Gottesdienst, Bergparade und Ausstellungseröffnung

Hamm verabschiedet sich würdevoll vom Bergbau - mehr als 200 Fotos online!

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Hunderte Besucher stimmten in der Pauluskirche das Steigerlied an.

Hamm - Mit einer beeindruckenden Veranstaltung hat sich Hamm am Sonntag vom deutschen Steinkohlenbergbau verabschiedet. Im Dezember schließen die letzten beiden deutschen Zechen.

Es war der wohl bewegendste Moment einer denkwürdigen Veranstaltung: Als der Ruhrkohle-Chor und das Ruhrkohle-Orchester gestern in der Pauluskirche das „Steigerlied“ anstimmten, flossen bei so manch einem der rund 1300 Besucher die Tränen. 

Mit viel Pathos und noch mehr Emotionen verabschiedete die Stadt Hamm mit einem Gottesdienst, einer Bergparade durch die Innenstadt und der Ausstellung „Hamm: Auf Kohle gebaut, Danke Kumpel“ den deutschen Steinkohlenbergbau.

Wie groß die Wertschätzung gegenüber den Bergleuten auch acht Jahre nach Schließung der letzten Hammer Zeche noch immer ist, zeigte aber nicht nur die Zahl der Gottesdienstbesucher. 

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt

RAG-Chef Peter Schrimpf, der in Bockum-Hövel aufgewachsen ist, durfte sich zuvor im Haus Vorschulze, stellvertretend für den gesamten Bergbau, ins Goldene Buch der Stadt Hamm eintragen.

Damit reihte Schrimpf sich in eine Liste bekannter Namen ein, angefangen von Theodor Heuss – er war der erste der sich ins Goldene Buch eingetragen hat – über Konrad Adenauer bis hin zu Angela Merkel. 

"Hamm: Auf Kohle gebaut, Danke Kumpel" zwischen  Pauluskirche und Alleecenter Teil zwei

Ein imposantes Bild bot sich dem RAG-Chef anschließend in der Pauluskirche. Der Gottesdienst, der von Pfarrerin Astrid Taudien und ihrem Kollegen Bernd Mönkebüscher zelebriert wurde, begann mit dem feierlichen Einmarsch der Fahnenabordnungen von rund 20 Knappenvereinen und des Ruhrkohlechors.

Wohlstand, aber auch Trauer gebracht

In ihrer Predigt hob Pfarrerin Traudien das Gemeinschaftsgefühl bei der Arbeit unter Tage hervor. Der Bergbau in Hamm habe viel Wohlstand, aber auch Trauer in viele Familien gebracht, was nicht vergessen werden dürfe, so Traudien in Anspielen auf die vielen toten, verletzten oder von Krankheit geplagten Bergleute. 

An der anschließenden Bergparade, die von Rolf-Peter Gutsche vom Knappenverein Heessen angeführt wurde, nahmen rund 500 Menschen teil, darunter allein etwa 300 Knappen aus allen Regionen des Landes. Der Zug endete vor der Bühne am Westenwall, wo die Bergbau-Ausstellung im Allee-Center – sie läuft bis zum 3. November – eröffnet wurde.

"Hamm: Auf Kohle gebaut, Danke Kumpel" zwischen  Pauluskirche und Alleecenter Teil eins

Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann betonte, dass mit 14.000 Beschäftigten unter Tage Hamm einst eine der größten Bergbaustädte im Ruhrgebiet gewesen sei und man dem Bergbau viel zu verdanken habe. 

Ein kleiner Elefant aus Kohle

Den ersten Schritt des Strukturwandels habe man schon ganz gut gemeistert, spielte er unter anderem auf die neue Hochschule und das neue Gewerbegebiet an. Man benötigte aber weiterhin Unterstützung, sagte er in Richtung Düsseldorf und Berlin. Zum Abschluss überreichte er dem RAG-Chef einen kleinen Elefanten aus Kohle. 

Der bedankte sich für die Wertschätzung und Unterstützung, die die Menschen in Hamm und die Stadt den Bergleuten entgegengebracht hätten. „Für mich wird es ein schwerer Tag, wenn ich am 21. Dezember unserem Bundespräsidenten den letzten Brocken Kohle überreiche.“ Aber auch danach gebe es für die RAG noch einige Aufgaben. Als Beispiel nannte er die Wasserhaltung und die Flächenentwicklung.

Lothar Wobedo, Leiter des IG BCE-Bezirks Hamm, bezeichnete den Kohleausstieg nach wie vor als falsch. Seine Grüße überbrachte auch Kurt Wargenda, Vorsitzender des Bundes Deutscher Bergmanns-, Hütten und Knappenvereine. Auch in Zukunft werde man alles versuchen, die Tradition des deutschen Steinkohlenbergbaus zu erhalten.

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