Betrüger schalteten Verbindung nach Kuba

Hacker-Angriff aufs Hammer OLG: Wer sind die Täter?

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Blick aufs Hammer OLG an der Widumstraße.

Hamm/Osnabrück - „Hacker knacken OLG-Telefone“: So lautete im November 2017 eine Nachricht im WA. Cybercrime-Experten der Staatsanwaltschaft Osnabrück waren da einer internationalen Bande, die Behörden und große Firmen in mehreren Ländern um einen Millionenbetrag geprellt haben sollte, auf der Spur. Ein halbes Jahr später stehen die Ermittlungen nun kurz vor dem Abschluss.

Während in einer Vielzahl von Fällen Anklagen in Vorbereitung sind, wird die Akte bezüglich des OLGs wohl geschlossen werden. Wie gestern ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück mitteilte, konnte für den Hammer Komplex kein Tatverdächtiger ermittelt werden.

Ungeschehen geworden ist die OLG-Attacke damit aber nicht. Im Dezember 2015 hatten sich Telefonbetrüger tatsächlich an einem Wochenende in die Telefonzentrale des Gerichts eingeloggt und eine Rufumleitung auf eine auf Kuba registrierte, kostspielige Service-Nummer veranlasst. Telefongebühren von 5000 Euro fielen an, nachdem das gesamte Wochenende über diese Nummer kontaktiert worden war. Das Ganze geschah unbemerkt, denn das Gebäude war an den Tagen nicht besetzt gewesen. Auf den Kosten blieb das Oberlandesgericht letztlich sitzen. Zu vermuten ist, dass die Täter die kubanische Rufnummer zuvor selbst angemietet hatten.

Mit derselben Masche sollen seit 2011 auch andere Behörden und Unternehmen im In- und Ausland angezapft worden sein, unter anderem auch das Landgericht Osnabrück. Die Ermittler gingen im November von 300 Geschädigten aus, nach ersten vorsichtigen Schätzungen sollten die Täter rund 2,5 Millionen Euro eingestrichen haben.

Lücke im Sicherheitssystem

In allen Fällen hatten sich die Gauner eine Lücke im Sicherheitssystem ihrer Opfer zunutze gemacht. Über das Internet hatten sie zunächst danach gesucht, wer große Telefonanlagen der Hersteller Alcatel und Siemens in seinem Betrieb installiert hatte. Fündig geworden, wählten sie sich sodann in die Vermittlung der Systeme ein und nutzten dabei offenbar aus, dass die Standardkennziffern für die Einwahl voreingestellt und von den Betrieben nicht verändert worden war. Anschließend wurde die Rufumleitung zu den kostspieligen Service-Rufnummern eingerichtet (zum Beispiel zu 0800er Nummern für 1,99 Euro pro Gespräch).

Die Spur der Ermittler führte dabei nach Italien. Dort wurden in mehreren Städten Durchsuchungen durchgeführt und mehrere Personen festgenommen. Vier Beschuldigte wurden zunächst an die deutschen Behörden ausgeliefert, befinden sich nach Mitteilung der federführenden Staatsanwaltschaft Osnabrück derzeit aber wieder auf freiem Fuß. Neben deutschen Firmen und Behörden soll es auch in Frankreich und den Niederlanden zu Hacker-Angriffen gekommen sein.

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