und ein 21 Jahre alter Mann, wurden mit einem Rettungswagen beziehungsweise einem Rettungshubschrauber in Krankenhäuser gebracht.

Der Täter wurde von zwei Bundespolizisten noch im Bahnhofsbereich festgenommen. Bis in den späten Dienstagabend hinein war die Kriminalpolizei damit beschäftigt, Spuren zu sichern.

Identitäten klar, Hintergründe nicht

Eine Mordkommission in Dortmund übernahm die Ermittlungen. Staatsanwalt Henner Kruse konnte am Morgen nach dem Vorfall immerhin mitteilen, dass es sich bei dem Täter um einen "in Hamm wohnhaften Eritreer" handelt. Am Mittwochnachmittag wurde ergänzend bekannt, dass es sich auch bei den beiden schwerstverletzten Opfern um eritreische Staatsbürger handelt, die in Hamm wohnen. Beide seien inzwischen notoperiert worden und außer Lebensgefahr.

Gegen den mutmaßlichen Täter wurde wegen des "Verdachts der gefährlichen Körperverletzungen und des versuchten Totschlags in zwei Fällen" Haftbefehl beantragt. Er wurde am Mittwochnachmittag dem Haftrichter beim Amtsgericht Hamm vorgeführt.

Zu den Hintergründen des Vorfalls konnten die Ermittler bislang keine Auskünfte geben, weil entsprechende Aussagen noch nicht vorlägen: Der mutmaßliche Täter schweige dazu, und die beiden Verletzten seien noch nicht vernehmungsfähig. Staatsanwalt Kruse zeigte sich skeptisch, dass man verlässliche Aussagen bekommen werde. Immerhin: Mit dem Drogen-Milieu hätten die Betroffenen nichts tu tun, habe der Täter deutlich gemacht.

Mutige Passanten halten Täter auf

Ersten Ermittlungen zufolge hätten die drei tatbeteiligten Eritreer gemeinsam mit einem weiteren Landsmann zunächst auf dem "Platz der

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Die Dienststelle der Bundespolizei am Bahnhof. © Mroß

Deutschen Einheit" auf einer der Bänke gesessen. Sehr wahrscheinlich waren die Männer miteinander bekannt. In diesem Zuge sei es - offenbar auch wegen Sprachproblemen - zu Streitigkeiten gekommen. Dabei habe der spätere Täter das Messer hervorgeholt. Laut Zeugen kam es zu einer kurzen Verfolgung, bei der einer der Beteiligten hingefallen sei, ehe es zu den blutigen Messerstichen kam.

Anwesende Passanten hätten den fliehenden Täter im Bereich der Stadtbücherei aufgehalten, indem sie ihn "eingekreist" hätten, erklärte der Staatsanwalt. In der Folge habe er das Messer fallen gelassen; er konnte von den zwei herbei geeilten Bundespolizisten mit vorgehaltener Waffe widerstandslos festgenommen werden. 

Viele Menschen vor dem Bahnhof?

Zum Zeitpunkt des Vorfalls hatten sich ersten Polizeiangaben zufolge viele Passanten im Bereich des Geschehens aufgehalten. "Meine Kollegen sprechen von etwa 400 Personen", berichtete ein Polizeisprecher am Dienstagabend. Diese Aussage konnte Staatsanwalt Kruse am Mittwoch nicht bestätigen.

Hunsteger will mehr Polizei und Kameras

Als Konsequenz aus dem Vorfall am Dienstagabend fordert Hamms Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann von Land und Bund mehr Polizisten für Hamm und die Bundespolizei im Bahnhof Hamm. Zudem setzt sich Hunsteger für eine Videoüberwachung in dem Bahnhofsumfeld ein.

Hunsteger, der derzeit auf Dienstreise in der Türkei ist, kontaktierte bereits am Mittwochmorgen NRW-Innenminister Herbert Reul. Reul habe ihm

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Oberbürgermeister Hunsteger-Petermann © Rother

zugesagt, eine mögliche Änderung des Polizeigesetzes zu prüfen, damit die Kommune mehr Möglichkeit bekommt, Videoüberwachung einzusetzen. Zudem lud Hunsteger den Innenminister ein, sich vor Ort ein Bild zu machen. Der Besuch wird vermutlich im September oder spätestens Anfang Oktober geschehen.

"Die Bevölkerung erwartet, dass gehandelt wird. Wir müssen reagieren", sagte Hunsteger im Gespräch mit dem WA. Der jüngste Vorfall sei kein Einzelfall, die Situation rund um den Bahnhof habe sich trotz verschiedener Maßnahmen der Stadt zugespitzt. "Es gibt hier durchaus ein Problem." Der Kommunale Ordnungsdienst könne allein das Problem nicht lösen. "Die Polizeipräsenz muss erhöht werden", betonte Hunsteger.

Blutiger Streit im Juni

Erst am 9. Juni 2017 hatte es an derselben Stelle wie jetzt eine blutige Auseinandersetzung gegeben. Bei einem Streit zwischen zwei Personengruppen schlugen drei Personen auf ihre drei Opfer mit Fäusten ein. Drei Personen, alle nordafrikanischer Herkunft, erlitten Stichverletzungen. Ein 23-jähriger Tatverdächtiger wurde durch die Polizei gestellt und vorläufig festgenommen. Da dieser bis heute schweigt, konnten sich die Ermittler bislang kein genaues Bild von den Hintergründen des Vorfalls machen.

Einen möglichen Zusammenhang mit diesen Tat vom Juni konnten die Ermittler am Mittwoch weder bestätigen noch ausschließen. Daten des aktuellen Tatverdächtige seien bislang nicht im Polizei-Computer hinterlegt gewesen.

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