Besondere Erinnerung am Maxipark

Graffitiwand für toten Kumpel - 15 Freunde und ein Lächeln

5 Freunde besprühten die Graffitiwand als künstlerische Form der Trauerbewältigung.
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Eine Hommage an ihren Kumpel „Pedder“: 15 Freunde besprühten die Graffitiwand als künstlerische Form der Trauerbewältigung – und natürlich zur Erinnerung an Peter Cyba.

Es ist ein ansteckendes Lächeln, das aus dem Porträt eines jungen Mannes an einer Schallschutzmauer in Hamm heraussticht. Und doch steckt hinter der bunten Graffitiwand unweit des Maxiparks eine traurige Geschichte.

Braam-Ostwennemar – Der junge Mann von dem als Graffiti gesprayten Polaroidfoto an der Ostwennemarstraße zwischen Grenzweg und Maxiparkeingang ist mit nur 34 Jahren gestorben. Ihm zu Ehren und um auch andere Menschen an der Erinnerung an Peter Cyba teilhaben zu lassen, haben 15 Freunde und Bekannte jetzt eine Graffitiwand für ihren Freund und Kumpel gestaltet.

Dass sie ihn mit einem Lächeln zeigen, war ihnen sehr wichtig. Denn genau so kannten sie den überall beliebten jungen Mann und werden ihn auch so immer in Erinnerung behalten.

„Er war ein super Typ, ein Sonnenschein“, sagt sein Kumpel Piet Dörendahl und erzählt nur Positives, als er über „Pedder“ (wie Peter meist genannt wurde) redet. Die beiden verband eine langjährige Freundschaft.

Graffiti für einen toten Freund: Gedächtniswand ist Gemeinschaftsprojekt

Die Idee für die Graffiti-Gedächtniswand reifte in Dörendahl und Tim Hellmich, ebenfalls ein guter Freund von „Pedder“, in den Wochen nach dem viel zu frühen Tod. Sie fertigten Skizzen an, ehe es zusammen mit weiteren Freunden an die Wand ging. Die gehört zum Haus von Alexander Weiz, der wiederum ebenfalls mit „Pedder“ befreundet war und sich für das Gemeinschaftsprojekt sofort begeistern ließ.

Es hat mir extrem viel gegeben, und so konnte ich das Geschehene besser verarbeiten.

Tim Hellmich

Zunächst musste der Freundeskreis aber die Wand verputzen, um eine ebene Oberfläche zu haben. Als es dann ans Sprayen ging, war das durchaus eine Herausforderung. Denn: „Anfangs war eine gewisse Skepsis da“, sagt Piet Dörendahl, der schon länger keine Spraydose mehr in der Hand hatte.

Graffiti für einen toten Freund: „Die größte Ehre, wenn jemand anderes den Namen sprayt“

Die Sorge, ob alles gut klappt, war letztlich aber umsonst, wie sich im Laufe des künstlerischen Prozesses zeigte. Denn sowohl Dörendahl als auch Künstler Tim Hellmich verewigten „Pedders“ früheren Sprayernamen „Sake“ an der Wand – beide auf ihre eigene Weise, aber beide in Grün und Rot und damit in den Lieblingsfarben ihres Freundes. „Das ist die größte Ehre, wenn jemand anderes den Namen sprayt“, erklärt Graffitikünstler Anton Amann, der das Projekt unter anderem mit Schriftzügen unterstützte.

Dabei zeigt das Gesamtkunstwerk weitaus mehr – dank der Liebe aller Beteiligten zum Detail. So gibt es weitere Graffiti-Polaroidfotos, „die das Leben von ,Pedder’ zeigen“, wie Dörendahl erklärt. Darunter sind der Umriss von Homer Simpson, weil er die TV-Serie so gerne mochte, und ein Bagger für seine Arbeitsstelle.

Graffiti für einen toten Freund: Lieblingsspruch aus dem Film „Blow“

Auch rund um die Schrift herum sind es die kleinen Aspekte, die dafür sorgen, dass das Leben des Verstorbenen in einem Bild festgehalten wird. Dazu gehört ein Ring, der einerseits sein Lippenpiercing darstellt und andererseits einen Heiligenschein symbolisiert. Oder auch die Friedenstaube, die in Anlehnung an seinen Geburtsnamen Ireneusz ins Bild eingearbeitet wurde.

„Übersetzt heißt es ,Der Friedensbringende’“, erklärt Tim Hellmich. „Wer ihn kennt, weiß sofort Bescheid“, sagt Piet Dörendahl im Hinblick auf die vielen Bezüge hinter den Details. An der Wand angebracht haben die Freunde und Bekannten zudem eine Tafel mit dem Lieblingsspruch ihres Kumpels aus dem Film „Blow“ und darin eingelassen ist eine LED-Kerze.

Für den Freundeskreis war die Aktion eine Herzensangelegenheit. „Jeder hat seine Aufgabe gehabt, einige haben auch einfach motiviert“, erzählen die Freunde mit einem Lächeln. Die gemeinsame Zeit sei für sie schön und auch wertvoll gewesen. „Es hat mir extrem viel gegeben und so konnte ich das Geschehene besser verarbeiten“, sagt Tim Hellmich. Immer, wenn er nun an der Wand vorbei fahre, denke er an seinen Kumpel: „Es ist eine schöne Erinnerung – aber in Vergessenheit wird Pedder ohnehin nie geraten.“

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