Halloween-Haus-Besitzer Gerd Willenberg

Vor der Corona nach Kanada: Ausstieg in letzter Sekunde

Weites Land: Gerd Willenberg lebt nun in seiner Wahlheimat Kanada.
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Weites Land: Gerd Willenberg lebt nun in seiner Wahlheimat Kanada.

Ihm geht es gut! Nach zwei Wochen in häuslicher Quarantäne kann sich „Mr. Halloween“ Gerd Willenberg in seiner Wahlheimat Kanada wieder frei bewegen – sofern es die Corona-Pandemie zulässt.

Hamm/Blind Bay – Eigentlich wollte der Herringer erst Mitte April seinen Lebensmittelpunkt ins rund 7800 Kilometer Luftlinie von Hamm entfernte Blind Bay – es liegt etwa auf halbem Weg zwischen Vancouver und Calgary – verlegen. Doch aufgrund der sich abzeichnenden Reisebeschränkungen habe er sich dazu entschieden, bereits am 17. März zu fliegen. „Einen Tag später waren die Grenzen dicht. Und das soll erst einmal bis zum 30. Juni auch so bleiben“, berichtet Willenberg, der viele Jahre für die WA-Aktion „Menschen in Not“ das Halloweenhaus betrieben hat.

Auf dem Flug, der ihn von Düsseldorf über Paris nach Kanada geführt hat, war nicht viel anders als sonst. „Nur wenige Leute im Flugzeug haben eine Schutzmaske getragen.“ Dennoch sei die Verunsicherung zu spüren gewesen. Auch er habe aufgrund der Corona-Krise umgeplant und sei nicht, wie in den Jahren zuvor, nach Vancouver, sondern ins etwas weiter von seinem Zielort entfernte Calgary geflogen. Er habe auf den Inlandsflug verzichtet. Stattdessen sei er die 550 Kilometer nach Blind Bay mit dem Auto gefahren. Bei seiner Einreise sei kaum etwas anders gewesen.

Neustart in Quarantäne

Er sei zusätzlich nur gefragt worden, ob er Krankheitssymptome habe. Zudem habe man ihm gesagt, dass er die kommenden 14 Tage in häuslicher Quarantäne verbringen solle.

Zum Zeitpunkt seiner Ankunft gab es in Kanada 569 bestätigte Corona-Fälle und acht Tote. Die Zahl der Infizierten ist mittlerweile auf rund 25 000 angestiegen, weit mehr als 700 Menschen sind am Corona-Virus gestorben. Wie groß die Verunsicherung und die Angst in seiner Wahlheimat sind, hat Willenberg bei seiner Ankunft in Blind Bay gespürt. Nachbarn und guten Freunden habe er nur zuwinken können, erzählt er.

Öffentliches Leben stark eingeschränkt

Ähnlich wie in Deutschland ist das öffentliche Leben auch in Kanada stark eingeschränkt. Sein Auto habe er nur telefonisch anmelden können, in den Geschäften gebe es eine Abstands- und Einkaufswagenpflicht, Schulen und andere Einrichtungen seien geschlossen, Sportveranstaltungen und Konzerte abgesagt. Seine Nachbarn hätten ihm den Kühlschrank gefüllt, damit er während der Quarantäne über die Runden komme.

Die 14 Tage hat Willenberg dazu genutzt, sich einzurichten, Gesundheitsbücher zu lesen und sich über die Situation in Deutschland und Hamm zu informieren. Mittlerweile könne er aber wieder raus, um beispielsweise in der nächstgelegenen größeren Stadt Salmon Arm einzukaufen. Anfangs sei das Wetter noch nicht so toll gewesen, teilweise hatte es gar geschneit. In seinem Garten liege auch noch Schnee. Da sei er vor allem spazieren gegangen und habe sich mit Nachbarn getroffen. Den ersten warmen Tag habe er dann aber für einen Motorradausflug genutzt.

Pandemie bremst Pläne aus

An anderen Stellen hat die Corona-Pandemie Willenbergs Pläne aber ausgebremst. Sein Vorhaben, ein Haus zu bauen, kocht derzeit „auf Sparflamme“. Und auch Freunden aus Hamm, die ihn eigentlich besuchen wollten, habe er aufgrund des Einreisestopps absagen müssen. Auch im Juli solle er Besuch bekommen. „Aber ich weiß nicht, ob dann die Grenzen wieder offen sind“, so Willenberg.

Er selbst hat erst einmal für ein halbes Jahr eine Aufenthaltsgenehmigung. Im September will er diese um ein weiteres halbes Jahr verlängern. Klappt dies nicht, wovon er aber nicht ausgeht, will der Herringer einige Wochen in die USA reisen – sofern dies aufgrund der Corona-Pandemie überhaupt möglich ist. Ende Oktober möchte er Toni May und seinem Team von der Vereinsgemeinschaft Lohauserholz via Internet Tipps beim Aufbau des neuen Halloweenhauses am Vereinsheim Martinstraße geben. Fürs Frühjahr 2021 plant Gerd Willenberg einen vierwöchigen Besuch in Hamm.

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