Interview mit Oberbürgermeister Marc Herter und Wirtschaftsförderer Professor Dr. Karl-Georg Steffens

„Große Zukunftschancen für Hamm“

Interview mit Oberbürgermeister Marc Herter und Wirtschaftsförderer Professor Dr. Karl-Georg Steffens
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Interview mit Oberbürgermeister Marc Herter und Wirtschaftsförderer Professor Dr. Karl-Georg Steffens

Hamm soll in eine nachhaltige und klimafreundliche Zukunft gehen: Dafür sind die Reaktivierung des Rangierbahnhofs und die Wasserstoffallianz Westfalen als Großprojekte der Stadt Hamm ebenso wichtig wie die vielen Einzelmaßnahmen der heimischen Wirtschaft. Im Interview erklären Oberbürgermeister Marc Herter und Wirtschaftsförderer Professor Dr. Karl-Georg Steffens, warum die erneuerbaren Energien für die heimischen Unternehmen immer wichtiger werden – und welchen Beitrag Stadt und Wirtschaftsförderung dazu leisten. 

Die regenerativen Energien sind auch in Hamm stark auf dem Vormarsch: Was tut die Stadt Hamm, um die Entwicklung weiter zu beschleunigen? 

Herter: Mit unserer Wasserstoff-Allianz Westfalen und der intelligenten Reaktivierung des Rangierbahnhofs für eine nachhaltige Güterverkehrslogistik schaffen wir Zukunftsperspektiven in unserer Stadt. Davon werden die Menschen profitieren, die hier leben und arbeiten. Und wir versetzen unsere heimischen Unternehmen in die Lage, bei der unabdingbaren Transformation von fossilen auf nachhaltige Energieträger die Nase weit vorne zu haben.

Steffens: Das Hauptaugenmerk der Wirtschaftsförderung liegt auch dabei auf der Beratung kleiner und mittelständischer Unternehmen. Eine zentrale Aufgabe ist es, unsere Hammer Betriebe intensiv bei der Antragstellung zu möglichen Förderungen zu unterstützen. Da ergeben sich ganz neue Chancen für Projekte im Zuge des sogenannten 5-Standorte-Programms. Als ehemaliger Standort der Kohleproduktion erfüllt Hamm die Voraussetzungen, um noch einmal Fördergelder in namhafter Höhe für den Strukturwandel zu bekommen.

Worin liegen die Zukunftschancen solcher Projekte?

Herter: Hamm gehört zusammen mit Duisburg, Gelsenkirchen, Herne und dem benachbarten Kreis Unna zu den auserwählten fünf Standorten, die aus Bundesmitteln mit 662 Millionen Euro gefördert werden. Das ist eine gute Ausgangsbasis, um jetzt das große Schrittmaß zu wählen. Ein Beispiel dafür ist die Wasserstoffallianz Westfalen: Das Konsortium unter der Führung von Stadtwerken Hamm und Trianel erhält die Perspektive, in Hamm einen Elektrolyseur zu bauen und zu betreiben. Strom aus den großen Offshore-Windkraftanlagen von der Küste wird über Stromtrassen bis Uentrop geführt, um Wasserstoff zu produzieren. Unsere Busse fahren dann CO2-frei und auch örtliche Speditionsbetriebe haben die Möglichkeit, ihre Flotten auf grünen Wasserstoff umzustellen. Das ist hoch innovativ: Es senkt den CO2-Ausstoß und entlastet so die Umwelt. Um wichtiger Industriestandort zu bleiben, setzen wir auch auf den Einsatz in der Produktion. So sieht zukunftsweisende Technologie aus! Und ich freue mich, dass bereits zahlreiche und namhafte Unternehmen aus und in Hamm großes Interesse am grünen Wasserstoff zeigen.

Steffens: Wir tun zudem alles dafür, dass wir darüber hinaus zusammen mit der Hochschule Hamm-Lippstadt ein Institut für Sektorenkopplung gründen. Tatsächlich sind die Prozesse dahinter hochkomplex und eine große Herausforderung. Deshalb braucht es auf diesem Gebiet noch weitere Forschung. Deshalb sind wir sehr froh darüber, dass die Hochschule Hamm-Lippstadt entschlossen ist, dafür ein eigenes Institut aufzubauen. Wir unterstützen dieses Vorhaben ebenso wie die Stadt Hamm. Denn auch das wird einmal ein wichtiger Anker sein zur Ansiedlung neuer Unternehmen mit hochwertigen und gut bezahlten Arbeitsplätzen hier in Hamm sein. 

Ein besonderes Augenmerk der Wirtschaftsförderung liegt auf der Elektromobilität …

Steffens: Auch hier sind mir mit unserem Engagement auf unterschiedlichen Ebenen unterwegs: Unter anderem begleiten wir die Stadt Hamm bei der Erstellung eines Elektromobilitätskonzeptes. Gegenwärtig befinden wir uns in Gesprächen, um kleine und mittelgroße Unternehmen für die entsprechenden Modellprojekte zu gewinnen. Darüber hinaus wollen wir den Betrieben konkret den Nutzen von Elektromobilität zeigen: beispielsweise durch den Einsatz von kleinen elektrisch betriebenen Nutzfahrzeugen für innerstädtische Lieferverkehre. 

Ist Elektromobilität auch unter wirtschaftlichen Aspekten attraktiv?

Steffens: Das kommt immer auf den Einzelfall an. Elektromobilität muss nicht zwangsläufig teurer sein als herkömmliche Mobilität. Auch für Unternehmen bietet die öffentliche Hand zahlreiche Anreize und Fördermöglichkeiten. Als Wirtschaftsförderung informieren wir regelmäßig über neue Programme und aktuelle Entwicklungen. Wir sind uns auch bewusst, dass wir als Wirtschaftsförderung Vorbildcharakter haben. Deshalb nutzen wir für unsere Dienstfahrten zwei rein elektrisch betriebene Fahrzeuge. Außerdem haben wir zwei Lastenräder angeschafft, die wir unseren Unternehmen für Testzwecke zur Verfügung stellen.

Inwieweit sind die Unternehmen offen für Nachhaltigkeit und regenerative Energie?

Steffens: Grundsätzlich gibt es von Seiten der Unternehmer große Bereitschaft, sich in diesem Bereich zu engagieren. Über Projekte wie Ökoprofit zeigen wir, dass sich damit sogar Geld einsparen lässt. Die neue Förderrunde startet im Herbst. Interessierte Unternehmen sind herzlich willkommen. Auch bei unseren Gründern und Startups stellen wir fest, dass die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit immer wichtiger werden. Ein weiteres zentrales Thema ist auch der ehemalige Rangierbahnhof …

Herter: Absolut. Hamm bietet durch seine zentrale Lage große Standortvorteile. Hinzu kommt, dass wir über bedeutenden Kanalhafen und über einen Güterbahnhof von überregionaler Bedeutung verfügen. Bislang schöpfen wir unsere enormen Möglichkeiten aber nicht aus. Mit der Reaktivierung des Rangierbahnhofs wird das anders. In Zukunft können wir innerhalb Hamms ein Logistik-Netz knüpfen, das nahezu perfekt ist: Damit haben unsere Unternehmen perspektivisch einen großen Standortvorteil. In einigen Jahren können sie ihre Waren in einer nahtlosen Logistikkette über Schiene, Straße und Kanal transportieren. Auch für unser Klima ist es von Vorteil, wenn wir beim Transport wieder verstärkt auf die Schiene setzen. Ein durchschnittlicher Güterzug kann in Zukunft 52 LKW ersetzen. 

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