Anlage wird derzeit nicht gepflegt

Golfplatz-Zukunft ungewiss: Clubhaus muss abgerissen werden

Die Container, die als provisorisches Clubhaus aufgestellt wurden, müssen von der Anlage verschwinden.
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Die Container, die als provisorisches Clubhaus aufgestellt wurden, müssen von der Anlage verschwinden.

Hat der Golfplatz in Drechen und damit auch der Golfclub Hamm mit seinen rund 600 Mitgliedern (Stand 2018) noch eine Zukunft? Zwar hat das Oberlandesgericht im Dauerstreit ein Urteilverkündet zwischen dem Eigentümer des Grund und Bodens und der Betreibergesellschaft des Golfplatzes, doch mehr als der nächste Kompromiss ist dabei nicht herausgekommen.

Drechen – Kurz zusammengefasst: Der Pachtvertrag zwischen dem Eigentümer, der Schulze-Steinen GmbH & Co. KG, und der Betreibergesellschaft Kley, hat weiterhin Bestand. Die fristlose Kündigung des Eigentümers sei unwirksam, sagen die Richter. Aber: Die Container, die als provisorisches Clubhaus aufgestellt wurden, müssen von der Anlage verschwinden.

Ein Golfplatz ohne Clubhaus, also auch ohne Toiletten? Das klingt schwer vorstellbar. Und sind die Mitglieder bereit, ohne jeglichen Komfort weiterhin ihren Jahresbeitrag zu leisten? Noch habe sich niemand abgemeldet, versichert der Clubpräsident Eugen Brinkkötter. Das wird auch die Betreibergesellschaft freuen. Denn sie nimmt den Großteil der Mitgliedsbeiträge ein, um die Pacht und die Pflege des Platzes bezahlen zu können.

Die Betreiber

Das soll auch nach Möglichkeit so bleiben. „Die Betreibergesellschaft und der Golfclub Hamm haben das gemeinsame Interesse, den Club und die Anlage über 2020 hinaus zu erhalten“, bestätige Sabine Kley von der Betreibergesellschaft auf Anfrage. Sie verweist darauf, dass ihre Seite sich immer vertragstreuverhalten habe und versichert: „Vertragstreu wird sie beiden Parteien gegenüber auch bleiben.“

Gleichzeitig sei sie bemüht, konstruktiv Lösungen für die Zukunft mit beiden Parteien zu finden. „Durch die Dauer des Verfahrens ist aber wertvolle Zeit verloren gegangen, um gemeinsam bessere Lösungen für den Club und den Spielbetrieb entwickeln zu können. Der Verpächter lässt bisher leider keinerlei Kooperationsbereitschaft erkennen“, schildert Sabine Kley ihre Sichtweise.

Um die Pflege der Platzanlage weiter gewährleisten zu können, benötige sie Planungssicherheit in Form einer „stabilen ökonomische Grundlage“ (Kley), also einen entsprechenden Stamm an Vereinsmitgliedern. „Die Betreibergesellschaft befindet hier sich in einer schwierigen Situation in Abhängigkeit zwischen Verpächter und Club. Die Schließung der Anlage durch Corona verschärft die Situation weiterhin“, so Kley. Der Platz ist vorerst bis zum 19. April gesperrt.

Der Eigentümer

Jan-Henrik Schulze-Steinen als Eigentümer des Grundstücks hält es wie in den vergangenen Jahren auch. Er erklärte im Gespräch mit der WA-Redaktion, dass er sich dazu nicht in der Öffentlichkeitäußern werde. Entsprechend kommentierte er auch das neue OLG-Urteil nicht.

Der Vereinsvorstand

Eugen Brinkkötter, Vorsitzender des GC Hamm, kann letztlich nur machtlos zusehen. Vermittlungsversuche zwischen den Partien seien zu oft gescheitert. Er habe nun seine Mitglieder über den Stand der Dinge (Pachtvertrag läuft weiter, Clubhaus muss weg) informiert. Er musste sich aufgrund der behördlich angewiesenen Schließung der Anlage (Corona) ohnehin an seine Mitglieder wenden. Derzeit ruhe das Vereinsleben. Sollten die Behörden mit Blick auf Corona wieder grünes Licht geben, gehe er davon aus, dass die Saison 2020 gespielt werde, so Brinkkötter.

Die Gastronomie

Allerdings müssten dazu auch noch die Voraussetzungen geschaffen werden. Aktuell gibt es unter anderem keinen „Clubwirt“. Sascha Himmelmann, der zuletzt für die Gastronomie im Container zuständig war, hat in dieser Woche seine Sachen gepackt. Sein Vertrag mit der Betreibergesellschaft wäre zum 31. März ohnehin ausgelaufen. Eine Verlängerung sei ihm nicht in Aussicht gestellt worden. Seine Geräte, unter anderem Kühlschränke, werde er abtransportieren, sagte er.

Da das Clubhaus laut Gerichtsurteil abgerissen werden muss, sei es logisch, dass er die Räumlichkeiten zum Ablauf des Vertrages verlässt, erklärt dazu Sabine Kley. Auch ohne Clubhaus sei der Platz – wenn er dann wieder eröffnet werden darf – bespielbar, so Kley. „Die Betreibergesellschaft und der Club versuchen, eine vernünftige Lösung für eine neue Gastronomie zu finden. Allerdings sind wir auf die Unterstützung des Verpächters angewiesen, der entweder vorhandene Räumlichkeiten zur Verfügung stellen könnte oder aber einen Platz für Gastronomie ausweisen müsste.“

Die Platzpflege

Und auch die Platzanlage bedarf mittlerweile einer gründlichen Pflege. Allerdings, so berichten Mitglieder, seien die notwendigen Pflegegeräte der Betreibergesellschaft gar nicht mehr vor Ort. Selbst die Ball-Sammel-Maschine stehe nicht an der Platzanlage, berichtet ein Vereinsmitglied.

Das soll kein Dauerzustand werden. Kley: „Da der Platz zunächst wetterbedingt und jetzt durch das Coronavirus auf unabsehbare Zeit gesperrt ist, hat die Betreibergesellschaft die Pflege diesen besonderen Bedingungen angepasst. Sobald klar ist, wann der Platz wieder geöffnet werden darf und die ökonomische Gesamtsituation für die Betreibergesellschaft und den Club zur beiderseitigen Zufriedenheit geklärt ist, werden auch die notwendigen Ressourcen (Personal und Gerätschaften) eingesetzt, um den Golfplatz wieder in den Zustand einer 3-plus-Anlage zu versetzen.“

Die Golfclub-Mitglieder dürfen in den kommenden Wochen gespannt darauf warten, was eher gelöst ist: die Corona-Krise oder die sogenannte ökonomische Gesamtsituation.

Eine unendliche Geschichte

Frühjahr 1996: Ein Golflehrer erteilt die ersten Trainerstunden auf dem für die Driving Range vorgesehenen Gelände.

Mai 1996 bis heute: Ein provisorisches Clubhaus wird errichtet. Dies wird zu einem Hauptpunkt der Streitigkeiten zwischen Verpächter (Schulze-Steinen-Gmbh) und Betreiber (Kley). Die landen mehrfach vor Gericht. Der plötzliche Tod von Werner Kley im April2016 ändert nichts an den verhärteten Fronten. Im April 2017 erhält Schulze-Steinen vom Dortmunder Landgericht Recht. Er hatte die Herausgabe des Geländes und den Abriss des Provisoriums verlangt. Das OLG Hamm urteilte nun, dass zumindest das Pachtverhältnis Bestand habe.

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