"Schalke"-Lokschuppen wird nach 100 Jahren Denkmal

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Längst wird der Lokschuppen an der Östingstraße nicht mehr genutzt – entsprechend heruntergekommen kommt das Gebäude daher.

Hamm - Von außen macht der Lokschuppen an der Östingstraße gar nicht so viel her: graue Wände, eingeschlagene Scheiben, über die Tore hat jemand in Großbuchstaben eine Hommage an Schalke 04 gepinselt. Lokomotiven stehen hier schon lange nicht mehr.

Allerdings sind die Hallen bedeutend für die Entwicklung der Eisenbahnarchitektur. So bedeutend, dass die Stadt das gut 100 Jahre alte Gebäude in die Denkmalliste eingetragen hat.

„Personenzuglokschuppen mit Drehscheibe“ heißt es unter der laufenden Nummer 370 des Denkmal-Verzeichnisses. Es folgen fünf Seiten Erläuterungen, mehr als zu allen anderen Hammer Bau- und Bodendenkmälern. Die Gebäude-Daten sind imposant: Es bietet Platz für 35 Lokomotiven, fürs Rangieren gibt es zwei Schiebebühnen, Tragkraft 150 und 350 Tonnen. Es handele sich um „frühe elektrisch betriebene Rangiervorrichtungen“, heißt es in der Denkmalbegründung. Sie machten unter anderem den Denkmalwert der Anlage aus.

Nördlich der Halle ist eine von ursprünglich zwei Drehscheiben erhalten, sie hat einen Durchmesser von 20 Metern. Gemacht waren die Lokstände zunächst für preußische Schnellzuglokomotiven, denen seit Mitte der 1920er Jahre die noch größeren Exemplare der Reichsbahn folgten. Die Baureihen 01 und 05, die Vorzeigeloks der deutschen Dampflokomotivära, hatten ihren wichtigsten Stützpunkt hier.

Das alte Bahnbetriebswerk im ursprünglichen Zustand. 2014 wurde ein Nebengebäude abgerissen.

Errichtet wurden die Hallen und Nebengebäude des Betriebswerks für Personenzuglokomotiven von 1916 bis 1925 nach Plänen der Königlichen Eisenbahn-Direktion Essen. Federführend war der Baurat Karl Hüter (1867-1920), der für viele Bahnbauten an Ruhr und Lippe verantwortlich war. Für Hamm entwarf er auch das Empfangsgebäude des Personenbahnhofs sowie die Bahnhöfe Heessen und Rhynern. Hüters bisher nur ansatzweise erforschtes Werk sei ein architekturgeschichtlicher Grund für die Unterschutzstellung des Lokschuppens, so die Denkmalbehörde.

Über das weitere Schicksal des Lokschuppens herrscht Unklarheit. Sein Gegenstück, die Anlage für Güterzuglokomotiven an der Banningstraße, hatte die Bahn im vergangenen Jahr abreißen lassen. An der Östingstraße waren 2014 Bagger angerückt und hatten ein Nebengebäude eingerissen; zur damals angekündigten Zerstörung des gesamten Komplexes kam es nicht. Eine Anfrage zu weiteren Plänen mit dem nun geschützten Gebäude ließ die Bahn bislang unbeantwortet.

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