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3G und Homeoffice-Pflicht: So gehen Hammer Unternehmen mit den neuen Corona-Regeln um

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Von: Frank Osiewacz

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Drei Impfstraßen für Mitarbeiter: Die WDI hat auf ihrem Gelände ein eigenes kleines Impfzentrum gebaut.
Die Impfstraße mit drei Kabinen, die einst bei der WDI stand, ist längst abgebaut. Sie wurde laut Mathias Fehrmann und Katja Pampus nicht so stark angenommen wie erhofft. © Andreas Rother

Die neuen Corona-Regeln, die die Bund-Länder-Konferenz in der vergangenen Woche bekannt gegeben hat, betreffen auch Unternehmen. Wir wollten von Hammer Betrieben wissen, wie sie auf 3G am Arbeitsplatz und Homeoffice-Pflicht vorbereitet sind.

Hamm – Der Bundesrat hat am Freitag grünes Licht für das Infektionsschutzgesetz gegeben und die Bund-Länder-Runde hat sich tags zuvor auf neue Corona-Regeln für Deutschland verständigt. Noch ist für Einrichtungen und Unternehmen vor Ort nicht restlos geklärt, wie sie die neuen Regelungen im Detail umsetzen sollen. Allerdings – das wurde bei einer Anfrage in größeren Betrieben deutlich – dürften die meisten gut vorbereitet in die neue Phase gehen.

Kontaktvermeidung und Homeoffice aber kein Verwaltungslockdown

Die Stadt Hamm als größter Arbeitgeber mit rund 3000 Beschäftigten (inklusive Kommunales Jobcenter) hat noch am Freitag Informationen an alle Amtsleitungen verschickt. Einen Verwaltungslockdown werde es nicht geben, sagt Stadtsprecher Lukas Huster, aber wo Homeoffice möglich sei, solle auch tatsächlich von zuhause aus gearbeitet werden. Zur Kontaktvermeidung sollten Besprechungen per Video-Konferenz abgehalten werden. Der Kundenservice, zum Beispiel in den Bürgerämtern bleibe aber bestehen. Ob es erneut Impfangebote über den Betriebsarzt gebe, sei im Moment noch unklar. Betriebsinterne Corona-Tests würden angeboten.

Die Produktion ins Homeoffice zu verlegen, sei kaum möglich, sagt Frank Aubry, Marketing-Leiter bei der Westfälischen Drahtindustrie (WDI). Rund 400 Beschäftigte arbeiten am Standort Hamm, etwa 30 von ihnen in der Hauptverwaltung. Darunter seien auch nicht geimpfte Personen. In der kommenden Woche erwarte man mehr Klarheit, wie mit der Situation umgegangen werde. Die Impfstraße mit drei Kabinen, die bei der WDI einst stand, sei wieder abgebaut worden. Sie sei nicht so stark angenommen worden wie erhofft.

Bei einer internen Verabschiedung Mitte Dezember setzt der Betrieb auf höchste Sicherheitsstandards: 100 Gäste werden erwartet, und eine Teilnahme ist nur nach der 2G-plus-Regel möglich.

Bei Claas Parts Logistics in Uentrop, dem Ersatzteilversorger des Landmaschinenherstellers, sind die Abläufe laut Claas-Pressesprecher Wolfram Eberhardt zwar im Detail noch nicht geklärt, aber es gebe schon lange eingespielte Routinen. So steht dem Unternehmen ein Testbus zur Verfügung, der regelmäßig zwischen den Standorten pendelt. Das werde auch künftig so sein.

Testbus pendelt zwischen Standorten

Im Sommer seien bei allein bei Claas in Uentrop, zu dem auch der Logistiker Stute gehört, 250 Erstimpfungen unter Mitarbeitern durchgeführt worden. Bei Claas/Stute seien insgesamt rund 550 Personen beschäftigt. Bis Mitte nächster Woche erhoffe man sich abschließend Klarheit über den Status am Standort. Schon jetzt arbeite ein hoher Anteil der Verwaltungsmitarbeiter im Homeoffice.

