Telefonzelle wird zur Bücherbox umgebaut

Nach Vandalismus: Besseres Leben für den Bücherschrank

Menschen besprühen alte Telefonzelle aus der ein Bücherschrank werden soll
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Jugendliche eines Graffitiworkshops sowie Bezirksvorsteherin Vera Dunkel-Gierse und Christine Althoff vom Friedrich-Wilhelm-Stift gestalten die Telefonzelle um.

In Herringen wurde sie schlecht behandelt, in Bockum-Hövel soll sie jetzt ein zweite Leben erhalten: Die zum Bücherregal umgebaute Telefonzelle wird zurzeit auf Vordermann gebracht und soll nächste Woche der (lesenden) Öffentlichkeit präsentiert werden.

Bockum-Hövel - Vor knapp fünf Jahren war die Bücherzelle in Herringen – auf Initiative der SPD – am Jahns-SB-Markt aufgebaut worden. Immer wieder war es zu Verunreinigungen und Vandalismus gekommen. So richtig kümmern wollte sich zuletzt auch niemand mehr um den Bücherschrank, ein Aushängeschild für Jahns war die Telefonzelle auch nicht gerade. Schließlich wurde sie eingemottet und entschieden, sie kostenlos abzugeben.

Bockum-Hövels Bezirksvorsteherin Vera Dunkel-Gierse und der hiesige Bürgeramtsleiter Peter Kiffe reagierten am schnellsten und sicherten sich das Relikt aus der guten alten Telefonzeit ganz knapp vor Rhynern. Der Zweck sollte nicht geändert werden, auch in Bockum-Hövel sollte ein Bücherschrank daraus werden.

Allerdings hatte man bislang auch in Bockum-Hövel wenig „Glück“ mit den Bücherschränken. Zerstört und abgefackelt wurden sie – bis sie dann von der Bildfläche am Marktplatz verschwanden. Jetzt wurde ein neuer Platz – ebenfalls in Marktplatznähe – gefunden. Und zwar direkt neben der Polizeiwache am Rudolf-Salchow-Weg. Die soziale bzw. staatliche Kontrolle dürfte hier weitaus besser sein.

Allerdings muss die Telefonzelle aufgearbeitet werden. „Innen war sie demoliert, die Scheiben eingeschlagen“, sagte Dunkel-Gierse. Da kam ihr sehr gelegen, dass zurzeit ein Graffiti-Workshop von Friedrich-Wilhelm-Stift und Jugendzentrum lief. Etwa zehn Jugendliche durften sich Gedanken über die Gestaltung und Aufarbeitung des Bücherschranks machen. Dazu gehörte auch ein Leitspruch, der demnächst vorn auf der Zelle prangen soll. „Wir haben eine Umfrage über die Online-Medien gestartet und 600 Menschen haben sich beteiligt“, freute sich Christine Althoff vom Friedrich-Wilhelm-Stift. Schließlich habe man den Spruch „Lies, um zu leben“ - ein Sinnspruch des französischen Schriftstellers Gustave Flaubert – ausgewählt.

In der vergangenen Woche stand jetzt erstmal die Grundreinigung sowie ein Grundanstrich auf dem Programm. Die Telefonzelle ist danach nicht mehr dunkelgrün, sondern innen und außen knallig orange. Innen wird sie zudem noch mit Graffiti der Workshopteilnehmer verschönert, außen erhält die einen Namen, der aber noch nicht ganz feststeht. „Ein wenig Überraschung muss auch sein“, sagt die Bezirksvorsteherin im Hinblick auf die Einweihung, die in der nächsten Woche stattfinden soll. Das Geld für Farben und sonstiges Material stammt aus dem Stadtteilbudget. Viel mehr als 400 Euro wird die Renovierung der Zelle vermutlich nicht kosten. Und sogar neue Scheiben werden von einem Sammler aus Bockum-Hövel beigesteuert. Es wäre jedenfalls schade nach all den Mühen, wenn den Bücherschrank das selbe Schicksal ereilen würde wie in Herringen.

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