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Hamms kultigste Partykeller: Familie Bruch feiert mit Freunden im Braumeister-Museum

Hammer Partykeller: Oliver Bruch hat in seinem Keller ein kleines Braumeister-Museum.
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Hammer Partykeller: Oliver Bruch hat in seinem Keller ein kleines Braumeister-Museum.

Früher gehörte die Theke im Untergeschoss einfach dazu. Und auch heute haben noch viele Hammer einen Partykeller. Wir stellen sie in unserer Serie vor. Dieses Mal ging es zu Oliver Bruch ins Lohauserholz.

Hamm – Beim Betreten erinnert der rustikale Partykeller von Familie Bruch im Lohauserholz eher an ein kleines Museum: bunte Lichteffekte, eine Nebelmaschine oder gar eine Discokugel sind nicht zu entdecken. Stattdessen ziert ein Hopfenkranz aus dem eigenen Garten die Deckenleuchte. Unzählige Bierkrüge, Flaschenöffner, Schilder und Bierdeckel füllen Wände und Regale. Ausgiebig gefeiert wird in dem Keller mit Museumscharakter trotzdem oft und gerne.

StadtHamm
RegierungsbezirkArnsberg
Fläche226,3 km²
Einwohner178.967 (31. Dez. 2020)

Die schönsten Partykeller in Hamm: Sammlerstücke des Braumeisters

Als der 50-Jährige zusammen mit seiner Frau Melanie das 1969 erbaute Haus von den Eltern übernahm, war schnell klar: Der im Jahr 1975 von ihnen eingerichtete Partykeller bleibt. Ende der 80er sind die einst rosafarbene Wand und die Bambusmatte einer Holzverkleidung gewichen. Geblieben ist das Wappen mit dem Westfalenpferd, das noch immer an der Wand zwischen den anderen Schildern hängt. Viel verändert haben die neuen Hausbesitzer an der Einrichtung nämlich nicht: Die Sammlerstücke des verstorbenen Braumeisters sind so gut wie alle an Ort und Stelle geblieben.

„Da sind Sachen bei, die es inzwischen gar nicht mehr gibt. Sie haben daher schon einen enormen Sammlerwert“, so Bruch. Zum Beispiel der alte Brauerbecher des Vaters, aus dem er immer an dem gebrauten Bier in den Fässern kostete. „Daraus wurde dann 30 bis 35 Grad warmes Bier getrunken“, so Bruch und ergänzt lachend: „Der Mann hatte nie Grippe.“ Die Gäste des kultigen Partykellers bevorzugten eher ein kühles Blondes.

Kleines Brauerei-Museum: In Oliver Bruchs Partykeller gibt es keine weiße Wand

Ein Hingucker sind auch die zahlreichen Biergläser mit Fuß in der Vitrine oder im Gläserhalter an der Decke. Der Partykeller verlöre seinen speziellen Charme, würden die Sammlerstücke weggeworfen: „Ein Partykeller ist für mich kein Partykeller, wenn er weiße Wände hat. Ich will mich hier wohlfühlen.“ Lediglich ein Fernseher und eine Musikanlage sind nachträglich noch hinzugekommen.

Zum Feiern gibt es bei Familie Bruch immer einen Anlass. Fast jeden Freitagabend treffen sich die Bruchs mit Sascha Bothe, der gemeinsam mit Oliver Bruch bei einem Bahnunternehmen tätig ist, und seiner Frau Silke im Partykeller auf ein Feierabendbier. „Die Stimmung in diesem Keller ändert sich stündlich“, findet Sascha Bothe. Man sitzt zusammen, öffnet die erste Flasche Bier und tauscht sich zunächst meist über Arbeit und Alltag aus.

Hamms kultige Partykeller - hier: Oliver Bruch

Hamms kultige Partykeller Teil 2
Hamms kultige Partykeller Teil 2
Hamms kultige Partykeller Teil 2
Hamms kultige Partykeller Teil 2
Hamms kultige Partykeller - hier: Oliver Bruch

Getrunken wird, getreu der Familientradition, mit Vorliebe Pils. Meist ein Isenbeck. „Bier muss Geschmack haben. Ich möchte kein gefärbtes Wasser trinken“, sagt Bruch. Seine Frau greift allerdings dann doch lieber auf ein Kirschbier oder Krefelder zurück. „Man spricht dann über Dinge, die einen gerade so beschäftigen und kommt dann von Höcksken auf Stöcksken“, sagt sie. Auch Themen aus Politik, Wirtschaft, Fußball oder Sport allgemein würden dann besprochen und diskutiert. Nach ein paar Bier wird es dann meist Zeit für Schnaps und manchmal wird dann auch getanzt.

Partykeller mit Museumscharakter: Erinnerungen an viele tolle Partynächte

„Zu späterer Stunde haben wir dann auch schon alle auf dem Boden gesessen und fröhlich zu Achim Reichels ‚Aloha Heja He“ gerudert“, erinnert sich Sascha Bothe. Gefeiert wird heute aber nicht mehr ausschließlich mit deutscher Schlagermusik, so wie die Eltern von Oliver Bruch es mit Vorliebe taten: „Wir hören fast alles.“

Die Serie

Kein Haus ohne Partykeller: Früher gehörte die Theke im Untergeschoss einfach dazu. Man traf sich zum Kartenspielen, bei runden Geburtstagen oder zur Nachbarschaftsfeier, hier tratschten Frauenkegelclubs genauso wie die Jungs aus dem Fußballverein. Oft kamen die Gäste im Dunkeln an und kehrten erst heim, als es draußen wieder hell wurde. Und heute? Ja, es gibt sie noch, die kultigen Keller. Wir stellen die Bars im Untergeschoss und die Leute, die sie mit Leben füllen, vor. Nach Jörg Neusüß in Rhynern schauen wir heute in den Westen auf Oliver Bruch.

Ein Höhepunkt war für Oliver Bruch sein 16. Geburtstag, bei dem er endlich zum ersten Mal mit Bier anstoßen durfte. Schon als Kind hatte er gemeinsam mit seinem Vater Bier gebraut, was auch bei ihm das Interesse für dieses Handwerk weckte. Im Garten hat die Familie Hopfen angebaut. „Das Bierbrauen ist sehr viel Arbeit. Mit Ruhen kann das schon mal einen ganzen Tag dauern“, so Bruch.

Partykeller zu Corona-Zeit: Feiern nur mit festen Kontakten

Mit seinen Schützenbrüdern traf sich Bruch gerne zum Umtrunk im Partykeller. Vor und nach dem Schützenfest bot er dem Vereinsmitglied des Schützenvereins Wiescherhöfen-Lohauserholz 1838 immer eine klasse Location zum Feiern. Auch runde Geburtstage der ganzen Familie wurden fast immer im eigenen Partykeller zelebriert. So auch der 30. Geburtstag von Oliver Bruch. Mit 30 Gästen, darunter waren auch die Avantgardisten des Schützenvereins, kann es in solch einem kleinen Partykeller schon mal richtig eng werden. „Es war damals sehr stickig, weil alle geraucht haben“, erzählt er. „Aber es ist halt ein Partykeller“, ergänzt Ehefrau Melanie.

Wegen der Corona-Pandemie wird im Partykeller jedoch meist nur mit den festen Kontakten gefeiert. Meist bleibt es bei vier Personen. Bis größere Feiern wieder möglich sind, könne die Familie aber in Erinnerungen an lustige Partynächte schwelgen: An einer Wand hat Melanie Bruch die schönsten Erinnerungen aus dem 46-jährigen Bestehen des Partykellers aufgeklebt.

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