Ärger auf dem Heessener Friedhof

Blumen und Kerzen von Hammer Urnenfeld landen im Müll

Anja Krähling hat ihre Erinnerungsstücke an den Stelen auf dem Sundernfriedhof wieder aufgestellt.
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Anja Krähling hat ihre Erinnerungsstücke an den Stelen auf dem Sundernfriedhof wieder aufgestellt.

Das sorgt für Kopfschütteln: An den Urnengräbern auf dem Kommunalfriedhof Sundern in Hamm-Heessen verschwinden Erinnerungsstücke im Mülleimer.

Hamm – Das große Urnenfeld auf dem Kommunalfriedhof Sundern ist eine ansprechend gestaltete Grabfläche: Gestorbene können dort unter den Bäumen beigesetzt werden und auf in Halbkreisen angeordneten Erinnerungs-Stelen werden die Namen der Beerdigten verewigt. Die Stelen werden von den Trauernden oft von Blumen, Kerzen und anderen Erinnerungs-Gegenständen eingerahmt. Als Astrid Krähling vergangene Woche die Grabstelle besuchte, war ihr Schrecken jedoch groß: Die gesamten Erinnerungsgegenstände waren abgeräumt worden.

Engelsfigur liegt im Container

Zunächst dachte sie an Übereifer der kommunalen Mitarbeiter, doch beim Friedhofsgärtner bekam sie eine andere Auskunft: Offenbar hätte eine ältere Dame bereits des Öfteren sämtliche Gegenstände eingesammelt – und anschließend weggeschmissen. Und tatsächlich: Astrid Krähling fand ihre und andere Gegenstände wieder, als sie anschließend zu den Sammelbehältern für Grünabfälle und anderen Müll ging. „Auf dem Boden des Containers sah ich sofort meine Engelsfigur und daneben einen blauen Müllsack mit mehreren Laternen und Kerzen darin“, erinnert sich Krähling.

Mühselig mit einem Ast im Container fischend, habe sie den Engel schließlich herausholen können. Der dünne blaue Müllsack sei dabei aufgerissen und unter anderem auch ihre Laterne zum Vorschein gekommen. Die Kerze darin sei sogar erst zu einem Viertel abgebrannt gewesen. Beides habe sie zum Glück ohne Beschädigung bergen können.

Jeder Mensch trauere anders, sagt die Hinterbliebene. Doch fehle ihr das Verständnis dafür, wieso jemand, selbst wenn er dort eigene Angehörige betrauert, so eigenmächtig vorgeht. „Mir war schon einmal aufgefallen, dass eine Topfpflanze fehlte“, sagt Krähling. Doch damals habe sie vermutet, dass der Wind den Topf umgeweht und zerstört habe.

Bild eines Kindes entsorgt

„Vor einem Jahr habe ich in kürzester Zeit meine beiden Eltern verloren“, berichtet Krähling. Seitdem habe sie diesen Teil des Friedhofs stets als sehr friedlichen Ort erlebt, wo man noch in Ruhe trauern könne. So wie sie hätten viele „ihre“ kleine Stelle an der Stele und bei ihren wöchentlichen Besuchen habe sie diese Anlage stets als ordentlich wahrgenommen. Ende der Woche war der Müllsack immer noch zu sehen und auch ein sorgfältig laminiertes Bild, das offenbar ein Kind für seinen Opa gemalt hatte, lag im Container direkt daneben. Ob es „rechtmäßig“ dort entsorgt wurde? Schwer zu sagen. Fest steht nur, dass Astrid Krählings Gegenstände ohne ihr Wissen in jenem Mülleimer landeten.

Eine Witwe soll zwischendurch „aufräumen“

Schließlich wendete sie sich an das städtische Grünflächenamt, das auch für die Friedhöfe zuständig ist. Sie habe das Vorkommnis geschildert und einen sehr freundlichen und verständnisvollen Mitarbeiter erlebt. Er habe ebenfalls von solchen Vorkommnissen gehört und so etwas auch selber schon dort miterlebt: Es würde sich um ein „Dame“ handeln, die ihren Ehemann verloren hätte und ebenfalls an jener Stele trauere. Sie würde sich an den vielen Andenken anderer stören und deshalb hin und wieder mal „richtig aufräumen“. Der Hinweis und die Ermahnung, sie könne sich doch nicht an „guten“ Dingen anderer vergreifen, habe sie wohl nicht zum Umdenken gebracht.

„Pietätlose Unverschämtheit“

„Von Unordnung kann bestimmt nicht die Rede sein“, sagt Krähling. Sie selbst entferne auch schon mal welke Blumen oder ausgebrannte Kerzen, aber insgesamt sei es stets sehr ordentlich. Vielmehr empfinde sie das Verhalten dieser Person als eine pietätlose Unverschämtheit.

Da der Sachbearbeiter des Grünflächenamtes derzeit im Urlaub ist, konnte keine Stellungnahme der Stadt erfolgen. Dass Astrid Krähling zukünftig mit einem bangen Gefühl ihren Friedhofsbesuchen nachkommt, ist verständlich.

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