Geteilte Meinungen zur Wirkung eines Taubenhauses am Hammer Bahnhof

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Die Taubenpopulation am Bahnhof soll mit Hilfe eines Taubenhauses unter Kontrolle gebracht werden.

HAMM - Wie geht es weiter in der Taubenfrage in der Hammer Innenstadt? Während die beiden Hammerinnen Jutta Mir Haschemi-Röben und Susanne Geisler mit einem Taubenhaus für eine Lösung streiten, die ihrer Meinung nach sowohl Bürgern und Kaufleuten als auch dem Tierschutz gerecht wird, stoßen sie bei ihren Gesprächspartnern auf taube Ohren.

Lediglich die Bahn will den Raum für ein Taubenhaus bereit stellen – Geld gibt es dafür aber nicht (wir berichteten). „Ein Meter Spikes (Anm.: eine Nagelkonstruktion, die Tauben fernhalten soll) kostet 30 Euro“, rechnet Susanne Geisler vor. „Dieses Geld könnte man sinnvoller anlegen“, meint sie. Mit einem Euro pro Monat an fortlaufenden Futterkosten pro Tier rechnen Haschemi-Röben und Geisler im Falle eines Taubenhauses. Ihr Ziel ist es, die Eier durch Gips-Imitate zu ersetzen und dadurch die Population einzudämmen. In der Regel sechsmal zwei Eier lege eine Taube pro Jahr, sagt Jutta Mir Haschemi-Röben. Wie berichtet, ist von der Stadt keine Unterstützung zu erwarten. Die Kaufleute um Sprecher Matthias Grabitz bewerten das Ansinnen der Frauen zwar als gut, werten die Unterhaltungskosten aber als zu hoch. Außerdem zweifeln sie laut Grabitz auch daran, dass die Population auf Dauer tatsächlich kleiner werde. Dies sei das Echo aus der jüngsten Sitzung des Beirats Einzelhandel in Hamm. Dr. Ludger Kamphausen, Leiter der Taubenklinik beim Verband Deutscher Brieftaubenzüchter e.V. in Essen, beurteilt die Wirkung von Taubenhäusern als „schwierige Kiste“. „Es ist zu befürchten, dass viele Tauben dort hinkommen, um sich satt zu fressen, und anderswo nisten“, sagt er. Diese Tiere gelte es fern zu halten, ebenso wie die Eier auszutauschen.

Erwiesenermaßen ziehe ein Taubenhaus Tiere ab und die Verschmutzung lasse nach, doch mit einem einzigen Taubenhaus ist es seiner Meinung nach nicht getan. „Es ist eine Illusion, den Bahnhof damit taubenfrei zu bekommen“, meint der Tiermediziner. Stattdessen müsse man hergehen und die Taubenpopulation in der Stadt zählen und entsprechend viele Häuser aufstellen. Das, so Kamp- hausens Beobachtung beispielsweise aus Essen, stoße aber auf Widerstand, weil sich beispielsweise Hausbesitzer weigerten, ein Taubenhaus aufzustellen. Seine Einschätzung: „Entweder, man macht ganze Sachen oder gar nichts.“

Jutta Mir Haschemi-Röben und Susanne Geisler möchten über eine Vereinsgründung Ehrenamtliche gewinnen, die sich für den Tierschutz einsetzen. Sie hoffen auch auf Spenden zur Finanzierung der Taubenhaus-Idee. Sie regen sogar den Einsatz von 400-Euro-Kräften über die Stadt an. - oz

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