Heithofer Allee

„Gruselige“ Fahrradstraße: Anwohner beklagen gefährlichen Autoverkehr

Wohnen an einer Fahrradstraße: Autos kommen den Anwohnern an der Heithofer Allee immer wieder bedrohlich nah und fahren zu schnell an ihnen vorbei.
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Wohnen an einer Fahrradstraße: Autos kommen den Anwohnern an der Heithofer Allee immer wieder bedrohlich nah und fahren zu schnell an ihnen vorbei.

Echt knifflig, einen Lösungsweg zu finden. Dabei wäre es ganz einfach, wenn alle Verkehrsteilnehmer sich an die Vorgaben der Fahrradstraße hielten. Aber das machen längst nicht alle auf der Heithofer Allee.

Mark – Die Heithofer Allee ist mittlerweile Anliegerstraße. Nach der Sanierung im vergangenen Jahr sind kleine Verengungen und Warnbaken aufgestellt worden. All das hilft nichts. Autos fahren zu schnell, Fahrer sind rücksichtslos. Das und mehr stellen Anwohner auch nach Jahren immer wieder aufflackender Lösungsversuche fest.

„Einige haben längst aufgegeben“, sagt Wilko D. Er gehört zu denen, die das nicht wollen und einen erneuten Versuch starten. Was die Sache teils erschwert: Messergebisse passen nur teils zur Wahrnehmung. Die Schilderungen der Anwohner bleiben dennoch glaubwürdig.

Die Straße

Die Heithofer Allee ist eine Fahrradstraße. Auf ihr ist der Radverkehr die vorherrschende Verkehrsart. Anderer Fahrzeugverkehr ist laut Allgemeiner Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung nur ausnahmsweise und durch die Anordnung entsprechender Zusatzzeichen zugelassen, zum Beispiel für Anliegerverkehr. Die zugelassene Höchstgeschwindigkeit darf nicht mehr als 30 km/h betragen.

Im Fall der Heithofer Allee soll die Beschilderung als Anliegerstraße den Durchfahrtsverkehr fernhalten. Denn sie ist gleichzeitig der Zubringer für die Kettelerschule und die LWL-Uniklinik. Die Anliegerstraße wird sicherlich auch als Durchgangsstraße genutzt. Das sorgt für viel Verkehr. Bei Nichteinhaltung der Beschilderung könnte das durch Polizeikontrollen durchgesetzt werden.

Ortstermin

Die Wahl des Treffpunkts mit Anwohnern will wohlüberlegt sein, sonst könnte man unter die Räder kommen. Gut, dass es an dem Nachmittag recht ruhig auf der Straße ist. Doch ein Beobachter muss nicht auf Tempo 30 geeicht sein, um zu erkennen, dass hier etwas nicht stimmt. Es fällt leicht, die Autofahrer in zwei Kategorien einzuteilen: angepasst langsam und offenbar zu schnell. Letztere scheinen in den rund eineinhalb Stunden des Ortstermins in der Mehrheit zu sein.

Das Mehrfamilienhaus an der Einmündung Wittmannstraße hat zehn Wohnungen. Kurz hinterm Eingang befinden sich die Bewohner schon auf einem schmalen Randstreifen. Der Übergang zur Fahrbahn ist fließend. Fließend wie der Verkehr, der auch mal auf der engen Fahrradstraße auf den Rand ausweicht. Vom Hausparkplatz auf die Straße zu fahren, ist ein Wagnis. Vorsichtig um die Ecke schauen, bevor es zu den Autostellplätzen geht, ist bei den Bewohnern in Fleisch und Blut übergegangen. Sie wissen um die Gefahr, von zu schnellen Autos überfahren zu werden. „Auch wenn ich den Müll rausbringe, kann das abenteuerlich sein“, sagt Beate Kersting. So eng ist es.

Aus ihrem Fenster habe sie beobachtet, wie Radfahrer von Autos abgedrängt werden. „Das ist wirklich gefährlich.“ Sie versteht, dass Radfahrer manchmal auf den Gehweg ausweichen. Dabei haben sie eigentlich Vorrang. Die von Anwohnern beobachtete Missachtung der Rechts-vor-links-Regel vor der Wittmannstraße lässt sich bei dem Ortstermin nachvollziehen. Mancher Autofahrer ist so schnell, dass er kaum eine Chance hätte, rechtzeitig abzubremsen.

In dem Mehrfamilienhaus leben kaum Kinder. „Ich habe aber zwei Enkel“, sagt Annette Ernst. „Manchmal unterschätzt man die Geschwindigkeit der Autos. Wir müssen wirklich aufpassen.“ „Das ist gruselig“, sagt ihr Mann Willi Ernst über die Gefahr.

