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Ter Veen schließt Samstag: Ende einer Ära in Hamm

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Von: Jörn Funke

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Alle gehen zu Ter Veen: Andreas Teppler vor seinem Kaufhaus. © Szkudlarek

Hamm - Am Samstag ist Schluss. Nach 112 Jahren schließt Ter Veen, eines der letzten eigenständigen Kaufhäuser im Land, und eines der letzten in der Hammer Innenstadt. Der Ausverkauf läuft auf Hochtouren.

Noch zwei Tage bleiben Ter Veen, und immer noch kommen die Kunden. Das Erdgeschoss des alten Kaufhauses an der Bahnhofstraße ist vollgestellt mit Ausverkaufsware. Die Schreibwarenregale sind leergekauft, Herrenhosen hängen noch zu Hunderten an den Ständern. Geschäftsführer Andreas Teppler steht mittendrin und wirkt ganz zufrieden mit diesen letzten Geschäftstagen seines Kaufhauses. Noch gut zehn Prozent des ursprünglichen Warenbestandes seien da, sagt er. Und bis Samstagabend wolle man noch so viel wie möglich verkaufen.

30 Mitarbeiter hatte Ter Veen im September 2018, als Teppler die Schließungspläne öffentlich machte, jetzt sind es noch 15. Einige sind im Ruhestand, sagt er, und alle anderen hätten neue Arbeitsplätze gefunden. In seinen Glanzzeiten hatte Ter Veen bis zu 120 Mitarbeiter und lieferte bis weit ins Sauerland hinein. Allein in der Dekorationsabteilung habe es zwischenzeitlich 26 Mitarbeiter gegeben. Für die Schaufenster wurde alles selbst gemacht.

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Warenhäuser künftig nur noch in Metropolen

Ter Veen stammt aus der Zeit des Schaufensterbummels, die für Teppler im Untergang begriffen ist. Langfristig, sagt er, werde es Warenhäuser nur noch in den Metropolen geben, als Luxushäuser wie das Kaufhaus des Westens in Berlin oder Oberpollinger in München. Den Rest mache dann der Online-Handel, der den stationären Einzelhändlern mit unerschöpflicher Produktauswahl und 24-Stunden-Öffnungszeiten in den meisten Fällen überlegen sei.

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Volle Regale im Erdgeschoss... © Szkudlarek

Ter Veen war ein Gegenentwurf: ein Nahversorger für Kochtöpfe, Schreibwaren und Unterwäsche. Dinge, für die sich weder die Einkaufstour nach Münster noch die Online-Bestellung lohnen. Teppler kennt die Kleinigkeiten, mit denen sein Unternehmen jahrelang gehandelt hat: Dichtungsringe für Schnellkochtöpfe beispielsweise, „davon haben wir Hundertausende verkauft“. Oder Angorawäsche, die Marktfrauen im Winter warm hält. „Ab Montag“, sagt Teppler, „gibt es das in Hamm nicht mehr“.

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...leere Warenständer in den Obergeschossen. © Szkudlarek

So geht es weiter:

Ter Veen-Geschäftsführer Andreas Teppler will ab Montag die Einrichtung verkaufen, das Gebäude entrümpeln und langfristige Verträge abwickeln. Eineinhalb Jahre, schätzt er, werde es dauern, das Unternehmen zu liquidieren. Erste Abnehmer für die historische Ausstattung hat er bereits: Stadtarchiv und Gustav-Lübcke-Museum übernehmen die Unternehmensakten und die Leuchtreklame: „Alle gehen zu Ter Veen“.

Wer die Immobilie bekommt, ist dagegen noch nicht klar. Es gebe Interessenten und entsprechende Gespräche, sagt Teppler. Spruchreif sei noch nichts, er rechne aber damit, dass im nächsten Jahr auf dem Grundstück die Bagger anrollen könnten. Bei der Stadt weiß man einem Sprecher zufolge von den Gesprächen. Weiter möchte man sich nicht äußern, es handele sich ja um ein privates Immobiliengeschäft.

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