Im Blickpunkt: Gründerinnen im Handwerk

Gründerwoche Hamm 2020

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Die Gründerwoche Hamm gibt es seit 2013 - in all den Jahren lebte die Veranstaltungsreihe von starken Auftritten und guten Begegnungen, die angehende Unternehmensgründer weiterbrachten. Anstöße, Anregungen und konkrete Unterstützung gibt es auch in diesem Jahr – allerdings nicht in Präsenzveranstaltungen, sondern im Zeichen der Corona-Krise digital und multimedial. Vom 14. bis 19. November wird Gründungsinteressierten einiges geboten.

Die Hammer Reihe ist in die bundesweite Gründerwoche eingebettet, die Federführung liegt bei der Wirtschaftsförderung. Beteiligt sind 19 Projektpartner– darunter sind die Handwerks- und die Industrie- und Handelskammer.

„Wir haben direkt mehrere Zielgruppen“, sagt Martina Maul, die für die Wirtschaftsförderung den Veranstaltungsreigen vorbereitet hat: „Zum einen Menschen, die ein Unternehmen gründen wollen, solche die schon in der Gründungsphase sind und die, die sich das für die Zukunft vorstellen können.“ Deshalb ist das Gesamtprogramm auch eine Mischung aus Infotainment und konkreten Beratungsangeboten. Den Auftakt gibt es über das Medium Lokalradio: „Chefin im Handwerk“ – Der Talk auf der Lippe Welle“ heißt es am Samstag, 14. November von 12 bis 13 Uhr. Moderatorin Simone Niewerth stellt dann Handwerksmeisterinnen aus Hamm vor, die auch Betriebe leiten. Teilnehmerinnen sind Janet Heumüller vom Fliesenfachmarkt Heumüller GmbH, Stefanie Kottmann von der MVK Metall Verarbeitung Kottmann GmbH sowie Ute Wilmes von der wilmes werbetechnik. Auch Martina Maul von der Wirtschaftsförderung kommt zu Wort.

„Uns ist es in der Gründerwoche immer sehr wichtig, den Gründern und Unternehmern eine Bühne zu bieten. Denn nur sie können authentisch über das Selbstständigsein berichten und anderen Mut machen, diesen Weg einzuschlagen“, erläutert Martin Löckmann, Abteilungsleiter Unternehmensentwicklung der Wirtschaftsförderung.

Nachdem in den Vorjahren ältere Gründer und junge Startups im Blickpunkt standen, sind diesmal Gründerinnen, besonders im handwerklichen Bereich, im Fokus. Dabei kann es sich sowohl um Neugründungen, aber auch um Betriebsübernahmen handeln.

Ein wichtiger – nicht digitaler – Programmpunkt fiel kurzfristig dem Coronavirus zum Opfer. Die Roadshow „Chefin im Handwerk“ sollte im Foyer der Sparkasse an der Weststraße zu sehen sein. „Wir werden diese Ausstellung aber nur verschieben und zu einem späteren Zeitpunkt nachholen“, so Martina Maul.

Bei den weiteren Angeboten der Gründerwoche setzen die Wirtschaftsförderung und ihre Partner auf digitalen Zugang. Die Entscheidung, von Angeboten vor Ort auf digitalen Zugang umzustellen, fiel für die Gründerwoche schon früh. So hatte die Wirtschaftsförderung nach Ausbruch der Pandemie ihre Beratungsgespräche und Veranstaltungen digital angeboten. Für die „Besucher“ der diesjährigen Gründerwoche sind die Zugänge browserbasiert, leicht nutzbar, in der Praxis bewährt und auch für den Laien intuitiv. Nach einer Anmeldung wird den Teilnehmenden ein Link zugeschickt. Unter www.gruenderwoche-hamm.de gibt es den kompletten Überblick. 

„Auf dem Weg in die Selbstständigkeit, gerade in der Gründungs- und Aufbauphase ist eine gute Vorbereitung entscheidend“, weiß Gabor Leisten, Leiter der Unternehmensberatung der Handwerkskammer (HWK) Dortmund. Leisten erklärt, wie wichtig das Thema Frauen im Handwerk ist: „Das Handwerk zählt zu den wichtigsten und vielseitigsten Wirtschaftsbereichen in der Region. Insgesamt gibt es mehr als 150 unterschiedliche Gewerke – vom Anlagenmechaniker bis zum Zahntechniker. Mit seiner Bandbreite eröffnet das Handwerk insbesondere auch Frauen zahlreiche Karrieremöglichkeiten. Als Chefin kann man sich die Zeit frei einteilen, ist unabhängig und hat Raum für eigene Ideen.“ Nach Angaben der Kammer wird schon heute jedes vierte handwerkliche Einzelunternehmen in Hamm von einer Frau geführt. Gerade in den gewerblich-technischen und meist männerdominierten Gewerken wie Maurer oder Klempner eröffnen sich für Frauen durch den vorherrschenden Fachkräftemangel interessante Perspektiven. Bei den bislang 91 Existenzgründungen (Neugründungen und Übernahmen) im Jahr 2020 lag der Frauenanteil bei den Einzelunternehmen bei fast 44 Prozent. Leisten: „Nie lag der Anteil an Chefinnen im Handwerk höher!“ Mit einem Online-Seminar ist die Handwerkskammer am 19. November von 8 bis 11 Uhr mit dem Thema „Existenzgründung im Handwerk“ dabei. Ansprechpartnerin ist Lena Schulz, Telefon: 0231/5493502. Anmeldungen können unter www.hwk-do.de vorgenommen werden. 

