Gericht wird endlich konkret

Hässlicher Taubenstreit in Hamm: Zwangsgeld zahlen oder Gefängnis

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Es werden weniger, doch es sind noch immer zu viele: Der Bockum-Höveler Züchter muss seinen Taubenbestand weiter abbauen.

Der Streit um den Bockum-Höveler Taubenschlag an der Körnerstraße ist um ein Kapitel reicher: Weil Werner Kersting ein Urteil des Hammer Amtsgerichtes konsequent ignoriert hat, muss er nun 800 Euro Zwangsgeld zahlen. Falls er nicht zahlen kann, geht er für 16 Tage in Gefängnis.

Hamm – Das Hammer Amtsgericht hat seinen Ankündigungen vom September nun Taten folgen lassen. Taubenfreund Werner Kersting muss ein Zwangsgeld zahlen, gegen das er allerdings Beschwerde eingelegt hat. Die Nachbarschaftsgeschichte geht somit weiter: Nun muss das Landgericht Dortmund entscheiden.

Das erneute Schreiben aus dem Hammer Amtsgericht scheint Werner Kersting aber doch zum Einlenken bewegt zu haben. „Ich habe inzwischen 50 Tauben abgeschafft und noch rund 70 in meinen Schlägen“, sagt er auf Nachfrage unserer Zeitung. Dem Gericht habe er mitgeteilt, dass es nicht so einfach sei, die Tauben loszuwerden. Es seien schließlich Lebewesen. Einen Baum könne man schnell umhauen. „Umbringen möchte ich meine Tauben aber nicht.“ Derzeit suche er nach einer weiteren Möglichkeit, seine Tauben abzugeben. „Das ist aber nicht so leicht“, sagt er.

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Auseinandersetzung setzt stark zu

Überhaupt habe ihm die Auseinandersetzung mit Nachbarn und Justiz stark zugesetzt. Bereits vor einigen Monaten hatte er in Erwägung gezogen, aus der Wellenbuschstraße fortzuziehen. „Den Gedanken verfolge ich nun weiter. Ich habe schon ein Wertgutachten für Haus und Grundstück anfertigen lassen und möchte alles verkaufen“, sagt er. Ob er an einem neuen Wohnsitz auch Tauben halten werde, wollte er sich offen lassen.

Schon seit geraumer Zeit schwelt der Nachbarschaftsstreit an Körnerstraße und Wellenbuschstraße. Immer wieder entzündet sich die Auseinandersetzung vor allem an den vielen Tauben, die Kersting in seinen Schlägen züchtet. Bereits im Sommer 2018 hatte das Hammer Amtsgericht nach einem Ortstermin ein Urteil gefällt: Kersting darf nicht mehr als 20 freifliegende Brieftauben in einer offenen und 20 weitere Tauben in einer geschlossenen Voliere halten. Das Urteil hat Kersting immer wieder ignoriert. Zur neuen Zuchtsaison hatte er die Tauben sogar wieder angepaart und mit seinem Hobby weitergemacht.

Zwangsgeld heißt nicht Freikauf

Auf der anderen Seite der Schläge wohnt Melanie Meintrup, sie hat gegen Kerstings Tauben geklagt. Kot auf Terrasse, Vordach und Markise, Federn im Garten und lautes Gegurre raubten ihr Schlaf und Nerven. Immer wieder musste sie das Gericht bemühen, damit endlich das Urteil, das schon seit über einem Jahr besteht, umgesetzt wird.

Mit dem nun erteilten Zwangsgeld kann sich Kersting allerdings nicht freikaufen. Er muss – wenn das Landgericht die Entscheidung der Vorinstanz bestätigt – die 800 Euro bezahlen und seine Tauben bis auf 40 Stück abschaffen. Dass das auch geschieht, darauf wird Melanie Meintrup weiter achten. Vielleicht erübrigt sich das aber auch, wenn Kersting wirklich einen Käufer für sein Grundstück findet...

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