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Arnold-Freymuth-Gesellschaft zeichnet Renate Künast und Eckart Seith aus

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Von: Martin Krigar

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Gerahmt von Vertretern der Stadt, der Arnold-Freymuth-Gesellschaft und den Laudatoren: Renate Künast (Dritte von rechts) und Prof. Dr. Eckart Seith (Vierter von links) erhielten die Preise der Arnold-Freymuth-Gesellschaft.
Gerahmt von Vertretern der Stadt, der Arnold-Freymuth-Gesellschaft und den Laudatoren: Renate Künast (Dritte von rechts) und Prof. Dr. Eckart Seith (Vierter von links) erhielten die Preise der Arnold-Freymuth-Gesellschaft. © Reiner Mroß

Die Arnold-Freymuth-Gesellschaft setzt mit ihrer aktuellen Preisverleihung ein Signal an Politik und Gesellschaft.

Hamm – Gerade in Zeiten vieler Krisen sei es wichtig, bei Persönlichkeits- und Freiheitsrechten „wachsam“ zu sein, mahnten Präsident Franz Josef Düwell und Ehrenmitglied Thomas Hunsteger-Petermann am Sonntag im Gustav-Lübcke-Museum. Nach einer Corona-Pause wurden gleich zwei Persönlichkeiten für beispielhafte Haltung geehrt.

Die Grünen-Politikerin Renate Künast bekam die Auszeichnung für ihren Einsatz gegen Hass-Nachrichten und Falschmeldungen im Internet. Die 66-Jährige konfrontiert Urheber seit langem persönlich mit ihren Äußerungen oder geht juristisch dagegen vor. Mit ihrer Kritik, nach der die Behörden oft allzu nachsichtig mit Hass-Absendern umgehen, zog sie in einem Facebook-Fall erfolgreich bis vors Bundesverfassungsgericht. „Ein solche Haltung“, sagte die Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz als Laudatorin, „ist in den vergangenen Jahren wichtiger denn je geworden.“ Für Dienste wie Facebook seien emotionsgeladene Hass-Mails finanziell ein Erfolg, kritisierte Renate Künast: „Dieses Geschäftsmodell müssen wir beenden.“

Der Stuttgarter Steueranwalt Eckart Seith darf die Auszeichnung als Rückenstärkung in einem Kampf mit der Schweizer Justiz empfinden. Seith hatte maßgeblich zur Aufklärung der skandalösen Cum-Ex-Praktiken beigetragen, bei denen Anleger und Banken von ungerechtfertigten Steuer-Rückzahlungen in Milliardenhöhe profitierten. Anwalt Seth nutzte dabei Insider-Informationen aus einer Bank – und muss sich jetzt wegen des Vorwurfs der Wirtschaftsspionage verantworten. Sein Laudator, Ex-NRW-Finanzminister und Ex-SPD-Chef Norbert Walter-Borjans, sieht das anders: „Ohne die Hartnäckigkeit und ohne das staatsbürgerliche Verantwortungsbewusstsein außerhalb der Politik wären wir diesen Machenschaften nie auf die Schliche gekommen.“

Der Arnold-Freymuth-Preis wird seit 1992 alle zwei Jahre an Menschen mit herausragender Zivilcourage verliehen.

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