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„Sauviel zu tun“: So geht es den Fleischern in Hamm

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Von: Sascha-Nikolai Paschedag

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Sie merken, dass sich ihr Einzugsbereich vergrößert hat: Steven und Jörgen Senz haben durch die Schließung anderer Metzgereien mehr zu tun.
Sie merken, dass sich ihr Einzugsbereich vergrößert hat: Steven und Jörgen Senz haben durch die Schließung anderer Metzgereien mehr zu tun. © szkudlarek

Mit der Schließung der Fleischerei Engel gibt es einen Fleischer weniger in Hamm. Wie ist die aktuelle Situation bei den anderen Fleischern in der Stadt? Wir haben nachgefragt.

Hamm – Seit dem Jahreswechsel ist die Fleischerei Engel in Rhynern geschlossen. Für die Kunden in Hamm ist es nun noch schwieriger geworden, an Waren vom Metzger zu kommen. Doch wie ist die Situation bei den Hammer Fleischern? Der WA hat nachgefragt.

„Wir müssen uns derzeit an viele neue Situationen gewöhnen und wir müssen uns viel drehen und mühen“, sagt Ernst-Alfred Kleeschulte, Vorsitzender der Fleischer-Innung Hellweg-Lippe, in der auch die Fleischer in Hamm vertreten sind.

Fleischer in Hamm: Hohe Energiekosten und wenig Personal

Nach den Bäckern seien die Fleischer am stärksten von den steigenden Energiepreisen betroffen. „Wir müssen unsere Kühlungen und Räucheranlage ständig laufen lassen, das verbraucht natürlich einiges an Energie“, sagt Kleeschulte.

Doch auch andere Probleme machen der Branche zu schaffen. Etwa der fehlende Nachwuchs. „Es fehlt an Auszubildenden in unserem Handwerk“, sagt Kleeschulte. Zuletzt wurde etwa die Berufsschulklasse der Fleischer in Lippstadt geschlossen. Der Grund: Zu wenige Auszubildende. „Die Azubis müssen deswegen jetzt teilweise bis nach Essen fahren, um am Unterricht teilzunehmen“, sagt Kleeschulte. „Das ist fürjunge Leute schon eine deutliche Belastung.“

Kunden verhaltender, aber dennoch zufrieden

Zudem würden die steigenden Preise den Fleischereien zu schaffen machen. „Man merkt, dass die Leute ihr Geld zusammenhalten“, sagt Kleeschulte. Das Weihnachtsgeschäft sei aber dennoch gut gelaufen.

Abseits dieser Probleme kann Kleeschulte immerhin ein positives Fazit ziehen. „Wir sind derzeit zufrieden“, sagt er. „Es ist ein schönes und vielseitiges Handwerk.“

Fleischerei Senz: „Wir haben sauviel zu tun“

Ähnlich äußerte sich auch Steven Senz von der Fleischerei Senz. „Wir haben sauviel zu tun“, sagt er. „Derzeit haben wir rund 2000 Kunden die Woche, was auch daran liegt, dass sich unser Einzugsgebiet massiv vergrößert hat.“

Grund dafür sei, dass viele Fleischer in der Umgebung aufgehört haben. Nach der Schließung der Fleischerei Engel habe man überlegt, die Räumlichkeiten zu erwerben und weiterzuführen, schlussendlich sei man von der Idee aber abgerückt. „Es wären für uns viele Investitionen notwendig gewesen“, sagt Senz. „Deswegen haben wir die Idee verworfen.“

Das einzige Problem seien auch hier die Fachkräfte. „Wir haben zwar einen tollen Mitarbeiterstamm, aber neue Arbeitskräfte zu finden, ist schon schwierig“, sagt Senz. Vor einigen Jahren wurde eine Auszubildende der Fleischerei Senz von der Handwerkskammer Hellweg-Lippe als beste „Fleischereifachverkäuferin“ ausgezeichnet.

Fleischerei Langer hält sich mit Wochenmarkt über Wasser

Deutlich pessimistischer äußert sich hingegen Georg Langer von der Fleischerei Langer aus Bockum-Hövel. „Wir halten uns derzeit mit Marktverkäufen über Wasser“, sagt er. „Viele Menschen halten derzeit ihr Geld zusammen und das merken wir hier auch.“ Einen Blick in die Zukunft will er derzeit nicht wagen. „Ich weiß nicht, was kommen wird und wie es weitergeht“, sagt er. „Es ist aber alles andere als leicht.“

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