Auch die Industrie- und Handelskammer zu Dortmund ist dabei. „Wir haben schon frühzeitig digital geplant“, sagt Anke Schulze-Altenmethler von der IHK-Außenstelle Hamm, die auch selbst online auf der Beraterseite sitzen wird. „Corona heißt ja nicht Stillstand, sondern es ist eine Herausforderung, neue Wege zu gehen.“ Dass das funktioniert kann sie schon im Vorfeld der Gründerwoche feststellen. Die Angebote, die bereits auf der Homepage der Kammer und unter www.gruenderwoche.hamm.de zu finden sind, werden bereits gut angenommen – es liegen schon zahlreiche Anmeldungen vor. Besonders gefragt und ist das gemeinsame Angebot der IHK mit der Agentur für Arbeit „Start in die Selbstständigkeit – Von Anfang an richtig durchstarten!“ am 16. November. Da alle Angebote Erstinformationen sind, macht es für Interessenten aber Sinn, über die Gründerwoche hinaus den Kontakt zu suchen. „Wir scheinen mit den Angeboten den Nerv der Zeit zu treffen, das Gründungsinteresse ist trotz Corona da.“, so Schulze-Altenmethler. Die IHK- macht eine breite Reihe von Angeboten, die im Flyer auf www.gruenderwoche-hamm.de“ im Detail aufgeführt sind. Ansprechpartnerin ist Anke Schulze-Altenmethler. Anmeldungen unter 02381 / 92141- 514 oder a.schulze@dortmund.ihk.de. 

Von der Wirtschaftsförderung gibt es diese Angebote: 

Für den „Beratungstag für Existenzgründer“ am 17. November von 17 bis 19 Uhr und „Betriebswirtschaftliche Auswertung verstehen und nutzen“ ist jeweils Doris Ellingen Ansprechpartnerin – telefonische Anmeldung ist unter 02381/9293-402 möglich. 

Den Schlusspunkt setzt das Online-Meeting „Startup trifft KMU (kleine und mittlere Unternehmen) – Auf einen Kaffee mit deinem künftigen Geschäftspartner.“ Im Rahmen von Vier-Augen-Gesprächen haben Startups und interessierte KMUs die Chance, eine potenzielle Zusammenarbeit abzuklopfen. Infos unter: www.wissen-schafft-erfolg.nrw. Infos: Anika Braun 02381/ 9293-401; Anja Schröder 02381/9293-207.

Die Chefin hat auch den Meisterbrief

Chefin im Handwerk“ - das ist das zentrale Thema bei der Gründerwoche Hamm. Mit Christina Kuhlmann gibt es in Hamm ein ganz frisches Beispiel. Die Elektrotechnik-Meisterin, die seit dem 1. Oktober die C. Kuhlmann Elektrotechnik GmbH & Co. KG, leitet. Eine Neugründung - denn die 30-jährige Meisterin übernahm nicht einfach den elterlichen Betrieb - sie kaufte ihn ihrem Vater ab und überführte ihn samt Belegschaft und Rhyneraner Standort in ihr junges Unternehmen. 

Das griffige „Elektro-Kuhli“ ist nicht mehr der offizielle Name, bleibt aber im Logo - denn so wissen die Kunden, dass sie es mit einem bewährten Team zu tun haben. Christina Kuhlmann, die in Uentrop aufwuchs, hatte nicht immer vor, ins Handwerk zu gehen. 

Nach Mittlerer Reife an der Marienschule und dem Abi 2009 an der Friedensschule stieg sie zuerst in ein Studium zur Umweltingenieurin ein. Aber das erfüllte nicht ihre Erwartungen. „Im Handwerk dagegen weiß man, was man am Ende des Tages geleistet hat“, nennt Christina Kuhlmann einen Grund, warum sie sich 2011 für das Handwerk entschied. Beim Einstieg in den Betrieb ihres Vaters Rainer stand im Raum, eine kaufmännische oder die handwerkliche Laufbahn einzuschlagen. Sie entschied sich für das Handwerk, um von Grund auf zu wissen, was für den Betrieb wesentlich ist. Dabei reihte sie sich in Ausbildungs- und Gesellenzeit ins Team ein. 

„Die Tochter vom Chef raus kehren – so etwas funktioniert im Handwerk nicht“, so ihre Meinung. Bei körperlichen Anforderungen, die vorkommen können, sei Hilfe anzunehmen auch keine Schande – etwa, wenn eine schwere Kabelrolle eine Treppe rauf müsse. Ein gesundes Selbstbewusstsein sei wichtig – und, auf dem Bau müsse man auch schon mal einen Spruch abkönnen. 

Ihr Tipp an angehende Handwerkerinnen: „Frauen sind oft technisch versiert, das schafft Respekt.“ Den hat sie sich mit dem Meisterbrief 2016 auch im weiteren Umfeld erworben. Für sie ist es im 15-köpfigen Betrieb ein Vorteil, gewachsene Strukturen zu haben. „Mein Vater hat viele Azubis übernommen, da ist ein sehr gutes Team entstanden.“ Ihr ist es als junge Chefin wichtig – etwa, wenn sie die Arbeitpläne erstellt, zu wissen, was auf der Baustelle zu tun ist. Deshalb war ihr die Ausbildung wichtig.

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