Hammer Rat: Gasbohren ja, Windkraft nein

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Die Ratssitzung gestern verfolgten auch zahlreiche Gasbohr- und Windkraftgegner.

Hamm - Rat der Stadt Hamm schwimmt mit seinen Entscheidungen gegen die Energiewende: Die Mehrheit stimmte am Abend für das Gasbohren, aber gegen die Windkraft.

Wenige Monate nach der Weltklimakonferenz in Paris mit einem klaren Bekenntnis zum Klimaschutz durch den Ausbau regenerativer Energien hat der Rat mit den Stimmen der großen Koalition zwei lange geplanten Windkonzentrationszonen eine Absage erteilt, aber für den Verbleib der Stadtwerke in der HammGas GmbH und für eine Probebohrung nach Erdgasvorkommen in Nordick gestimmt.

„Der Ausstieg aus der HammGas wäre der falsche Weg. Die Stadt muss sich die Zugangsrechte weiter sichern. Sonst kommen andere, die das Gas fördern wollen“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Dennis Kocker. Die Entscheidung für die Probebohrung sei noch keine Entscheidung für eine Gasproduktion. „Das Verfahren ist ergebnisoffen.“

„Trotz der Energiewende werden wir auch mittelfristig nicht ohne fossile Energie auskommen“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Richard Salomon. Auch FDP und Grüne pflichteten bei: „Wir stimmen zu, damit die Stadt weiter Herr des Verfahrens bleibt“, sagte FDP-Gruppensprecher Ingo Müller. Und Grünen-Fraktionschef Reinhard Merschhaus stellte fest: „Manchmal müssen wir Grüne für etwas stimmen, obwohl wir eigentlich dagegen sind.“ Das Erdgas werde noch ein paar Jahrzehnte als Brückentechnologie gebraucht. Da sei es besser, die Ressourcen vor Ort zu nutzen, als Gas aus dem Ausland zu exportieen, dass dort unter ökologisch fragwürdigen Bedingungen gewonnen werde. Allerdings gab es mit Parteichef Volker Burgard auch einen Abweichler bei den Grünen.

Zeichen setzen

Pro Hamm, Linke und Piraten bezweifelten, dass die Probebohrung ergebnisoffen durchgeführt werde. „Wir müssen Zeichen setzen und zeigen, dass wir die Energiewende ernst nehmen. Deshalb sagen wir Nein zum Gasbohren“, sagte Dr. Cevdet Gürle (Pro Hamm).

Leidenschaftlich gerungen wurde später auch um die seit vier Jahren geplanten Windkonzentrationszonen in Bockum-Hövel (Isenburg) und entlang der Autobahn 2 (Rhynern/Weetfeld). „Sie stellen die parteipolitischen Interessen über die Interessen der Stadt. Weil Sie in Rhynern etwas Gegenwind haben, machen Sie einen zukunftsträchtigen Industriezweig in der ganzen Stadt kaputt“, warf Merschhaus der CDU vor. Die Union sei zudem den Beweis schuldig geblieben, dass die Mehrheit der Bürger die Mega-Windräder ablehne. Es sei eine „erbärmliche Entscheidung“, die Absage einfach auf die Planung Isenburg zu übertragen. Dass die Stadtwerke nur wenige Kilometer entfernt in Barsen ihr Mega-Windrad bauen dürfe, setze dem Ganzen die Krone auf: „Schlimmer kann man Investoren nicht vergraulen.“

Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann konterte: „Es ist das Recht des Rates, eine Vorlage nicht zu beschließen.“ Das gelte auch für weit fortgeschrittene Verfahren. „Ich bin grundsätzlich für Windkraft. Aber auch regenerative Energie braucht am Ende eine breite Zustimmung aus der Bevölkerung.“

Die SPD sprang ihrem in Erklärungsnot geratenen Koalitionspartner nicht bei. Dabei hatten die Genossen darauf bestanden, auch das Isenburg-Projekt abzusagen.

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