Das Ende keiner Ära

Museums-Direktor Spanke kündigt nach nur 16 Monaten

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Dr. Daniel Spanke im November 2017 mit dem 3D-Druck eines Mumienkopfes.

Hamm - Die Stadt muss sich eine neue Leitung für das Gustav-Lübcke-Museum suchen. Der bisherige Direktor Dr. Daniel Spanke hat gekündigt und wird nach eigenen Angaben zum 1. April eine Leitungsposition an anderer Stelle übernehmen.

Die Stadt hat den 51-jährigen Spanke ab sofort bis zum 31. März freigestellt. Die kommissarische Leitung des Hauses übernimmt einmal mehr Kulturfachbereichsleiter Ulrich Weißenberg. Die Wirkungszeit des gebürtigen Gelsenkirchenersals Nachfolger von Dr. Friederike Daugelat war mit 16 Monaten ausgesprochen kurz. Fünf Monate davon fiel Spanke wegen Krankheit aus.

Nach außen sichtbare Spuren wird er in Hamm nicht hinterlassen, eine Sonderausstellung hat er weder kuratiert noch eingekauft. Was bleibt, ist eine Ansammlung von Ideen. Ob sie weitergedacht werden, ist ungewiss. Immerhin habe er einige Dinge – zum Beispiel die Digitalisierung des Bestandes – anstoßen können, sagte Spanke im Gespräch mit dem WA.

„Bindekräfte“ in Hamm nicht ausreichend

„Aber das gute Angebot für eine neue Stelle kam früh“, so Spanke. Konkretisiert habe sich dies erst im November. Bei seiner Wiedereingliederung im Oktober habe er davon noch nichts gewusst. Eigentlich hasse er das „Hoppen“ von Stellen, aber am Ende seien die „Bindekräfte“ in Hamm dann doch nicht ausreichend gewesen, das Angebot auszuschlagen.

Wohin es Spanke zieht, wollte dieser in Absprache mit seinem neuen Arbeitgeber noch nicht öffentlich machen.

Dr. Daniel Spanke im Café-Bereich des Museums.

Seine fünfmonatige Abwesenheit durch Krankheit habe ihn und das Museum geschädigt. Vieles habe er deshalb abbrechen müssen. Dazu gehörte auch die Idee einer Sonderausstellung „Im westfälischen Himmel“ zur regionalen Kulturgeschichte unter kulinarischen Gesichtspunkten. Grundsätzlich habe er feststellen müssen, dass sich vieles nicht so schnell umsetzen lasse, wie er gehofft hatte.

Die Frage, ob er gehe, bevor er überhaupt angekommen sei, beantwortet Spanke mit den Worten: „Das weiß ich nicht. Wir haben einiges auf den Weg gebracht.“ Man könne es aber durchaus so sehen, dass das Angebot zu früh gekommen sei, um weiteres zu bewirken. Von außen möge sein Weggang auch wie eine Flucht erscheinen - das sei aber nicht so.

Kein Geheimnis ist, dass Spankes Stil und Führungsanspruch längst nicht überall gut ankamen. Nicht in der Verwaltung und nicht im Museum selbst. Freie und ehrenamtliche Mitarbeiter im Haus beendeten ihre Tätigkeit schon kurz nach dem Amtsantritt Spankes. Zuletzt hatte es Differenzen um die Artothek gegeben.

In der Stadtverwaltung hätten seine Ausstellungsideen wenn nicht für Vorbehalte, dann zumindest für „Erstaunen“ gesorgt, sagte Spanke selbst. Dem Vernehmen nach ist schon vor seiner krankheitsbedingten Auszeit viel Porzellan zerschlagen worden.

Unklare Nachfolge-Situation

Nach einem kurzen konzeptionellen Gespräch hatte Spanke am Donnerstagnachmittag Kulturdezernentin Dr. Britta Obszerninks und Fachbereichsleiter Ulrich Weißenberg seine Kündigung vorgelegt. Von seiner Freistellung habe er anschließend telefonisch aus dem Personalamt erfahren. Eine Begründung sei nicht genannt worden.

Die Stadt wolle die Stelle nun möglichst schnell nachbesetzen, sagte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann. Auf welchem Weg dies geschieht und ob möglicherweise Alt-Bewerber zum Zuge kommen könnten, ist zurzeit unklar.

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