Milde Strafe für Hammer „Problem-Rentner"

Mit Silvesterrakete auf spielende Kinder gezielt

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Hamm/Dortmund – Mit einer milden Strafe ist am Dortmunder Landgericht der Prozess gegen einen Rentner zu Ende gegangen, der monatelang mit Beleidigungen und aggressivem Verhalten für Ärger und Unruhe gesorgt hatte.

Nach mehrtägiger Beweisaufnahme wurde der 68-jährige wegen wiederholter Beleidigung, gefährlicher Körperverletzung, Körperverletzung und Verbreitens von Pornografie zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Der psychisch kranke Mann hatte wiederholt eine Mitarbeiterin des St. Marienhospitals am Telefon „in übelster Art und Weise“ beleidigt, so der Vorsitzende Richter Röcken in seiner Urteilsbegründung. Ebenfalls unter dem Einfluss seiner Krankheit hatte er einem zehnjährigen Jungen gegen die Kniekehle getreten, der ihn wegen seines langen weißen Bartes als „Weihnachtsmann“ tituliert hatte. Der Junge erlitt einen wochenlang schmerzenden Bluterguss.

Glimpflich davon kamen zwei drei und vier Jahre alte Nachbarskinder seiner damaligen Wohnung am Vogelsang. Der wegen angeblicher Hänseleien wütende Mieter zielte mit einer Silvesterrakete auf die spielenden Kinder, verfehlte sie nur knapp. Eher unbedeutend war da sein Versuch, vorbei gehende Passanten mit einem ins Fenster gehängten Pornobild zu ärgern.

Geschlossene Psychiatrie keine Option

Zu Beginn des Strafverfahrens hatte die Frage im Raum gestanden, ob der seit Jahren an einer Psychose leidende Rentner womöglich in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden muss. Hierfür sahen aber ein Gerichtsgutachter und die Prozessbeteiligten keinerlei Veranlassung. Der Mann gilt trotz seines ellenlangen Vorstrafenregisters nicht als gefährlich für die Allgemeinheit, weitere Straftaten seien von dem Senior nicht zu erwarten.

Rund drei Jahre seien seit der letzten Tat vergangen, seither seien keine neuen Strafanzeigen oder Beschwerden von Vermietern oder Anwohnern aktenkundig geworden. Der betagte Hammer lebt inzwischen in einem anderen Stadtteil und steht unter gesetzlicher Betreuung. Sollte er in den kommenden fünf Jahren Bewährungszeit doch wieder straffällig werden oder nicht mit seinem Bewährungshelfer zusammen arbeiten, würde die verhängte einjährige Bewährungsstrafe widerrufen und der Senior müsste dann doch ins Gefängnis.

Um ihn trotz der milden Bewährungsstrafe an seine Tatserie zu erinnern, muss der finanziell eher klamme Rentner eine zusätzlich verhängte Geldbuße von 720 Euro ratenweise abstottern.

Pflichtverteidiger Martin Jacobs kündigte bereits an, dass sein Mandant das Urteil annehmen werde.

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