Geläuterter Gangster Maximilian Pollux erzählt

Drogen, Straße, Gewalt, Knast... - und die Mutter musste mit!

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Dr. Moritz Noack (von links), Katharina Kleps, Martin Naumann, Protagonist Maximilian Pollux, Roland Heiselmeier und Dr. Dogan Kaya-Heinlein tauchten ein in die Welt der Kriminalität.

Hamm – Mit 13 Jahren fing er an zu klauen, Drogen zu nehmen und Körperverletzung zu begehen. Zehn Jahre lang saß Maximilian Pollux im Knast. „Kriminalität ist eine Einbahnstraße“, sagt der 36-Jährige heute. Jetzt hat er in der LWL-Universitätsklinik Hamm seine Geschichte erzählt.

Ein breitschultriger junger Mann mit Bart und Brille steht vor den 75 Patienten der Jugendstation im Suchtbereich. Er wirkt wie ein ganz normaler Typ, seine Biografie ist jedoch alles andere als alltäglich. Auf Einladung des Teams des Vereins für die Rehabilitation drogenabhängiger Jugendlicher ist Maximilian Pollux – so sein Pseudonym – in die LWL-Universitätsklinik gekommen, um aus seinem Buch „Zappenduster“ vorzulesen.

Eigentlich, aber Pollux liest nicht. Er erzählt von seiner Vergangenheit als „Gangster“. Authentisch, ehrlich und ungeschönt. Mal eindringlich, mal sichtlich bewegt und mit Tränen in den Augen. Aus den ersten Arbeitsstunden mit 14 Jahren und Jugendarrest in den Sommerferien wurde die Mitgliedschaft in einer Drogen-Gang. Es folgte ein europäischer Haftbefehl mit 19 Jahren und anschließend ein Leben auf der Flucht ohne Papiere.

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Lange Reihe traumatischer Ereignisse

Dies sei der Beginn einer langen Reihe von traumatischen Ereignissen gewesen, die er seiner Mutter angetan habe. Einen schweren Schock habe sie seinetwegen gehabt. „Ich habe meinen Weg freiwillig gewählt: Drogen, Straße, Gewalt, Knast. Aber meine Mutter musste den Weg mitgehen“, sagt Pollux. In den zehn Jahren, als er im Gefängnis war, seien alle seine Großeltern verstorben.

„Ich war auf keiner einzigen Beerdigung“, erzählt er und ergänzt: „Versteht, dass ihr die Konsequenzen nicht alleine tragt.“ Auch seinen Hund habe er nie wieder gesehen. Er sei gestorben, während er im Knast war.

Neues Leben nach dem Gefängnis

„Diese Geschichte ist perfekt, um zu zeigen, wohin euch die kriminelle Karriere führt“, findet er. Vor fünf Jahren verlässt er das Gefängnis und fängt ein neues Leben an. Mittlerweile ist er verheiratet und hat den Verein „SichtWaisen“ gegründet. Pollux besucht Schulen, Jugendhäuser, aber auch Kliniken oder Gefängnisse und gibt Workshops zur Kriminalprävention.

Die Jugendlichen hören gespannt zu und können sich mit seinen Erzählungen identifizieren, weil sie gerade in der gleichen Situation stecken. So berichtet ein männlicher Patient von seiner eigenen Erfahrung mit dem Arrest.

"Messer schützt in keiner Situation"

Zum Schluss fragt Pollux in die Runde, ob jemand abends schon mal mit einem Messer unterwegs gewesen sei. „Es gibt keine Situation, in der euch ein Messer schützen wird. Wenn ich mich verteidigen will, brauche ich einen Schild“, erklärt er. Ein Messer sei nur gut, um zu töten.

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