In der Ruhe liegt viel Kraft

Hammer Jungs: Giant Rooks im Lockdown leise, aber fleißig

Giant Rooks mit Polaroid fotografiert.
+
Fünf Freunde, eine Mission: mit toller Musik vielen Fans Freude bereiten. Das Foto entstand Ende 2020 mit einer Polaroid-Kamera. Es zeigt Luca Göttner, Finn Schwieters (oben von links), Finn Thomas, Frederik Rabe und Jonathan Wischniowski (unten von links).

Während sich die Kapelle Petra aktiv auf der Bildfläche zurückgemeldet hat, ist es um den popmusikalischen Hammer Top-Export Giant Rooks seit längerer Zeit ungewöhnlich ruhig. Doch ein Blick unter die Oberfläche zeigt zum Glück: Der Eindruck täuscht.

Hamm – In Hamm starteten die fünf Freunde Frederik Rabe, Finn Schwieters, Jonathan Wischniowski, Luca Göttner und Finn Thomas vor sieben Jahren die spannendste Karriere einer Band aus dieser Stadt überhaupt. Längst sind sie nicht nur in Berlin angekommen, sondern europaweit erfolgreich. Ebenso wie ihre Hammer Kollegen der Kapelle Petra zwang Corona auch die Giant Rooks nicht in die Knie: Mit findigen und frischen Aktionen sorgte die Band dafür, im Gespräch zu bleiben. Im Fahrwasser der gefeierten Veröffentlichung des Debütalbums „Rookery“ (im Spätsommer 2020) wurde es dann aber merklich ruhiger. Kaum zu glauben – aber genau das wissen die jungen Männer im Spannungsfeld zwischen Westfalen und Weltstadt gerade sehr zu schätzen.

Weil mal nicht von allen Seiten an ihnen gezerrt wird, können sich die Giant Rooks ganz in Ruhe ihrer Kreativität hingeben. Das tun sie nicht nur jeder für sich, sondern gemeinsam im Proberaum oder auf einem entsprechend eingerichteten Bauernhof im brandenburgischen Niemandsland. Auch wenn Sänger Fred (24) der Hauptsongwriter und sein Gitarren-Cousin Finn (Schwieters, 24) der Haupttexter ist, entstehen und wachsen neue Songs doch weitgehend in Teamarbeit. „Langeweile hat trotz Lockdowns jedenfalls keiner von uns“, sagt Schlagzeug-Finn (Thomas, 22) entschieden. Die trübe Zeit werde bestmöglich genutzt.

Giant Rooks aus Hamm im Lockdown: Neue Songs bis die Ohren bluten

Täglich arbeitet die Band bis zu acht Stunden an neuen Songs – und das fast „bis die Ohren bluten“. Doch ausgeblutet ist die Fantasie noch lange nicht, im Gegenteil: Kreative Löcher kenne man kaum, verrät Thomas. Das Songwriting in der Band habe immer top geklappt und funktioniere heute sogar schneller und professioneller als in der Anfangszeit, auch weil viele Ideen vor dem gemeinsamen Jammen schon am PC vorgearbeitet würden: Keyboarder Jonathan (22) kenne sich da am besten aus. Auf eine Zahl schon verfügbarer neuer Songs mag sich Thomas indes nicht festlegen. Das wäre wohl auch nicht seriös, „weil alle auf einem unterschiedlichen Stand sind“.

Mit ungewöhnlich viel Ruhe konzentrieren sich die fünf Musiker auf das Schreiben neuer Songs.

Eines der aktuellen Fotos in den sozialen Medien zeigt Bassist Luca (22) mit einer Mandoline. Können die Fans das als Hinweis darauf verstehen, dass sich die Musik stilistisch verändert? Thomas lacht. „Natürlich verändern wir uns“, sagt er. Aber das sei ja gar nicht so neu. „Wir hatten noch nie Hemmungen vor Neuem und haben immer gemacht, worauf wir Bock haben.“ Und das Schönste dabei sei, dass man sich in der Band fast immer einig sei und nur selten intensiv diskutieren müsse.

Giant Rooks aus Hamm im Lockdown: Neue Single? Neues Album?

