Bereich wird überplant

77 Gleise sollen im Hammer Rangierbahnhof stillgelegt werden

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Viele der Gleise im Hammer Rangierbahnhof werden nicht mehr benötigt.

Hamm – Das Eisenbahnbundesamt schafft derzeit die rechtlichen Voraussetzungen für eine Nachnutzung des Hammer Rangierbahnhofs.

Im vergangenen Jahr legte die Bonner Behörde dort 77 Gleise und zwei Weichen still. Teile des Bahngeländes sollen langfristig für den Bau der Bundesstraße 63n und für Gewerbeansiedlungen genutzt werden; Restflächen will die Deutsche Bahn (DB) weiter selbst nutzen.

Insgesamt sechs Mal hat das Eisenbahnbundesamt der Deutschen Bahn im vergangenen Jahr die Stilllegung von Gleisen erlaubt. Das Staatsunternehmen muss die Genehmigungen bis 2020 nutzen, sonst verfallen diese. Hintergrund ist in allen Fällen ein mangelnder wirtschaftlicher Nutzen für die Deutsche Bahn. 6.500 Euro jährliche Unterhaltskosten gab die Bahn beim Eisenbahnbundesamt für eines der Gleise an, 248.000 Euro waren es gar für ein Bündel aus 25 Gleisen. Auf diesen Schienen war seit mindestens zwei Jahren kein Zug mehr unterwegs, es habe auch kaum entsprechenden Nachfragen anderer Bahnunternehmen gegeben, heißt es in den Genehmigungsurkunden des Amtes.

Abellio-Interesse an Gleisen schnell erledigt

Nur ein Mal fragte eine Privatbahn nach: Abellio, eine Tochter der niederländischen Staatsbahn zeigte im Sommer Interesse an drei Abstellgleisen nahe des Personenbahnhofs. Abellio betreibt mit dem RE11 seit Dezember die erste Linie des Rhein-Ruhr-Express’ (RRX), im Sommer 2020 kommt mit dem RE1 eine zweite dazu.

Eigene Abstellgleise für den RRX braucht Abellio aber wohl trotzdem nicht. Nach einer Zusicherung der Deutschen Bahn, genügend Gleise für die neuen Abellio-Züge vorzuhalten, hatte sich das Interesse des Unternehmens für die Abstellflächen in Hamm nach nur einem Monat schon wieder erledigt, das Angebot wurde zurückgezogen.

Schienen werden nicht mehr benötigt

Von den jetzt genehmigten Stilllegungen ist der gesamte westliche und südwestliche Teil des Rangierbahnhofs betroffen. Die nicht mehr benötigten Schienenstränge dienten ursprünglich der Zusammenstellung von Güterzügen, sowohl in Richtung Berlin als auch in Richtung Ruhrgebiet; außerdem verbanden sie das mittlerweile abgerissene Betriebswerk für Güterzuglokomotiven an der Banningstraße mit den Rangieranlagen.

Was aus dem umfangreichen Gelände einmal werden kann, ist noch unklar. Die Stadt wünscht sich neben der B63n sowohl Wohnbebauung als auch Gewerbe, gerne auch Unternehmen aus dem Eisenbahnbereich. Die Essener Bahnflächenentwicklungsgesellschaft soll sich nun um die Brachflächen kümmern.

Neben planungsrechtlichen Hürden gilt es jedoch, auch praktische Probleme zu lösen. In dem bis zu vier Meter hoch aufgeschütteten Bereich ist mit problematischer Bodenbeschaffenheit, Altlasten und zahlreichen Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg zu rechnen.

Der größte Rangierbahnhof Europas

Den Superlativ trug der Hammer Rangierbahnhof im 20. Jahrhundert. Die Anlage, die sich über eine Länge von 9,3 Kilometern erstreckt, war von 1912 bis 1916 von der Königlichen Eisenbahndirektion Essen errichtet worden, um den Güterverkehr zwischen dem Ruhrgebiet und Berlin besser abwickeln zu können. Es gab 325 Kilometer Gleise, 1100 Weichen und 20 elektromechanische Stellwerke. 1927 wurden 6800 Güterwagen rangiert, 1938 waren es sogar 10500. Nach Kriegsschäden wurde die Anlage ausgebessert und 1967 sogar umfassend modernisiert. Kurz danach begann bereits der Rückbau aufgrund schwindender Nachfrage.

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Kommentare

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Kommentare

lelaluAntwort
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Naja, je nachdem wie viel Fläche genau frei wird ist dies schon möglich.
Am Rand zu den Gleisen kommt Gewerbe/Industrie hin und dann mit etwas Abstand die Wohnbebauung. Klar wird es dann keine Luxusfläche. Aktuell ist ja schon direkt an der Strecke dort Wohnbebauung. Die neuen Gebäude wären zum einen viel weiter von den Gleisen weg und durch den neueren Baustandard auch besser von den Immisionen geschützt als die alten Gebäude

Nachgefragt
(0)(1)

Mit wie vielen Zungen spricht unsere Stadt eigentlich?
Im Bereich Hamm Norden wohnen viele Menschen sehr nah an der Bahnlinie. Für die Stadt scheint das kein Problem zu sein. Die ehemalige Unterkunft an der Kleinen Alleestraße soll nicht als Wohnunterkunft genutzt werden, weil es dort wohl zu laut wäre. Jetzt möchte man höhengleich neben den mehreren Haupteinfahrtsstrecken (Soest, Unna, Dortmund) eine Wohnbebauung gemischt mit Gewerbe. Am liebsten Einsenbahngewerbe was zumeist als Schwergewerbe laut ist. Merkt so etwas niemand?