Neues Konzept für den Klassiksommer

Hamm lobt neuen Preis aus - und will so renommierter Konzertreihe neuen Schwung geben

Im Klassiksommer soll es weiterhin zwei große Konzerte geben, die wohl Frank Beermann dirigieren wird - wie im Juli Beethovens „Fidelio“.
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Im Klassiksommer soll es auch 2022 zwei große Konzerte geben, die wohl Frank Beermann dirigieren wird - wie im Juli Beethovens „Fidelio“.

Hamm vergibt bald einen neuen Preis: Die beliebte Veranstaltungsreihe Klassiksommer soll zum Wettbewerb werden. Das soll der Reihe einen Aufbruch bringen.

Hamm – Die Klassikszene steckt in einer tiefen Krise, so beschreibt es Frank Beermann. Seit mehr als 20 Jahren ist der Dirigent dem Klassiksommer in Hamm verbunden, dirigiert die großen Konzerte der Reihe. Er schildert, dass in der Pandemie mehrere große Künstleragenturen in die Insolvenz schlitterten, Städte Klassikreihen einstellten. Der Klassiksommer in Hamm hingegen soll bleiben, mehr noch, mit dieser Reihe wollen die Veranstalter einen Aufbruch wagen: „Es ist an der Zeit, etwas Neues zu probieren“, sagt Beermann. Aus dem Klassiksommer soll ein Wettbewerb werden. Die Jury? Das sollen die Zuhörer sein.

Klassiksommer: Die Auswahl der Künstler soll transparenter erfolgen

Die erste Neuerung: Frank Beermann wird künstlerischer Leiter des Festivals. Zu Beginn der Reihe war er schon einmal für fünf Jahre Co-Künstlerischer Leiter, dann gab er den Posten ab. Nun soll Beermann die Rolle wieder einnehmen. „Die Arbeitsatmosphäre hier in Hamm ist sehr erfrischend“, sagt er.

Geplant ist, dass die Auswahl der Künstler transparenter erfolgt. Ein Gremium wird auswählen, wer spielt. Dem Gremium sollen neben Beermann unter anderem Vertreter aus dem Kulturbüro, dem Kulturausschuss, der neue Leiter des Kulturbüros und der Sponsoren angehören.

Team für den Klassiksommer: vordere Reihe (von links): Katharina Potthoff (Förderverein), Cornelia Helm (Stadtwerke) und Monika Simshäuser (Vorsitzende des Kulturausschusses); mittlere Reihe (von links): Torsten Cremer (Sparkasse), Frank Beermann (Künstlerischer Leiter) und Marc Herter (Oberbürgermeister); hintere Reihe (von links): Monika Schnieders-Pförtzsch (Stellvertretende Vorsitzende des Kulturausschusses), Petra Strassdas (Kulturbüro Stadt Hamm) und Knud Skrzipietz (Leiter Kulturbüro).

Klassiksommer: Insgesamt 13 Konzerte sind geplant

13 Konzerte stehen im Klassiksommer 2022 an. Drei davon laufen außerhalb des Wettbewerbs: Bei der Eröffnung am 5. Juni 2022 werde im Kurhaus „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn erklingen. Gesetzt ist auch der Mozart-Zyklus auf Gut Kump. Beim Abschlusskonzert erklingen die Neunte Sinfonie „Aus der neuen Welt“ von Antonín Dvorák, Stücke aus Leonard Bernsteins „West Side Story“ sowie „Ein Amerikaner in Paris“ von George Gershwin. Wo dieses Konzert stattfinden soll, ist noch geheim – der Ort sei ein Besonderer, sagt Oberbürgermeister Marc Herter.

Der Wettbewerb selbst erstreckt sich auf die übrigen zehn Konzerte. Profimusiker können sich bewerben, um in Hamm zu spielen. Das Gremium wählt aus, wer auftritt. Jeder Künstler erhält eine Gage für seinen Auftritt, für jeden ist sie gleich hoch. Nach dem Konzert stimmen die Zuschauer ab: Sollen die soeben gehörten Künstler Preisträger des Klassiksommers werden? Wie genau die Zahl der Zuschauer und Stimmen gewichtet wird, steht noch nicht fest. Klar ist nur: Die Entscheidung über den Preisträger liegt bei den Zuhörern.

Neuer Preis aus Hamm: Name und Preisgeld stehen noch nicht fest

In den kommenden Wochen soll bekanntgegeben werden, wie genau der neue Preis heißt und wie viel Preisgeld es gibt. „Es wird ein Preisgeld in attraktiver Höhe sein“, sagt Torsten Cremer, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hamm als Sponsor und Vorsitzender des Beirats des Klassiksommers. Insgesamt sollen Preisgeld und Gagen so hoch sein wie die Gagen in den Vorjahren. Zudem wird der Gewinner für ein Engagement im Folgejahr gebucht.

Im Umkehrschluss heißt das allerdings, dass für einige Künstler wohl weniger Gage gezahlt wird als bisher – zumindest für alle, die den neuen Klassiksommer-Preis nicht gewinnen. Macht es das schwieriger, renommierte Künstler nach Hamm zu holen? Zuletzt hatten ja schließlich renommierte Künstler wie Sabine Meyer ihr Kommen zugesagt und hatten in Hamm gespielt.

Frank Beermann ist der designierte künstlerische Leiter des Klassiksommers.

Man muss realistisch auf den Markt schauen. Oft zahlt man für Prominenz überhöhte Preise.

Frank Beermann, Dirigent

„Man muss realistisch auf den Markt schauen“, sagt Frank Beermann. „Oft zahlt man für Prominenz überhöhte Preise.“ Er meint, dass sich eine Vielzahl an Künstlern bewerben werde. Zudem verschaffe der Wettbewerb Hamm ein Alleinstellungsmerkmal, ergänzt Monika Simshäuser, Vorsitzende des Kulturausschusses. Beermann zufolge werden zudem in den drei großen Konzerten außerhalb des Wettbewerbs weiterhin Prominente gebucht – so sollen 2022 auf Gut Kump Solisten der Berliner Philharmoniker auftreten.

Neues Konzept: Abstimmung der Politik steht noch aus

Mit dem Wettbewerb wage man Neues, sagt Beermann, doch eines bleibe gleich. „Wir machen hier ein Festival für die ganze Stadt.“

Über das neue Konzept wird der Kulturausschuss am 8. September beraten. Im Oktober wird das Gremium Teilnehmer und Spielorte festlegen. Der Vorverkauf beginnt dann am 6. Dezember.

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