Nur Platz 67 unter den 100 größten deutschen Städten

Grundsteuer in Hamm: Jetzt schon teuer, bald noch teurer?

Grundsteuer B zahlen alle: Sie darf auf die Miete umgelegt werden.
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Grundsteuer B zahlen alle: Sie darf auf die Miete umgelegt werden.

Hamm ist gar nicht so günstig wie gedacht: Bei der Grundsteuer langt die Stadt stärker zu als die meisten anderen deutschen Großstädte. Und ab 2025 könnte es noch teurer werden. Nach der Grundsteuer-Reform gelten andere Bewertungsmaßstäbe. Wie die sich auswirken, ist noch völlig unklar.

Hamm – In Sachen Grundsteuer zählt Hamm zu den eher teuren Städten. In einem aktuellen Ranking erreicht die Stadt unter den 100 größten deutschen Städten nur Platz 67. Das heißt: In zwei Dritteln der Städte zahlen die Bürger weniger Grundsteuer als hier. Wieviel es nach Grundsteuerreform ab 2025 aussieht, lässt sich noch nicht abschätzen. Das Verfahren für die Berechnung droht aber kompliziert zu werden.

508 Euro jährlich für ein durchschnittliches Einfamilienhaus

Im Grundsteuer-Ranking des Eigentümerverbandes „Haus und Grund“ und des Instituts der deutschen Wirtschaft teilt sich Hamm den 67. Platz mit Freiburg, Gera, Gießen und Hannover. Bei einem Hebesatz von 600 Prozent sind hier nach der Musterrechnung der Studie 508 Euro im Jahr fällig – weniger als beim Schlusslicht Witten (910 Prozent und 771 Euro), aber auch deutlich mehr als beim Spitzenreiter Gütersloh (381 Prozent, 323 Euro).

Doch dabei wird es nicht bleiben. Weil die Grundsteuer auf veralteten Werteinstufungen basiert, hat das Bundesverfassungsgericht die bisherige Steuerberechnung gekippt. Häuser, die über Jahrzehnte enorm an Wert gewonnen haben, werden bisher nicht anders veranlagt als benachteiligte Lagen.

Ab 2025 muss anders gerechnet werden

Die Karlsruher Richter sahen die Steuergerechtigkeit nicht mehr gegeben. Ab 2025 muss deshalb anders gerechnet werden. Basis soll der tatsächliche Wert eines Gebäudes sein, der auch regelmäßig neu berechnet werden muss, um die Wertentwicklung zu berücksichtigen. Das Verfahren gilt als kompliziert.

Geregelt ist das in einem Bundesgesetz, das den Bundesländern auch eine Öffnungsklausel für einfachere Rechenmodelle bietet. Doch die wird Nordrhein-Westfalen nicht nutzen, wie Landesfinanzminister Lutz Lienenkämper (CDU) jetzt mitgeteilt hat. Genaueres wird in Düsseldorf noch erarbeitet.

Baujahr, Bodenrichtwert, Grundstückgröße und Wohnfläche

Fest steht nur, dass da einiges auf Eigentümer und Finanzbeamte zukommt. Man wolle die betroffenen Eigentümer „intensiv bei ihrer Steuererklärung unterstützen“, sagte Lienenkämper. Man brauche von ihnen „wohl nur wenige Angaben“, beispielsweise Baujahr, Bodenrichtwert, Grundstücksgröße und Wohnfläche ihrer Häuser. Eine Online-Plattform solle dabei helfen.

Kritik gab es schon reichlich: Der Bund der Steuerzahler NRW spricht von der „schlechtesten und teuersten Lösung“, bundesweit brauche man rund 3 500 zusätzliche Finanzbeamte, um die Datenflut zu bewältigen.

Die Stadt erwartet zumindest beim Steueraufkommen keine großen Änderungen. „Finanziell soll die Reform aufkommensneutral erfolgen“, sagte Stadtsprecher Lukas Huster. Für die Steuerzahlen könnten sich aber sehr wohl Veränderungen ergeben. Diese Auswirkungen könne man aber nicht beschreiben, bevor die Finanzämter die neuen Bewertungen gemacht haben.

Verlässliche Einnahmequelle für die Stadt

Die Grundsteuer gilt als eine der verlässlichsten Einnahmequellen der Städte. Es gibt sie in zwei Ausführungen: die agrarische (A) und die bauliche (B) Grundsteuer. Zahlen müssen sie alle Eigentümer von bebauten Grundstücken und deren Mieter – die Steuer darf umgelegt werden. Berechnet wird sie aus einem vom Finanzamt festgelegten Grundstückswert und einem von der Stadt bestimmten Hebesatz. Der wurde in Hamm zuletzt 2015 erhöht, von 500 auf 600 Prozent, um die Stadtentwicklungsgesellschaft zu finanzieren. Seitdem liegen die Einnahmen relativ stabil bei jährlich 33 Millionen Euro.

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