Nach drei Jahren Arbeit

Viele Zaungäste bei Flutung des neuen Ahsedükers - Fotos und Video

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Wasser marsch: Die Ahse sucht sich den Weg durch das neue Flussbett hin zum Düker.

Hamm – Nach gut dreijährigen Arbeiten ist der neue Ahse-Düker im Hammer Osten am Montag geflutet und damit eingeweiht worden. Rund 500 Hammer waren der Einladung gefolgt und beobachteten das Spektakel aus nächster Nähe.

Ein Bagger riss am späten Nachmittag den Damm zwischen dem alten und neuen Flussbett der Ahse ein, anschließend strömte das Ahsewasser in die fünf Röhren, die es unter dem Datteln-Hamm-Kanal hindurch in die Lippe führen. 

Für die Hammer die das Schauspiel verfolgten, wurde dieses durch den einsetzenden Starkregen allerdings getrübt. 

Gigantisches Bauwerk für den Hochwasserschutz

Gekommen war auch Enak Ferlemann, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Er sprach von einem gigantischen Bauwerk, das dem Hochwasserschutz diene. Der Neubau sei notwendig geworden, weil der Bauzustand des alten Dükers im Rahmen des jahrelangen Steinkohleabbaus in der Region stark beeinträchtigt wurde. 

Flutung des Ahsedükers in Hamm

„Am Datteln-Hamm-Kanal, wie auch an den anderen Kanälen des westdeutschen Kanalnetzes, wird der Steinkohlebergbau auch in technischer Hinsicht noch lange nachwirken. Die in dieser Zeit entstandenen Schäden an Bauwerken und Dämmen werden die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung noch auf Jahre hinaus beschäftigen“, so Ferlemann. 

Gaben das Startsignal für die Flutung: Prof. Dr. Hans-Heinrich Witte (links) und Enak Ferlemann.

"Sicherheit auf höchstem Niveau"

„Mit dem neuen Ahse-Düker ist die Stadt Hamm auch zukünftig sicher vor Hochwasser“, sagte Prof. Dr.-Ing. Hans-Heinrich Witte, Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt. Für die Bemessung des neuen Dükers sei ein Hochwasser zugrunde gelegt worden, das rechnerisch alle 1000 Jahre vorkommen kann.

Witte: „Das ist zehnmal mehr, als wir normalerweise bei Dükern zugrunde legen, Sicherheit also auf höchstem Niveau.“ Von einem Mammutprojekt, das in kurzer Zeit realisiert worden sei, sprach auch Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann. „Hier ist Großartiges zum Schutz der Bürger geschehen.“ 

Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen

Die Arbeiten sind mit der offiziellen Einweihung noch nicht abgeschlossen. Weil sich das Wasser in den fünf Rohren langsam und gleichmäßig verteilen soll, können die Spundwände zwischen Düker-Auslauf und Lippe erst am Dienstag (12. August) entfernt werden.

Taucher werden dafür eingesetzt; während der Flutung wäre die Arbeit für sie zu gefährlich, sagte Ralf Bruns vom Wasserstraßenneubauamt, der die Bauarbeiten leitet.

Der schnurgerade Ahseverlauf musste für den Dükerneubau 100 Meter vor der Mündung geändert werden; das neue Flussbett macht jetzt einen Linksschwenk auf den neuen Dükereinlauf zu. Der Einlauf des alten Dükers soll per Damm vom Fluss getrennt und anschließend verfüllt werden. Die entsprechenden Arbeiten sollen Bruns zufolge in dieser Woche beginnen.

Rund 500 Hammer kamen an die Baustelle und verfolgten den künstlichen Dammbruch aus nächster Nähe.

Alter Düker muss trockengelegt und inspiziert werden

Der alte Düker selbst soll später verfüllt werden, muss dafür jedoch trockengelegt und inspiziert werden. Im Sommer 2020 sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein. Spätestens dann ist auch die Promenade am Kanalufer wieder hergestellt.

Der neue Düker ersetzt einen Altbau, der 1913 im Zuge der Ahseverlegung errichtet worden war und inzwischen marode ist. Seit 2016 wird deshalb rund 50 Meter westlich der bisherigen Ahsemündung an einem Ersatzbauwerk gearbeitet. Das 22-Millionen-Euro-Projekt im Hammer Osten geriet zeitweise zu Hamms größter Baustelle. 

Fünf 100 Meter lange Stahlrohre, Durchmesser 3,60 Meter, mussten per Lastwagen in Einzelteilen angeliefert, zusammengeschweißt und mithilfe gigantischer Kräne in eigens ausgehobene Gruben im Datteln-Hamm-Kanal versenkt werden. 

Redner loben die Leistung

Die Redner sprachen gestern von einer technischen Meisterleistung, die in Hamm reibungslos funktioniert habe. Seit Februar 2018 liegen die Rohre auf dem Kanalgrund, anschließend entstanden eigene Bauwerke für ein Ein- und Auslauf des Ahsewassers. Regulär sollen nur zwei der fünf Rohre das Ahsewasser in die Lippe leiten. Die drei weiteren Röhren dienen als Überlauf; sie werden nur durchströmt, wenn das Ahsewasser eigens installierte Überlaufschwellen überspült.

Der Ahse-Düker

Der Ahse-Düker kreuzt den Datteln-Hamm-Kanal und mündet in die parallel zum Kanal laufende Lippe. Der Düker ermöglicht den Wasserabfluss in die Lippe. Der neue Düker ist 96 Meter lang und besteht aus fünf Rohren aus Stahl mit einem Durchmesser von je 3,50 Meter. Ein Rohr wiegt rund 320 Tonnen. Für die Baugruben wurden rund 1 200 Tonnen Stahlspundwände in den Baugrund eingesetzt und für die Dükerhäupter rund 2 000 Kubikmeter Stahlbeton verbaut. Die Erdarbeiten umfassen eine Fläche von rund 70 000 Kubikmetern.

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