An ihrem Album „Rookery haben die Musiker auch mit mehreren Monaten Abstand nichts zu nörgeln. „Wir sind noch immer glücklich damit und stolz darauf“, bindet Thomas die Meinung aller fünf Bandmitglieder zusammen. Man habe sich ja viel Zeit für den echten Erstling gelassen und letztlich auch mit Blick auf die äußeren Bedingungen den richtigen Zeitpunkt getroffen. Denn dadurch könne man sich jetzt wieder auf andere Sachen konzentrieren – wie eben, genau, auf neue Songs.

Langeweile hat trotz Lockdowns keiner von uns.

Finn Thomas, Schlagzeuger der Giant Rooks

Thomas hält es durchaus für möglich, dass der eine oder andere neue Song im Lauf des Jahres als Single veröffentlicht wird, die Fertigstellung eines weiteren kompletten Albums ist in 2021 weniger wahrscheinlich – „auch wenn wir das gern schaffen würden“. Weitaus wahrscheinlicher ist aber, dass es von den Giant Rooks in nächster Zeit das eine oder andere Lebenszeichen geben wird. Zumindest deutet Finn Thomas das mit einem wissenden Grinsen an.

Giant Rooks aus Hamm im Lockdown: „Anderen geht es schlechter“

Eine Aussage, die viele Fans gern hören werden. Denn kaum jemand dürfte daran zweifeln, dass die noch immer für Mai 2021 ausgewiesene „Rookery“-Tour noch einmal verschoben wird.

In der Ruhe liegt viel Kraft: Frederik Rabe (links) und Jonathan Wischniowski arbeiten an neuer Musik.

Auch in finanzieller Hinsicht ist diese Entwicklung heikel, nicht zuletzt weil im Zuge des Akzeptanz- und Wertverlusts von Vinyl und CD vor allem Liveauftritte zur wichtigsten Einnahmequelle für Künstler wurden und viele darunter nun existenzbedrohlich leiden. Da tut es gut zu hören, dass die Lage bei den Giant Rooks zwar „schwieriger“ und „komplizierter“ geworden ist, die Musiker aber auch dank Einnahmen aus Airplay und Streaming einigermaßen gut über die Runden kommen. „Vielen anderen geht es deutlich schlechter“, weiß Finn Thomas.

Giant Rooks im Zeitraffer

Die Band wurde 2014 von den Cousins Frederik Rabe und Finn Schwieters sowie Jonathan Wischniowski gegründet, kurz darauf stießen Luca Göttner und Finn Thomas hinzu. Die Band veröffentlichte Ende 2015 ihre erste EP „The Times Are Bursting The Lines“; einige Bandmitglieder besuchten da noch das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. 2017 kam die EP „New Estate“, 2019 die EP „Wild Stare“, im August 2020 erschien das Debütalbum „Rookery“.

Die Band heimste reihenweise Preise ein, unter anderem 2016 den popNRW-Preis für Newcomer und 2019 den 1Live-Krone-Förderpreis. 2020 waren sie als „Beste Band“ nominiert (das Corona-konforme Konzert dazu ist hier bei Youtube zu sehen).

Unablässig spielten die Giant Rooks live, teils als Support prominenter Bands wie Kraftklub und AnnenMayKantereit, und oft auch auf Festivals jeder Größenordnung.

Seit Herbst 2018 wohnen alle Bandmitglieder in Berlin, von dort spinnt auch ihr Management die Fäden mit großem Erfolg in alle potenziell erfolgreiche Richtungen.

Wie alle anderen aus seiner Branche hoffen er und seine Band-Kumpels einfach, „dass es endlich weiter geht“. Und das ganz sicher nicht nur wegen fehlender Einnahmen…

Bisherige Auftritte der Giant Rooks in Hamm:

  • 21. April 2014: Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, Festival „Rock gegen Rechts“
  • 12. September 2014: Kulturrevier Radbod, Tag der offenen Tür/Sommerfest
  • 7. Februar 2015: Maxipark, Werkstatthalle (Support von „Bubasack“)
  • 2. August 2015: Maxipark, Nabu-Jubiläumsfest
  • 11. September 2015: Jugendzentrum Kubus (Festival)
  • 18. September 2015: Hoppegarden 
  • 24. Juni 2017: Kreativquartier Heinrich Robert (im Rahmen der „Extraschicht“)
  • 25. Februar 2017: Maxipark, Werkstatthalle 
  • 9. März 2019: Maxipark, Festhalle

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare