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Hamm ist auf dem Weg zur vernetzten Stadt

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Von: Gisbert Sander

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Masrc Herter und Colja Krause stehen vor dem Rathaus in Hamm
Sie fördern die Digitalisierung: Oberbürgermeister Marc Herter (links) und Colja Krause (Vorsitzender Digitalisisierungsausschuss). © © Andreas Rother

Das Auto online anmelden ohne Wartezeiten im Amt, Ampelkreuzungen ohne Halt überqueren dank intelligenter Steuerung, einen Stadtrundgang individuell gestalten und dank „In-App“ lebendig Zeitzeugenberichte erhalten: Das alles und noch viel mehr soll künftig in Hamm möglich sein.

Hamm - Sämtliche Lebensbereiche sollen künftig digital abgedeckt werden – zumindest die, die im Zusammenhang mit der Stadtverwaltung und ihren Tochtergesellschaften stehen. „Menschlich – Lebenswert – Innovativ“ lautet der Titel der Digitalisierungsstrategie, deren Konzept jetzt vorgestellt wurde.

Eines ist Oberbürgermeister Marc Herter dabei besonders wichtig: „Technik allein reicht nicht. Das ist eine Vision, die die Menschen mitnimmt.“ Und er will dabei Tempo machen. Von einer „rekordverdächtigen Umsetzung“ spricht Colja Krause (FDP), Vorsitzender des Ausschusses für Digitalisierung: Der Rat hat erst Ende Juni 2021 den Auftrag für dieses Digitalisierungskonzept erteilt, im August ist der Prozess angelaufen und bereits am 29. März soll der Rat die Strategie beschließen. „Das zeigt, was möglich ist, wenn man Themen wirklich ernst meint und ihnen die erforderlichen Ressourcen einräumt“, so Colja Krause. Sein Namensvetter, Jens Krause, stellte als CDO („Chief Digital Officer“ der Stadtverwaltung) die Inhalte vor: fünf übergeordnete Handlungsfelder mit jeweils einer Reihe von Leitprojekten. Dass die technischen Voraussetzungen vorhanden sind – W-Lan beispielsweise oder das schnelle 5-G-Mobilfunknetz – wird dabei vorausgesetzt.

Infrastruktur

Voraussetzung ist es, eine Urbane Datenplattform zu schaffen, um Verwaltungshandeln auf diesem Weg abzukürzen – inklusive städtischer Töchter. Damit bleibe die Datensouveränität in kommunaler Hand. Die technische Grundlage für die Vernetzung bildet „LoRaWan“, das stadtweite „Long Range Wide Area Network“, ergänzt durch andere Funktechnologien.

Damit könnte der „Digitale Zwilling“ entwickelt werden. Dabei werden Panoramabilder und Daten eines Laser- scans zusammengeführt, um ein exaktes digitales Abbild der kompletten Stadt zu schaffen. Vergleichbar ist das in etwa mit Google-Street-View. „Die Daten bleiben aber nichtöffentlich, solange ein öffentlicher Zugriff vom Datenschutz nicht wasserdicht geklärt ist“, verspricht Jens Krause. Mit dieser Technik könnte beispielsweise die Bauverwaltung Messungen durchführen, ohne vor Ort einen Termin machen zu müssen. Das bedeutet aber auch, dass die Daten in etwa zweijährlichen Rhythmen erneuert werden müssen.

Verwaltung

Die vollständige digitale Kfz-Zulassung wird im Rahmen eines bundesweiten Pilotprojekts möglich. Laut Krause wartet die Stadt auf den Förderbescheid des bundesweit zuständigen IT-Planungsrats. Ohnehin soll die Verwaltung ein „Digitales Familienrathaus“ werden, um Serviceleistungen von der Geburt bis zum Übergang Schule-Beruf zu bündeln. Termine werden dann online vereinbart, Beratungen finden per Video statt.

Umwelt

Eine Vielzahl lokaler Wettermessstationen soll miteinander vernetzt werden für eine dauerhafte Stadtklimaanalyse. Damit können quartiersweise klimatische Entwicklungen berechnet und Maßnahmen zur Verbesserung eingeleitet werden.

Mobilität

„Wir sind bundesweit die ersten, die prototypisch eine digitale Ampelschaltung installieren“, sagt Jens Krause. Eine intelligente Lichtsignalanlage erfasst mit einem Kamerasystem inklusive künstlicher Intelligenz das Verkehrsaufkommen, um Rot- und Grünphasen optimal zu schalten. „Das ist für Autos relativ einfach zu machen, die Herausforderung liegt darin, Fußgänger und Radfahrer im Blick zu halten“, so Krause. Bei diesen Anlagen handele es sich um geschlossene Systeme, die keine Daten exportieren und nicht von außen beeinflusst werden könnten. Der Prototyp soll an der Kreuzung Hesslerstraße/Marker Allee installiert werden – sobald die Fachfirma dazu bereit ist.

Bei der Verkehrsdatenerfassung soll der Fahrradverkehr künftig neben den Kfz-Strömen mehr berücksichtigt werden. Zurzeit gibt es rund 120 Zählstellen, die von manuell auf digital umgestellt werden sollen. Ein erster Mobilitätsstadtplan soll schon bald an den Start gehen, an der Weiterentwicklung wird gearbeitet. Zum digitalen Busnetzplan werden weitere Mobilitätsangebote (Car-Sharing, Leihfahrräder, E-Scooter, Parkleitsystem) hinzukommen. Im CreativRevier Heinrich Robert wird eine Testfläche für Autonomes Fahren zur Verfügung gestellt. „Da sind wir aber abhängig von einem Betreiber, dem wir den roten Teppich ausrollen würden“; so Jens Krause.

Bildung

Zum 800-jährigen Stadtjubiläum im Jahr 2026 soll die „Augmented History“ zur Verfügung stehen: Mit einer entsprechenden App könnten Bürger quasi „im Vorbeigehen“ etwas zur Geschichte von Gebäuden und Grünanlagen erfahren – beim Hochbunker beispielsweise durch Zeitzeugenberichte aus dem Zweiten Weltkrieg. Wann die Einzelvorhaben realisiert werden, hängt laut Herter davon ab, wie Fördermittel fließen: „Wenn wir weniger Geld zur Verfügung haben, ist zwar unser Eifer nicht begrenzt, aber womöglich sind es unsere Einsatzmöglichkeiten.“ Die Realisierung des Digitalisierungskonzepts sei eine Daueraufgabe.

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