"Mehr als ein Beruf": Selbstbewusst dank FSJ im Altenzentrum

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Hamm-Mitte - Vorher wusste er nicht, wohin mit seinem Leben. Jetzt hat er einen Plan. Und den verdankt Alexander Ludwig seinem Freiwilligen Sozialen Jahr  im Altenzentrum Liebfrauen.

Rot, Gelb, Grün, Orange: Die Cafeteria des Altenzentrums Liebfrauen ist voller lebendiger Farben. Farben wie diese spielen eine wichtige Rolle in  Ludwigs Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ). „Wenn es bunt ist, ist die Atmosphäre anders. Helle, freundliche Farben holen die alten Menschen richtig hoch“, sagt er über seine Arbeit im Altenzentrum, die er sehr zu schätzen weiß. Dass das heute so ist, liegt auch an den Mitarbeitern dort. Diese wurden nun ausgezeichnet. 

Es war ein holpriger Start für Alexander Ludwig in dieses Freiwilligenjahr. Es begann in einem anderen Altenheim, dort jedoch fühlte er sich nicht wohl, kam nicht zurecht. Er beantragte den Arbeitsortswechsel. Und das klappte auch, dank Betreuung durch Imke Friedrich von der Caritas. Sie besprach mit dem heute 18-Jährigen seine Qualifikationen und Zielvorstellungen und fand für ihn das Altenzentrum Liebfrauen. 

Heimleiterin war skeptisch, er trug nur schwarz

Heimleiterin Meike Kemper war erst skeptisch, als sie den jungen Mann kennenlernte. Ludwig trug nur schwarze Kleidung, grüßte nicht und schien keine Lust auf die Arbeit zu haben. Dieser erste Eindruck sollte sich dank guter Zusammenarbeit im Team des Altenzentrums und bei den Betreuerinnen der FSJler schnell ändern. 

Ludwig verlängerte sogar und blieb eineinhalb Jahre im Altenzentrum. „Meine Einstellung änderte sich schnell von ,Ich will hier weg’ zu ,Es macht wirklich Spaß, ich will hier bleiben’“, sagt er. 

Tagespflege: Bei den Menschen im eigenen Zuhause helfen

Im Altenzentrum werden die freiwilligen Helfer hauptsächlich in der Tagespflege eingesetzt. Das heißt, sie betreuen Senioren, die im eigenen Zuhause wohnen, doch für manche täglichen Anforderungen Hilfe benötigen. Die Freiwilligen werden vom Team angeleitet, wie sie mit den Menschen ihre Tage gestalten und korrekt mit Leuten umgehen, die sich nicht mehr ganz orientieren können. O

b sie spazieren gehen, gemütlich Zuhause sitzen oder ein Eis essen, die Freiwilligen entscheiden gemeinsam mit den Betreuten, wie ihre Tage aussehen sollen. „Ich habe gelernt, dass die Arbeit mehr bedeutet, als hinzugehen und jemanden zu pflegen“, erklärt Ludwig. „Es ist mehr als ein Beruf.“ 

Nicht zu viel von den Jugendlichen verlangen 

Struktur und Vorgaben bekommen die Freiwilligen durch Kemper und Pflegedienstleitung Birgit Telke. Hinzu kommt die Bereitschaft aller Anleiter, bei Fragen zur Verfügung zu stellen. Diese Zusammenarbeit und strukturierte Ausbildung des Altenzentrums, das unter der Trägerschaft des Vereins katholischer Altenhilfeeinrichtungen steht, wurde jetzt von In Via, dem Dachverband der Caritas, ausgezeichnet.

Von links: Alexander Ludwig, Meike Kemper, Imke Friedrich und Birgit Telke freuen sich über die Auszeichnung, die Friedrich verlieh.

 Das Zertifikat bescheinigt dem Altenzentrum einen qualitativ hochwertigen Freiwilligendienst anzubieten. Dass die jungen Menschen gut angeleitet werden müssen, betont das Leitungsteam Kemper und Telke. Es dürfe nicht zu viel auf den Schultern der Freiwilligen abgeladen werden. 

Das liege nicht daran, dass man ihnen nur wenig zutraue, betonen sie, sondern Aufgaben sollten so ausgewählt werden, dass sie „nicht mehr sind, als man in der Position schaffen kann“. 

Endlich einen Plan für's Leben

Für Ludwig bedeutet das Jahr nicht nur berufliche Orientierung. Er möchte zwar nicht weiter im Altenzentrum arbeiten, aber immer mit Menschen. Als Ziel hat er sich die Orthopädie im Bereich Technik und Mechanik gesetzt. „Ich habe unheimlich viel Selbstbewusstsein aufgebaut“, meint Ludwig. 

Welches Ludwigs schönstes Erlebnis in den eineinhalb Jahren war? „Es sind die Kleinigkeiten. Wenn man die Tür öffnet und die Person, selbst wenn sie nicht mehr orientiert ist, keine Namen und Verwandten mehr erkennt, lächelt“, sagt Ludwig und lächelt selbst. Seit einiger Zeit trägt er fröhliche Farben. „Zumindest zu 80 Prozent“, meint Kemper. 

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