Äußerungen

Diskriminierender Brief bringt Ampelkoalition auf die Barrikaden - CDU vermeidet klare Aussage

Sachsenhalle in Hamm-Heessen von außen
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Im Bürgersaal der Sachsenhalle ging es in der Bezirksvertretersitzung hoch her.

Ein Brief erhitzt die Gemüter in der Bezirksvertretung Heessen. Während die Ampelkoalition geschlossen Farbe bekennt, fühlt sich die CDU-Fraktionsvorsitzende nicht zuständig.

Heessen – Das Beste kommt zum Schluss – oder besser: der Knaller. Unter „Verschiedenes“, dem letzten Punkt auf der Tagesordnung der Bezirksvertretung (BV), meldeten sich gleichzeitig drei Ampelkoalitionäre zu Wort: Tobias Lohse (SPD), Friedrich Moor (Grüne) und Heinz-Rüdiger Kaldewey (FDP). Sie hatten dasselbe Anliegen: CDU-Fraktionschefin Gabriele Beltrop-Hengst möge sich von einem offenen Brief distanzieren, den Karl-Heinz Lang, gescheiterter Kandidat auf CDU-Ticket für den Seniorenbeirat, verfasst, verschickt und wenig später zurückgezogen hat.

Groll nach Nicht-Wahl in den Seniorenbeirat - Brief an Herter

Lang, 86 Jahre alt, hatte in der BV zwei Mal für den Seniorenbeirat kandidiert, war aber beide Male nicht gewählt worden – die Ampelkoalition entschied sich für Brigitte Rohde (parteilos) und Brigitte Hausmann (SPD). Dabei hatte die erste Wahl wiederholt werden müssen, weil sie in einem ungültigen Verfahren stattgefunden hatte. Das hatte die CDU mit einem Widerspruch bei Oberbürgermeister Marc Herter (SPD) erreicht.

Aber auch diese zweite Wahl hatte Lang in einem offenen Brief an den OB angefochten. Darin sind die von der Koalition kritisierten Äußerungen enthalten. „Muss ich mich da in der Sitzung der Bezirksvertretung von der Deutsch-Türkin Dilek Dzeik-Erdogan, die Bezirksfraktionsvorsitzende der SPD und noch grün hinter den Ohren ist, diskriminieren und beleidigen lassen?“, schreibt Lang per Mail am 9. Juni gegen 19 Uhr. Am 10. Juni gegen 10 Uhr schickt Lang eine Mail hinterher und verändert die Passage.

CDU-Fraktionsvorsitzende distanziert sich nicht klar

Bereits am 25. Juni forderte die Ampelkoalition die CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung auf, sich „klar und öffentlich von diesen abwertenden und diskriminierenden Äußerungen ihres Kandidaten zu distanzieren“. Jetzt erneuerte die Koalition ihre Forderung von Angesicht zu Angesicht.

Lohse, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, sagte, dass Lang offensichtlich das Ziel gehabt habe, Dzeik-Erdogan zu diskriminieren. Kaledewey sagte, Lang habe sich „aus meiner Sicht für alle ehrenamtlichen Aufgaben in unserer Gemeinschaft disqualifiziert“. Und Moor rief aus: „Wie kann man Dilek Dzeik-Erdogan rassistisch als Deutsch-Türkin bezeichnen!“

Die angesprochene CDU-Fraktionsvorsitzende bat um eine Sitzungsunterbrechung – und vermied nach 15 Minuten Bedenkzeit eine klare Distanzierung. Sie sei nicht verpflichtet, sich zu entschuldigen, denn Lang sei weder Mitglied der CDU-Fraktion, noch sei die Fraktion Absender und Adressat des Briefes gewesen. „Das bedeutet nicht, dass ich die Formulierungen mittrage“, betonte sie. Aber die Zukunft von Lang könnten einzig die CDU-Parteigremien entscheiden.

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