Mehr als 11.000 Hammer über 80

Hamm altert dramatisch: Wird es in den Heimen jetzt eng?

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Hamm - Dass die Menschen immer älter werden, weiß heute jedes Kind. Dass die Entwicklung in Hamm aber derart drastisch ausfällt, überrascht hingegen schon.

Während die Einwohnerzahl in den vergangenen 15 Jahren um die 180.000er Marke stagnierte, hat sich die Zahl der über 80-Jährigen im selben Zeitraum nahezu verdoppelt. Sorgen, in einer stationären Altenhilfeeinrichtung auch in Zukunft einen Platz zu finden, müsse sich hier aber niemand machen – sagt die Stadtverwaltung.

6585 Menschen hatten im Jahr 2001 die 80 überschritten, im Jahr 2016 waren es bereits 10.658. Ein Jahr später waren – wie eigentlich immer in diesem Jahrtausend – weitere 500 hinzugekommen. 11.028 Männer und Frauen hatten 2017 das neunte Lebensjahrzehnt erreicht. Die Zahlen hat die Verwaltung unter anderem in ihrem Pflegebedarfsplan für die Jahre 2017 bis 2020 zusammengestellt.

Rund 550 Pflegeheimen in NRW droht Belegungsstopp

Bleibt die Frage, ob für all diese Menschen im Fall der Fälle auch genügend Plätze in einem Heim zur Verfügung stehen werden – zumal ab August 2018 in jeder stationären Seniorenunterkunft nur noch 20 Prozent als Doppelzimmer zugelassen sind. Darauf und auf das Auslaufen einer dann 15-jährigen Übergangszeit hatte das NRW-Gesundheitsministerium erst am Osterwochenende noch einmal hingewiesen.

1990 Pflegeplätze in der Stadt

In Hamm gibt es aktuell 29 stationäre Altenhilfeeinrichtungen mit insgesamt 1990 Pflegeplätzen. Von diesen 29 Einrichtungen erfüllen nach Darstellung der Stadtverwaltung derzeit 25 Einrichtungen die 80-Prozent-Einzelzimmerquote. Vier Einrichtungen hinken also hinterher.

Die Mitarbeiter des Amtes für Soziales, Wohnen und Pflege seien im regelmäßigen Austausch mit den vier Trägern dieser Einrichtungen. Für alle gebe es konkrete Pläne. Es sei allerdings nicht damit zu rechnen, dass die Einrichtungen zur Jahresmitte die Quote erfüllen könnten, teilte die Stadtverwaltung auf WA-Anfrage mit.

Bei einer Einrichtung sei der Umbau derzeit im Gange, bei zwei Einrichtungen gebe es konkrete Umbaupläne, und bei der vierten Einrichtung habe der Träger entschieden, dass ein Umbau im jetzigen Baukörper nicht sinnvoll erscheine und er deshalb über einen Ersatzneubau nachdenke.

Niemand muss seinen Pflegeplatz verlassen

Wird die Einzelzimmerquote nicht erreicht, werde die Verwaltung nach den Vorgaben des Landes handeln. „Freiwerdende Betten in Doppelzimmern dürfen bis zum Erreichen der 80-Prozent-Einzelzimmerquote nicht wiederbelegt werden. Diese Zimmer werden also automatisch zu Einzelzimmern“, so die Stadtverwaltung.

Wichtig sei jedoch, dass niemand seinen jetzigen Pflegeplatz verlassen müsse. Die betroffenen Einrichtungen seien hierzu bereits informiert. Zu „gegebener Zeit“ werde ein schriftlicher Bescheid erstellt. In den vier Einrichtungen werde es vermutlich zu einem Platzabbau kommen. Pro Einrichtung seien das jeweils wenige Plätze, die für die Bedarfsplanung der gesamten Stadt Hamm nicht ins Gewicht fielen.

Stadtverwaltung erwartet Überversorgung

Dies liegt an zweierlei: Zum einen werden zwei Drittel aller Pflegebedürftigen in Hamm von Angehörigen oder ambulanten Diensten zu Hause betreut und versorgt. Zudem hat sich die stationäre Quote in Hamm bis 2013 – gegenläufig zur bundes- und landesweiten Quote – entwickelt und verzeichnete seit 2001 – mit der Freigabe des Pflegemarktes – einen starken Anstieg. Innerhalb von 15 Jahren wurden in Hamm gut 700 zusätzliche Heimplätze geschaffen. Bis heute geht die Stadtverwaltung deshalb von einer Überversorgung aus.

Erst seit 2014 befinde sich Hamm mit einer sinkenden Quote wieder im Landes– und Bundestrend. Der Bedarf wird in den kommenden drei Jahren bei etwa 1800 Plätzen gesehen. „Die Stadt Hamm trifft daher die Feststellung, dass für die Jahre 2017 bis 2020 kein weiterer Bedarf an vollstationären Pflegeplätzen besteht“, heißt es im Pflegebedarfsplan.

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