Erpresserischer Menschenraub

„Melonen-Prozess“: Brüder des Opfers schildern brutale Schläge - Angeklagter lacht

Mietrechtsfragen landen häufig vor Gericht
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Ein Mann aus Hamm muss sich aktuell wegen „erpresserischen Menschenraubes“ und Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Ein 42-jähriger aus Hamm und ein 33-Jähriger aus Lünen müssen sich aktuell im Landgericht Hagen wegen eines „erpresserischen Menschenraubes“ und Körperverletzung verantworten. Jetzt haben die Brüder des Opfers ausgesagt.

Hamm/Lünen/Hagen – Nach Überwindung einiger Hindernisse haben im Landgericht Hagen die beiden Brüder des Entführungsopfers ausgesagt. Die deutsche Botschaft in Teheran hatte ihnen nach längerem Zögern aufgrund der Dringlichkeit ihrer Aussage ein Visum für Deutschland ausgestellt. Die beiden Zeugen vervollständigten das Bild von einem Tatgeschehen, das im Laufe des Prozesses immer grotesker wird.

Prozess wegen Entführung und Körperverletzung: Angeklagter lacht während Verhandlung

Wenn die Aussagen der Brüder aus Teheran und die Angaben ihres in Hagen lebenden Bruders zutreffen, schickten die Entführer ihnen über das Handy des Opfers Live-Bilder von den Misshandlungen ihres brutal verprügelten Bruders.

„Das ganze Gesicht meines Bruders war voll Blut“, erinnerte sich einer der beiden Zeugen. „Die haben schreckliche Dinge mit meinem Bruder gemacht“, erklärte der zweite Zeuge unter Tränen. Der Angeklagte aus Lünen fand das offenbar lustig, bis der Vorsitzende Richter ihn zurechtwies: „Hören Sie bitte auf zu lachen!“

Der Fall

Ein Angeklagter aus Hamm (42), der sich derzeit in der Türkei aufhält, und sein Mitangeklagter aus Lünen (33) müssen sich im Landgericht Hagen wegen eines „erpresserischen Menschenraubes“ und Körperverletzung verantworten. Sie sollen im Juli 2020 einen 43-jährigen Mann aus Hagen entführt haben, um ihn durch massiven Gewalteinsatz zur Zahlung von 25.000 Euro zu veranlassen. Dabei sollen sie auch eine Scheinhinrichtung inszeniert haben. Hintergrund soll ein von dem 43-Jährigen vermitteltes Wassermelonengeschäft gewesen sein, in dessen Verlauf zwei Lastwagen aus Griechenland nicht in Schweden angekommen sein sollen.

Bei den Verhandlungen mit einem unbekannten Vermittler zwischen den Teheraner Brüdern und den Tätern in Deutschland machten die Brüder allerdings deutlich, dass die erhobene Forderung von 25.000 Euro zu hoch sei. „Das ist sehr viel Geld im Iran.“

Für die Familie war es selbstverständlich, dass vorrangig das Leben ihres Angehörigen in Deutschland gerettet werden müsse: „Jeder, der diese Bilder gesehen hätte, hätte das Geld gezahlt. Wir hätten das Geld besorgt.“ Denn die Brüder waren überzeugt: „Wenn wir das Geld nicht bezahlen, bringen sie unseren Bruder um!“ Die finanziellen Möglichkeiten waren allerdings beschränkt.

Angeklagter aus Hamm als brutaler Schläger bestätigt

Die Brüder dachten deshalb über den Verkauf eines Autos nach, der bis zu 10.000 Dollar einbringen sollte. Daraufhin sei die Forderung gesenkt worden. Als der zwielichtige Vermittler sich dann in Teheran zwei Tage nach den schlimmen Videobotschaften bei ihnen gemeldet habe, sei ihnen schon klar gewesen, dass ihr Bruder in Hagen wieder frei und in Sicherheit war. Der unbekannte Geldbote, der nicht nur deshalb nach Teheran gekommen war, flog deshalb ohne Lösegeld nach Deutschland.

In einem Punkt waren sich beide Brüder in ihren Aussagen einig: Immer wieder verwiesen sie auf den noch anwesenden Angeklagten aus Lünen: Er habe sie angerufen und die ursprüngliche Forderung von 25.000 Euro erhoben. Der Angeklagte aus Hamm habe sich als brutaler Schläger betätigt. „Ich habe sechs, sieben Faustschläge gesehen – auf Kopf, Gesicht und Nase“, bestätigte einer der Brüder nach langen Nachfragen.

Der Mann aus Hamm habe den Kopf des Opfers auch an die Wand geschlagen.

Unklar blieb weiterhin die Rolle, die das Opfer bei dem angeblich gescheiterten Wassermelonen-Deal gespielt hatte. Seine Teheraner Brüder konnten auch nur seine Versicherung wiedergeben, dass er nur der Vermittler zwischen dem Lieferanten in Griechenland und dem Käufer in Schweden gewesen sei. Ansonsten habe er nichts damit zu tun gehabt. Die Prozessbeteiligten wunderten sich, dass es zwischen den drei Brüdern keinerlei weitergehende Gespräche über mögliche Gründe für die Geldforderung der Entführer gegeben haben sollte. „Es gibt immer wieder Unklarheiten, wenn es darum geht, was das Opfer mit diesem Wassermelonengeschäft zu tun hatte“, stellte der Vorsitzende fest.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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