Gustav-Lübcke-Museum Hamm

Aus der Steinzeit zur Datenbank: 60.000 Objekte digital erfasst

Computer statt charmanter Karteikarten-Lösung: Jalina Tschernig ist maßgeblich mit der Digitalisierung im Museum betraut.
+
Computer statt charmanter Karteikarten-Lösung: Jalina Tschernig ist maßgeblich mit der Digitalisierung im Museum betraut.

Den eigenen Bestand lückenlos und detailliert zu erfassen, ist für ein Museum alternativlos. Eine moderne Datenbank hat es im Gustav-Lübcke-Museum bisher nicht gegeben. Jetzt haben die Holzkarteikästen, in denen der Bestand bisher dokumentiert war, ausgedient. Das Museum pflegt seit Anfang Mai den Bestand in eine webbasierte Datenbank ein.

Hamm – „Es ist schon recht spät, dass wir damit anfangen“, sagte Museumsdirektor Dr. Ulf Sölter bei der Vorstellung des Programms „MuseumPlus“, mit dem das Gustav-Lübcke-Museum jetzt digital durchstartet. Museale Datenbanken gebe es schließlich schon seit 20 bis 25 Jahren, und Sölter selbst kennt sie von vorherigen beruflichen Stationen. Auf die Gründe, warum das Hammer Haus lange Zeit einen Dornröschenschlaf schlief, wollte er im Detail nicht eingehen.

Es darf aber durchaus angenommen werden, dass beispielsweise durch die Aufrüstung des Hauses mit Klimatechnik, die Bauphasen und die umfassende Umstrukturierung der Sammlungen wenig Raum für eine zeitaufwendige Digitalisierung war. Absichtsbekundungen gab es in der Folge schon, angegangen wird das Thema aber erst jetzt unter der Regie Sölters.

Detaillierter Steckbrief zu jedem Objekt

Die neue Datenbank ist – einfach gesagt – so etwas wie ein digitaler Katalog des Museums, der alle Objekte der verschiedenen Sammlungen umfasst. In dem mit Suchfunktion versehenen Programm sind Standards wie beispielsweise die Größe, das Material, falls vorhanden Titel, Datierung, Kurzbeschreibung und Herkunft hinterlegt. Zusätzlich können aber noch eine Fülle weiterer Details aufgenommen werden, zum Beispiel Restaurierungen, Entleihungen, Querverweise auf andere Arbeiten eines Künstlers oder Literaturquellen. So entsteht nach und nach ein detailreiches Porträt zu jedem Stück der Sammlung.

Geschätzte rund 60.000 Objekte müssen nun in die Datenbank aufgenommen werden. Weil zuvor schon rund 12.500 Datensätze in einem anderen System angelegt worden waren, konnten zumindest diese Daten „umgehoben“ werden. Stand heute weist das System 12 914 Objekte aus. Seit dem Start sind also gut 400 Einträge hinzugekommen.

Karteikarten haben künftig ausgedient

Maßgeblich beteiligt an der Erstellung der Datenbank ist Jalina Tschernig, Kuratorin der ägyptischen Sammlung. Auch sie ist mit der Arbeit mit Datenbanken vertraut. „Eine Datenbank ist nie abgeschlossen. Es gibt immer Aktualisierungen“, sagt sie. Vier große Bereiche liegen vor ihr und den Kolleginnen und Kollegen im Museum: die Überarbeitung der vorhandenen Daten, die Verständigung auf ein einheitliches Vokabular, die Übertragung der Karteikarten und 16 Inventarbücher sowie die Erfassung nicht inventarisierter Objekte, was gleichzeitig die Betrachtung der Herkunft bedeutet. Bis der Bestand digitalisiert ist, werden Jahre vergehen.

Ziel ist es, dass das Gustav-Lübcke-Museum einmal Teil eines größeren Netzwerkes von Häusern wird, die nach gleichen Standards arbeiten und sich austauschen können. Tschernig hat für die ägyptische Sammlung bereits ein Verbundprojekt mit den Ägyptischen Museen Berlin und Leipzig auf den Weg gebracht. Ziel ist ein einheitliches Vokabular für die deutschsprachige Ägyptologie.

Die Einrichtung der Plattform hat 18.000 Euro gekosten, die Lizenzen für fünf Jahre 32.000 Euro. Der LWL steuert 5000 Euro Förderung bei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare