Raserei auf dem Dennehauptweg

Geklautes Tempo-50-Schild soll zu schnelles Fahren vertuschen

Wo kommt das Tempo-50-Schild her? Anwohner Anton Ackfeld fand es am Dennehauptweg, wo nur Tempo 30 erlaubt ist.
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Wo kommt das Tempo-50-Schild her? Anwohner Anton Ackfeld fand es am Dennehauptweg.

Um einem Bußgeld wegen zu schnellen Fahrens zu entgehen, hat jetzt wohl ein Autofahrer auf dem Dennehauptweg das Tempo-30-Schild entfernt und wollte es durch ein Tempo-50-Schild ersetzen. Wird er erwischt, drohen ihm empfindliche Strafen.

Heessen - Die Verkehrssituation am Dennehauptweg hatte seit vielen Jahren immer wieder zu massiven Protesten der Anwohner geführt. Die Straße ist nicht für den öffentlichen Verkehr, sondern nur für Anlieger freigegeben, wird aber von zahlreichen Pendlern als Abkürzung genutzt. Zudem ist die Geschwindigkeit auf einem Teilstück auf Tempo 30 begrenzt. Daran halten sich die Pendler, wie Anwohner monierten, oft nicht. Zuletzt hatten sich die Bürger Mitte Oktober organisiert, um Bezirksbürgermeisterin Erzina Brennecke die Situation aufzuzeigen. Erfreulich schnell folgten daraufhin erste Maßnahmen, die nun zu einem skurrilen Vorgang führten.

„Wir Anwohner waren hoch erfreut, als kurz nach dem Protest die ersten Aktivitäten aufgenommen wurden“, berichtet Anton Ackfeld. So wurden die seit Langem maroden Straßenränder repariert und die angrenzenden Hecken soweit freigeschnitten, dass die vorhandenen Verkehrsschilder wieder voll sichtbar sind. Er habe auch einen Brief der Bezirksbürgermeisterin erhalten, dass die von den Anwohnern vorgeschlagenen Temposchwellen zur Geschwindigkeitsreduzierung für den Verkehrsausschuss als Antrag vorbereitet würden. „Wir wollen uns ja nicht nur beschweren, wir wollen Lösungen anbieten“, so Ackfeld.

Tempo-30-Schild ist verschwunden

Zuletzt wurde für mehrere Tage ein sogenannter „Enforcement Trailer“, im Volksmund kurz „Blitzanhänger“, am Dennehauptweg aufgestellt. Das hatte aus Sicht der Anwohner skurrile Folgen: Direkt am Tempo-30-Schild, das an der Einmündung aus Richtung Dasbeck steht, hatte sich jemand zu schaffen gemacht. Das Tempo-30-Schild ist seitdem verschwunden, am Fuß der Schildhalterung lag ein Tempo-50-Schild, das jemand offensichtlich woanders gewaltsam entfernt hatte. „Ein Nachbar sah dort jemanden stehen und dachte sich nichts dabei“, berichtet Ackfeld.

Der Mann habe den Nachbarn sogar angesprochen, ob er einmal telefonieren könne, da sein Handy-Akku leer sei. Erst hinterher habe man sich einen Reim darauf gemacht. „Offenbar war dieser Mann geblitzt worden und wollte zu seiner Entlastung die angegebene Höchstgeschwindigkeit eigenmächtig ändern“, so Ackfeld.

Mit diesen Strafen muss der Täter rechnen

Ermittelt wurde der Täter noch nicht. Doch der „Schilderwechsel“ könnte ein ernstes Nachspiel haben. „Für das Entwenden des vorgefundenen Schildes ist der Tatbestand des Diebstahls erfüllt, die Änderung der Verkehrsbeschilderung durch nicht Befugte stellt eine Amtsanmaßung dar“, sagt Polzeisprecher Malte Gerwin. Beim Diebstahl beginne der Strafrahmen bei einer Geldbuße und reiche bis zu fünf Jahren Haft. Eine Amtsanmaßung könne eine Geldbuße oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren zur Folge haben. Wäre der Schildertausch gelungen und hätte böse Folgen für die Verkehrsteilnehmer gehabt (etwa einen Unfall in Folge zu schnellen Fahrens), so wäre auch eine Verurteilung wegen „gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“ nach Paragraf 315 b des Strafgesetzbuches in Frage gekommen. Hier wäre eine Strafe bis zu fünf Jahren Haft denkbar gewesen, so Gerwin.

„Wir werden sehr gründlich nachforschen, was es mit diesem Vorgang auf sich hat“, erklärte auch Stadtsprecher Tobias Köbberling. Dazu würden die Mitarbeiter der Stadt sowohl ihre Kollegen aus dem Bereich Verkehr wie auch die Anwohner befragen.

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