Diskussion um Corona-Spuck-Tests

Schnelltests aus Hamm: Kritiker spucken jungem Duo in die Suppe

Friedrich Valentin Kley (rechts) und Fernando Di Matteo vertreiben den ersten Corona-Spuck-Schnelltest.
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Friedrich Valentin Kley (rechts) und Fernando Di Matteo wollen den ersten Corona-Spuck-Schnelltest aus Hamm vertreiben.

Zwei Jungunternehmer aus Hamm wollten mit ihren Corona-Schnelltests schnell sein. Schneller als der Bund. Wenige Tage nach dem Start ihres Onlinehandels wurden sie allerdings erst einmal gebremst.

Hamm – Minister Jens Spahn geht davon aus, dass Schnelltests für den Eigengebrauch eine entscheidende Rolle bei der Eindämmung der Pandemie spielen könnten. Doch der von Friedrich Valentin Kley und Fernando Di Matteo vertriebene Spuck-Corona-Schnelltest darf dafür nicht eingesetzt werden. „Wir waren aber der Überzeugung“, sagt Kley. Das machten sie etwa an der Testmethode fest. Abstriche dürfen ausdrücklich nur von geschultem Personal genommen werden. Mit dem vergleichsweise neuartigen Spuck- oder Sputum-Test (Auswurf) wähnten sich die beiden auf der sicheren Seite. (News zum Coronavirus in Hamm)

Eine EU-Zulassung samt CE-Zeichen für geprüfte Sicherheit und eine Listung beim Bundesintitut für Arzneimittel und Medizinprodukte reichen aber nicht aus, wie sich zeigt. Eine ausdrückliche Zulassung und eine Änderung der Abgabeverordnung stehen noch aus. Auf ihrem Weg sehen sich Kley und Di Matteo nur gebremst, nicht gestoppt. Sie wollen, dass Menschen im privaten Umfeld schnell Gewissheit über eine mögliche Infektion erhalten. Die Notwendigkeit erleben sie selbst im Alltag mit Familienangehörigen, die zur Risikogruppe gehören.

So haben sie nach der ersten Berichterstattung „viele positive Reaktionen“ erhalten, aber auch negative. Das geben sie unumwunden zu. „Wir sind jetzt schlauer“, sagt Kley nach dem Kontakt mit der Bezirksregierung.

Corona-Spuck-Test aus Hamm: Fachleute sind kritisch

Nach derzeitiger Abgabeverordnung dürfen die Antigen-Schnelltests nur an Ärzte, medizinische oder Pflegeeinrichtungen sowie an Bildungseinrichtungen abgegeben werden. Das soll sicherstellen, dass sie nur durch fachlich geschultes Personal angewendet und dass zuverlässige Ergebnisse erzielt werden. Letzteres gilt auch für Tests für den Hausgebrauch.

Fachleute sehen Spuck-Schnelltests kritisch. „Nach unserer Einschätzung ist es erforderlich, dass solche Tests von einer dafür genannten Stelle geprüft werden, so dass sie von Laien zielorientiert handhabbar sind“, sagt Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung. So lange das nicht geschehen und die Abgabe-Verordnung ergänzt ist, ist der Verkauf der Schnelltests an Privatleute gesetzeswidrig.

Corona-Spuck-Test aus Hamm: Noch keine verkauft

Soweit ist es bei dem Unternehmen aus Norddinker noch nicht gekommen. Verkauft haben Kley und Di Matteo noch keine Tests. Die Lieferung des chinesischen Herstellers verzögere sich weiterhin, sagt Kley. Er rechnet erst im Laufe der nächsten Tage damit.

Die Jungunternehmer sind sicher, sie dennoch verkaufen zu können. Die Vorbestellungen von Privatleuten müssen sie aber stornieren. Es seien schon viele, eine genaue Zahl müssten sie noch ermitteln. Denn zu ihrer Überraschung orderten auch Firmen die Spuck-Schnelltests. Und die dürfen sie auch beliefern.

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