Auf Kufen über die Kunststoffbahn

Glice statt Eis: So wird in Hamm „Eislaufen“ im Sommer möglich

Eishockey-Torwart René Sembach ist ziemlich angetan von der neuen Oberfläche.
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Zunächst noch ungewohnt, dann schnell routiniert: Eishockey-Torwart René Sembach ist ziemlich angetan von der neuen Oberfläche.

Glice statt Eis: Die Hammer Eishalle macht ab Anfang Juli Sommer-Schlittschuhfahren möglich. Wir haben den ungewöhnlichen Spaß schon für Sie etestet... ähm: testen LASSEN.

Hamm - Einen kurzen Moment wirkt René Sembach etwas wackelig auf seinen Schlittschuhen, doch dann hat der Eishockeytorwart der Hammer Eisbären sich und seine Kufen ganz schnell wieder im Griff und fährt in der Eishalle in Werries Runde um Runde. Dabei läuft der 26-Jährige nicht auf seinem gewohnten Terrain, dem Eis, sondern erstmals auf der neu verlegten rund 300 Quadratmeter großen „Glice“-Bahn aus Kunststoff. Für den WA hat der Eishockeyspieler die Eis-Alternative getestet, bevor in den Sommerferien auch öffentliche Laufzeiten für jedermann angeboten werden (siehe Infos weiter unten).

„Am Anfang war ich etwas vorsichtig, es wurde aber Runde für Runde besser“, zieht Sembach eine positive Bilanz und betont, dass ihm das „Eislaufen“ ohne Eis Spaß mache. Warum es einen Moment dauert, ehe das Laufen auf der „Glice“-Bahn mit richtigem Eis fast mithalten kann, hat dabei zweierlei Gründe, wie „Glice Deutschland“-Direktor Sven Köhler beim Aufbau der jeweils zwei Quadratmeter großen und zwei Zentimeter dicken Platten in der Eishalle erklärt.

Der eine Aspekt sei physischer Natur: Durch die Reibung der Metallkufen auf dem Kunststoff entsteht Wärme – und die sorgt zusammen mit dem in den Platten verpressten Gleitmittel für ein leichtes Gleiten. Sind die Kufen noch kalt, ist es daher selbst für einen trainierten Eisläufer wie René Sembach etwas schwieriger und kraftaufwändiger.

Offen ab 5. Juli 2021

Aktuell wird die „Glice“-Bahn in der Eishalle in Werries nur an Gruppen vermietet. Eine Gruppe mit bis zu zehn Personen zahlt pro Stunde 80 Euro, jede weitere Person kostet 10 Euro extra. Mit Beginn der Sommerferien am Montag, 5. Juli, werden mehrfach pro Woche öffentliche Laufzeiten für jedermann angeboten, die genauen Tage und Zeiten werden in Kürze im Internet bekannt gegeben. Sowohl bei den Gruppenangeboten als auch den öffentlichen Laufzeiten gilt: eigene Schlittschuhe können genutzt werden, ansonsten können sie vor Ort für 3 Euro pro Paar ausgeliehen werden. Angeboten wird die „Glice“-Bahn bis zum 1. August, danach erhält die Eishalle wieder eine richtige Eisfläche. Außerdem kann ab dann auch die „Glice“-Bahn etwa für private Veranstaltungen gemietet werden. Alle Infos gibt es online unter www.eishalle-hamm.de.

Auf Kufen über Kunststoffbahn durch den Sommer

Auf Kufen über Kunststoffbahn durch den Sommer
Auf Kufen über Kunststoffbahn durch den Sommer
Auf Kufen über Kunststoffbahn durch den Sommer
Auf Kufen über Kunststoffbahn durch den Sommer
Auf Kufen über Kunststoffbahn durch den Sommer

Glice statt Eis in Hamm „eine super Alternative“

Der andere Grund, warum sich die „Glice“-Bahn anfangs anders verhält, ist dagegen menschlicher Natur: „Kinder sind nicht so verkopft“, sagt Köhler über seine Erfahrungen. Heißt: Wer den Kopf ausschaltet, hat auch Spaß an der Kunststoffbahn – so, wie René Sembach beim Test. Fazit des Eishockeytorwarts: „Es macht Spaß und ist eine super Alternative.“ Denn so könne man auch endlich in den Sommermonaten das Eishockeytraining fortführen – was bislang unmöglich ist, da die Eishalle Hamm, genau wie alle anderen Eishallen, zur Sommerzeit das Eis abtaut und damit keine Fläche zur Verfügung stellt. Bis jetzt jedenfalls, denn durch die „Glice“-Bahn ist das künftig anders.

Kein Wunder also, dass sich schon jetzt Eishockeyteams – unter anderem vom Hauptverein der Hammer Eisbären, dem Lippehockey Hamm – für die kommenden Wochen angemeldet und Trainingszeiten vereinbart haben. Positiver Nebeneffekt der eislosen Eisbahn: Die Läufer brauchen keine kälteschützende Montur und können einfach in T-Shirts und Shorts loslegen.

Glice statt Eis in Hamm macht Kinder glücklich

Über die schon jetzt vorhandene Nachfrage nach der neuen Bahn freut sich unterdessen Dirk Sowicki. „Bisher bin ich sehr zufrieden“, sagt der Eishallen-Betriebsleiter, der beim Aufbau der Bahn zusammen mit einigen ehrenamtlichen Helfern – darunter Spieler der Eisbären – sowie den Profis der Schweizer Firma „Glice“ mit angepackt hatte.

In den ersten Tagen seit dem Aufbau sei die Bahn bereits einige Male vermietet worden, unter anderem für einen Kindergeburtstag. „Das Feedback war bisher sehr positiv: Es ist zwar ein wenig anstrengender, aber alle sind von den Gleit-Eigenschaften begeistert“, sagt Sowicki. Gedauert hat der Aufbau übrigens nicht mal einen Tag.

Glice statt Eis in Hamm funktioniert mit Physik-Tricks

Am Rande des Testlaufs verriet Köhler, wie es überhaupt möglich ist, dass man auf einer Kunststoffplatte wie auf Eis gleiten kann. Grundsätzlich würden sie mit „extrem hohem Druck“ gepresst und erhalten ihre Festigkeit aufgrund verschiedener (geheimer) Bestandteile. Was die zwei Zentimeter dicken Platten ausmacht? „Sie haben eine extrem hohe molekulare Dichte“, erklärt Köhler, weshalb sie auch pro Stück 39 Kilogramm wiegen. Geht ein Schlittschuhläufer darauf, ritze er die Moleküle an – „im Mikrobereich“, so Köhler.

Neben dem Ermöglichen von ganzjährigem Training sieht Köhler einen weiteren Vorteil der Bahn in der Ökologie, da der Kunststoff logischerweise keiner Kühlung bedarf.

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