Eine ehemalige Bewohnerin, die wie andere namentlich nicht genannt werden möchte, erklärt. Sie würde nicht noch mal hier hinziehen. So weit ist eine andere noch nicht. Erst seit September wohnt sie an der Heithofer Allee, dem ersten Eindruck nach eine „Idylle“. Der zweite Eindruck: „Verkehrsverhältnisse überragend schlecht“, eine viel befahrene „Durchfahrtshauptstraße“ trotz des Tempo-30-Bereichs und dem entsprechenden Straßenausbau, Gegenverkehr „einfach nur ätzend“, Autos kleben einem an der Stoßstange.

„Gruselige“ Fahrradstraße: Der Verkehr

Die Heithofer Allee ist eine Fahrradstraße. Laut Definition muss der Radverkehr die vorherrschende Verkehrsart sein. Anderer Fahrzeugverkehr ist nur ausnahmsweise zugelassen. Es bestehen Zweifel, dass das auf der Heithofer Allee eingehalten wird.

Bei der jüngsten Verkehrsmessung der Stadt Mitte Dezember kam der Enforcementtrailer zum Einsatz. Die Verwaltung erfasste eine durchschnittliche Verkehrsdichte in beiden Fahrtrichtungen von täglich 1175 Fahrzeugen – ohne Fahrräder, die das Messgerät nicht erfasst.

Einen Eindruck geben aber ältere Zahlen aus der Zeit vor der Pandemie. Im November 2019 erfasste die Stadt an zwei Tagen 3 864 Fahrzeuge, darunter 923 in der Kategorie „Einspurig“, also alle Zweiräder. Auch ohne Unterscheidung zwischen Fahrrad und Moped: Der per Definition eigentlich vorzuherrschende Verkehr hat nur einen Anteil von rund 24 Prozent. Das passt nicht zur Fahrradstraße.

Laut Stadt hat die Heithofer Allee dennoch „im Sinne der Straßenverkehrsordnung“ ihre Berechtigung als Fahrradstraße. Im Allgemeinen sollen sie dort angeordnet werden, wo der Radverkehr die vorherrschende Verkehrsart ist oder das in naher Zukunft zu erwarten ist. Die Stadt stellt nach der jüngsten, wenn auch nur bedingt vergleichbaren Messung fest, dass sich die durchschnittliche tägliche Verkehrsdichte geringfügig verbessert habe. Ob das die Einrichtung der Anliegerstraße bewirkt hat, ist schwer zu sagen.

Anwohner klagen über „gefährlichen“ Autoverkehr

Das Warten auf eine nur möglicherweise weitere Abnahme des Verkehrs ist den Anwohnern zu vage. Was bleibt, ist das hohe Tempo der Autos. Doch den Eindruck können weder Stadt noch Polizei anhand ihrer Zahlen bestätigen.

Eine Wochen-Auswertung von 2019 zeigte, dass 85 Prozent der erfassten Autos nicht schneller als 43 Kilometer der Stunde waren. Das ist der sogenannte V85-Wert, den die Verwaltung zugrunde legt. Das finden die Anwohner aber schon sehr viel, denn maximal ist nur Tempo 30 erlaubt.

„Die festgestellten Geschwindigkeitsüberschreitungen sind unauffällig“, sagt Stadtsprecher Tom Herberg über die Messungen im Dezember. Die lagen „überwiegend im Bereich von Verwarnungsgeldern“, das heißt bei Tempoüberschreitungen zwischen einem und 20 Kilometer in der Stunde. Die Verstoßquote lag zwischen 3,3 und 6,7 Prozent. Insgesamt fünf Fahrer seien zwischen 16 bis 20 Kilometer in der Stunde zu schnell gewesen.

Die Anwohner haben jedoch Zweifel an der Aussagekraft der Zahlen, weil Autofahrer den Enforcementtrailer viel zu schnell sehen und abbremsen können.

Allerdings nennt auch die Polizei die Heithofer Allee unauffällig. Nach einer Anwohnerbeschwerde 2018 und einer Messung seien keine „großen Verstöße“ festgestellt worden. Die Polizei erfasste bislang nur kleinere Unfälle.

Lösungsansätze

Ob die Heithofer Allee als Einbahnstraße eine Lösung ist? „Ich glaube, das wäre das Beste“, meint Anwohner Willi Ernst. Eine solche Regelung schließt die Stadt aber wegen der „erforderlichen Erschließung zur LWL-Klinik und zur Schule“ aus.

„Vor allem die LWL-Klinik muss immer von allen Seiten aus ungebremst anfahrbar sein“, sagt der Stadtsprecher. Das schließt dann auch eine denkbare Durchfahrsperre auf der Straße für den Autoverkehr aus.

Nächster Schritt

Ein weiteres 30er-Schild oder entsprechende Piktogramme auf der Fahrbahn sind nicht erlaubt. Die Beschilderung der Fahrradstraße gilt aus ausreichend. Was nun? Straße umbauen?

Abwarten, bis vielleicht mal der Radverkehr vorherrschend ist, wollen die Anwohner nicht. Sie drängen weiter auf eine Lösung. Dazu wollen sie sich an die Bezirksvertreter wenden.

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