Kunstquartier

Kultur oder Nachtruhe? Party mit Musik sorgt für Anzeige und Ärger im Luther-Viertel

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Tätowierer Kai Wohlgemuth kann nicht nachvollziehen, dass sich Anwohner über die Lautstärke auf seiner Party beschwert haben.

Hamm-Mitte – Am Ende war es ein kostspieliger und vor allem ärgerlicher Atelierabend für den Hammer Graffiti-Künstler und Tätowierer Kai Wohlgemuth („The Uzey“). Eine Party mit geladenen Gästen am 14. Dezember endete mit einer Anzeige wegen Ruhestörung. Die gut 178 Euro hat Wohlgemuth längst beglichen, fertig ist er mit dem Thema aber noch nicht.

„Alle reden über das Kunstquartier Luther-Viertel. Wenn man dann mal etwas außer der Reihe macht, werden einem Knüppel zwischen die Beine geworfen“, sagt er. Wohlgemuth hat sein Atelier im Künstlerhof, einem Innenhof an der Martin-Luther-Straße gegenüber des Restaurants „Olive“. An jenem Samstagabend spielten Musiker laut Wohlgemuth gerade eine Jam-Session, als die Polizei gegen 22.45 Uhr mit zwei Beamten anklopfte.

Offenbar waren die Ordnungshüter telefonisch – von einer Wohlgemuth nicht bekannten Person – benachrichtigt worden. Von „überlauter Musik“ und „zum Teil geöffneter Tür zum Innenhof“ sollte später in der Anzeige die Rede sein. Der Veranstalter wurde zur Ruhe ermahnt, Folgemaßnahmen angekündigt. „Die Session wurde beendet“, beschreibt Wohlgemuth den Ablauf. Anschließend sollte noch Musik aus der Konserve folgen.

Polizei stellt die Musik ab

Doch auch die war einem Anlieger offenbar zu laut: Nach erneuter telefonischer Meldung stand die Polizei gegen 23.45 Uhr nochmals auf der Matte. Auf Initiative der Beamten wurde die Musik ausgemacht. „Sie sei weiterhin zu laut gewesen“, sagte Polizeisprecher Hendrik Heine nach Blick in die Akten gegenüber unserer Zeitung.

„Es geht mir nicht um die Zahlung“, sagt Wohlgemuth. „Darum will ich mich nicht weiter streiten und habe auch von einer Anhörung abgesehen. Mich ärgert vielmehr die mangelnde Toleranz von Menschen, die an einem Samstagabend sofort zum Hörer greifen. Wir sind hier in einem Kunst- und Kulturviertel. Da muss man das auch mal aushalten können. Auch von den Beamten hätte ich mir mehr Fingerspitzengefühl gewünscht. Hier herrschte keinesfalls eine aggressive Stimmung.“

"Für alle gelten dieselben Regeln"

„Ob Kunst und Kultur oder Gartenparty: Für alle gelten letztlich dieselben Regeln. Für Sie wie für mich“, sagt Polizeisprecher Heine. „Das heißt zwischen 22 und 6 Uhr ist Zimmerlautstärke angesagt. Menschen dürfen durch hohe Lautstärke nicht belästigt werden. Es gibt Anlässe, bei dem Kollegen ohne Anzeige wieder abfahren, weil sie den gemeldeten Vorgang nicht als Delikt beurteilen. Das war in diesem Fall wohl anders.“ Die Androhung von Folgemaßnahmen sei nicht ungewöhnlich. Es gebe Fälle, bei denen zur „Gefahrenabwehr“ Stereoanlagen oder Boxenkabel bis zum Folgetag sicher gestellt würden.

Ruhestörung – ein Top-Einsatzanlass

Ruhestörung ist nach Verkehrsunfällen mit Sachschaden (Blechschaden) der zweithäufigste Einsatzanlass der Hammer Polizei. 2019 wurde die Polizei 2.629 Mal wegen vermeintlicher Ruhestörung gerufen (2018: 2.705), nur Blechschäden lagen 2019 mit 5.621 Alarmierungen höher (2018: 5.656). Für die Ruhestörungen bedeutet dies im Schnitt etwa sieben Einsätze pro Tag in Hamm. Nicht alle jedoch münden wie im Fall von Kai Wohlgemuth in eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Landesimmissionsschutzgesetz.

Wie viele Anzeigen es zum Beispiel 2019 tatsächlich gewesen sind, werde bei der Stadt nicht erfasst, sagte Sprecher Tom Herberg. Beim Rechtsamt werden die von der Polizei vor Ort gefertigten Ordnungswidrigkeiten-Erfassungsbelege weiter bearbeitet. Ein Einspruch ist möglich. Der weitere Weg kann dann zur Staatsanwaltschaft und zu einer richterlichen Entscheidung führen.

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