3G am Arbeitsplatz sei neben anderen Schutzmaßnahmen eine wichtige Zusatzmaßnahme, die dazu beitrage, die Gesundheit der Beschäftigten noch besser zu schützen, sagt Dr. Markus Richter, Pressesprecher von Hella. Hella beschäftigt in Hamm rund 1050 Mitarbeiter. Im Unternehmen gehe man davon aus, dass aufgrund der innerbetrieblichen Impfkampagnen der Impfstatus der Beschäftigten tendenziell über dem Bevölkerungsschnitt liege.

Testen sei längst nicht neu: „Wir haben bereits seit langem werkseigene Teststellen eingerichtet. Die kostenlose Testung wird von qualifizierten Betriebssanitätern durchgeführt“, so Richter. Am Standort in Hamm seien rund 30 Prozent der Belegschaft in der Lage, mobil von zuhause zu arbeiten.

Rund 1300 Menschen (inklusive Firmen-Töchter) sind auf dem Campus des Evangelischen Krankenhauses (EVK) beschäftigt. Aktuell laufe hier eine Erhebung, wie hoch der Anteil ungeimpfter Personen sei, sagt Pressesprecherin Susanne Grobosch. Aktuell testeten sich sowohl ungeimpfte wie auch geimpfte Mitarbeiter regelmäßig freiwillig.

Mit der Impfpflicht für Pflegepersonal, möglichen Impfablehnern und dem Verlust der Arbeitsgrundlage rechnet Grobosch nicht damit, dass gleich „ganze Abteilungen“ ausfallen. Mit einer solchen Entwicklung sei irgendwann zu rechnen gewesen. „Wir sind gut vorbereitet“, sagt sie.

Betriebsübergreifend für ihre Verbände haben sich die Präsidenten der Handwerkskammer (HWK) Dortmund und Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund zum neuen Infektionsschutzgesetz geäußert. Berthold Schröder, Präsident der HWK Dortmund, appelliert an alle Handwerker im Kammerbezirk, sich impfen zu lassen und auch Booster-Impfungen in Anspruch zu nehmen.

HWK und IHK appellieren zur Impfung

Positiv bewerte er das angedachte Auskunftsrecht für Arbeitgeber über den Corona-Status ihrer Mitarbeiter. Nur so könnten die Betriebe ein wirksames Schutzkonzept innerhalb der Unternehmen aufbauen. Arbeitgeber dürften aber nicht die alleinige Last der Pandemiebekämpfung tragen. Daher sei es folgerichtig, dass es wieder kostenlose Bürgertests gebe.

Heinz-Herbert Dustmann, Präsident der IHK zu Dortmund, begrüßt die geplante 3G-Regelung am Arbeitsplatz. „Wenn künftig nur noch geimpfte, genesene oder getestete Beschäftigte zur Arbeit in den Betrieb kommen können, ist das ein wichtiger Schritt beim Schutz vor weiteren Infektionen“, sagt er. In vielen Branchen hätten Kunden einen solchen Nachweis ohnehin bereits angeben müssen – etwa, in Gaststätten oder um eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen.

Wichtig sei auch, dass die Details geklärt würden. „Die Unternehmen müssen wissen, ob Schnelltests ausreichen oder ob es ein Test mit offiziellem Nachweis sein muss“, sagt er. „Auch der arbeitsrechtliche Umgang mit Arbeitnehmern, die sich der Regelung verweigern, muss geklärt werden.“

2G und 2G+ für Gastro und Veranstalter zwar unangenehm, aber überlebenswichtig

Die bald flächendeckend geltende 2G- oder sogar 2G+Regelung im Freizeit- und Kulturbereich sei ebenfalls im Sinne vieler Unternehmen. Gerade für die Gastronomie, Veranstaltungsbranche und Schausteller auf den Weihnachtsmärkten sei diese vorsorgliche Maßnahme zwar nicht angenehm, aber letztlich überlebenswichtig, um den Betrieb weiter aufrechterhalten zu können.

Die reaktivierte Home-Office-Pflicht hingegen bewertet die IHK kritisch. Mit ihren Hygienekonzepten, der 3G-Regelung und der über Monate geübten Home-Office-Praxis seien die Betriebe bestens in der Lage, sich selbst der Pandemielage entsprechend zu organisieren.

Eine zusätzliche starre Vorschrift, die Betriebsabläufe stört, Unternehmen wieder in die Krise zurückwirft, die Bürokratie weiter aufbläht und die noch nicht wieder normal laufende praktische Ausbildung in den Betrieben gefährdet, braucht es nicht“, meint Dustmann.

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