Stillstand wegen Corona

Halle bereitet Schützenverein Werries Sorgen

Jörg Harbach vom Schützenverein Werries öffnet die Tür des Vereinsheims.
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Stille in und an der Schützenhalle am Wellenbad: Schützenvorsitzender Jörg Harbach schaut, ob alles in Ordnung ist. Ansonsten muss er Vereinsheim verschlossen halten.

Werries - Ans Feiern ist in diesen Zeiten nicht zu denken. Eigentlich, denn die Corona-Krise fordert mehr den je Zurückhaltung. Trotzdem rückt das Thema Feiern bei einigen Vorstandsmitgliedern des Schützenvereins Werries 1922 immer wieder in den Vordergrund.

Immer dann, wenn es um die Schützenhalle geht. Ihnen geht es im Grunde wie allen Schützenvereinen, die eine Halle betreiben. Und doch hat jeder seine speziellen Herausforderungen in dieser Zeit zu meistern, wie das Beispiel der Werrieser zeigt.

Die Schützenhalle am Wellenbad wäre eigentlich jedes Wochenende ausgebucht. Für große Hochzeiten, runde Geburtstage und zu Jubiläen kommen die Menschen gern auch mal von weiter her, um auf dem geradezu ideal gelegenen und ausgestatteten Schützengelände zwischen Kanal und Grün zu feiern. Die Einnahmen aus der Vermietung braucht der Verein, um die laufenden Kosten zu decken, Sanierungen zu finanzieren und sein Vereinsleben. In der Corona-Zeit gibt es abgesehen von den Mitgliedsbeiträgen nur Ausgaben. „Gut geht es uns nicht. Die Situation ist schwierig“, sagt Jörg Harbach, 1. Vorsitzender des Schützenvereins, „aber händelbar.“

Letzte Veranstaltung vor etwa zwei Monaten

Die bislang letzte Veranstaltung in der Halle fand weit vor dem „Lockdown light“, vor rund zwei Monaten statt. Etwa 150 Gäste feierten eine Hochzeit. Unter Corona-Auflagen. Die Schützen haben ordentlich ins Hygienekonzept investiert, Warmwasserleitungen für die Spüle verlegt, Desinfektionsspender platziert. Die Feier? Alles genehmigt, alles schriftlich geklärt. Wie die Stimmung war, weiß der Schützenchef nicht, aber so viel, dass kein Alkohol konsumiert werden durfte. Drei Mal sei das Ordnungsamt vorbeigekommen und habe sich vergewissert, dass die Auflagen eingehalten wurden. Den Montag drauf desinfizierten die Schützen Tische, Stühle, kurzum die ganze Halle. „Es ist kein Pfennig übrig geblieben“, sagt Harbach über den Aufwand und die Kosten für den Verein.

Trotzdem hätten sie die Hallenvermietung erst einmal so fortgesetzt. Die Verschärfung der Corona-Auflagen erübrigte aber etwaige Überlegungen darüber. Jetzt ist erst einmal Stille eingekehrt. Auch die wöchentlichen Arbeitseinsätze sind erst einmal auf Eis gelegt.

Die laufenden Kosten werden aber ihrer Bezeichnung auch in der Corona-Zeit gerecht: Versicherungen, Steuern und Abgaben für Straßenreinigung müssen bezahlt werden. Dank der tatkräftigen Unterstützung und auch der „Treue“ der rund 330 Mitglieder bleibt der Verein noch auf einem guten Kurs. „Aber wir brauchen die Beiträge“, sagt Harbach und hofft, dass es trotz ausgefallener Veranstaltungen keine Austritte gibt.

Neue Heizung kostet 10 000 Euro

Seit rund 20 Jahren hat der Schützenverein auf dem Gelände des ehemaligen Frei- und Wellenbades seine Heimat. Die Stadt hat ihm die einstigen Umkleiden samt Gelände per Nutzungsvertrag zur Verfügung gestellt. Seitdem haben die Schützen eine Menge Eigenleistung für den Schützenplatz erbracht und nach und nach viel in Technik und Gebäude investiert. In jüngster Zeit hat die neue Heizung mit rund 10 000 Euro zu Buche geschlagen. Weitere Renovierungen, die eigentlich anstehen, müssen erst einmal aufgeschoben werden.

„Wir werden das überstehen“, sagt der Schützenchef über die lange Durststrecke der Coronazeit. „Finanziell sind wir noch ganz gut aufgestellt. Wir haben Rücklagen, aber die brauchen wir eigentlich für unser Jubiläum.“ 2022 wird der Verein 100 Jahre alt. Dann sollte die Pandemie weitgehend abgeklungen sein. Ein großes Fest ist geplant. Das will sich der Verein etwas kosten lassen.

Die Frage, was dann noch von den Rücklagen übrig ist, muss erst einmal unbeantwortet bleiben. Anfragen zur Hallenanmietung bekommen die Schützen schon für 2022. Wichtig ist, wie sich die Situation in der Zwischenzeit entwickelt. „Die Ausfälle in diesem Jahr „treffen uns nicht so hart“, sagt Harbach. Der Grund ist ganz einfach: Wer nicht wie geplant feiern konnte, hat für das kommende Jahr umgebucht. Das gelte für die meisten, sagt er. Bezahlt haben sie im Voraus. Ob sie aber im kommenden Jahr zum Zuge kommen und nicht vielleicht doch ihr Geld zurückbekommen, ist angesichts der unsicheren Entwicklung der Pandemie schwer einzuschätzen. „Wir werden sehen“, sagt der Chef, „inwieweit uns die Corona-Geschichte im nächsten Jahr noch einholt.“

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