Aus der Natur, in der Natur

Geheimnis um Kunst im Pilsholz gelöst: Diese Frau steckt dahinter

Marion Rauhöft ist seit Monaten fast täglich im Pilsholz, um dort ihren Kunstwerke aus gesammelten Naturmaterialien „auszustellen“.
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Jeder Menge Waldschmuck: Marion Rauhöft ist seit Monaten fast täglich im Pilsholz, um dort ihren Kunstwerke aus gesammelten Naturmaterialien „auszustellen“.

Mitten im Waldstück des Pilsholz sind dutzende kleine Kunstwerke verteilt. Das erfreut viele Besucher, verwirrt aber auch: Den offen war, wer dahinter steckt. Bis jetzt: Das Geheimnis ist gelüftet.

Westtünnen – Als Ausflugsziel zum Spazieren gehen, zum Laufen und zur Ruhe kommen erfreut sich der Pilsholz besonders in Zeiten des Lockdowns großer Beliebtheit. Das zeigte sich auch an den beiden vergangenen Wochenenden, zumal das frühlingshafte Wetter sein Übriges tat. Manch Waldgänger war allerdings nicht für das Naturerlebnis gekommen.

Denn was als Geheimtipp begann, hat sich auch dank der Verbreitung durch die sozialen Medien zu einem Publikumsmagnet entwickelt: Mitten im Wald sind rund 50 kleine Kunstwerke ausgestellt – angefangen bei Hummeln und Hasen aus Moos und Gehölz bis hin zu einem Mobile mit dutzenden Herzchen und dem Modell eines Coronavirus’ namens Coroni ist alles dabei. Das Besondere an den Kunstwerken ist, dass sie ausschließlich aus Naturmaterialien bestehen.

Wer die Künstlerin dahinter ist, darüber rätselten schon viele Pilsholzgänger. Denn bislang gab es nur einen Hinweis durch ein mit kleinen Stöckchen gebautes Schild mit der Aufschrift „Noiram“. „Man muss es von rechts nach links lesen“, sagt Marion Rauhöft, als sie sich jetzt als Schöpferin der Kunst im Wald zu erkennen gab. Dass das Ganze so ein Erfolg wird und viele Menschen sogar extra für die niedlichen Kunstwerke in den Pilsholz kommen, hatte sich die Westtünnerin anfangs nicht vorstellen können. Dabei fing alles mit einem Spaziergang durch den Pilsholz an.

Kunstwerke im Pilsholz: Im Wald Kreativität wiederentdeckt

„Dort war ich schon als Kind oft“, erinnert sich Rauhöft an die besondere Beziehung zum Pilsholz. Als sie kurz nach Weihnachten des vergangenen Jahres wieder dort war, hat das etwas mit ihr gemacht. Sie habe ihre Kreativität wieder entdeckt, als sie ein paar kleine Äste in der Hand gehalten habe und mit diesen später zuhause angefangen habe zu basteln, sagt die Westtünnerin.

Weil ihr das Naturmaterial so gut gefiel, sammelten auch Freunde, Nachbarn und die Familie in den eigenen Gärten und brachten Marion Rauhöft jede Menge Rohstoffe für ihre Kunst: Neben Ästen gehören auch Rinden, Zweige, Weiden und Moos dazu. Drähte, Kunststoffe oder Schrauben nutzt Rauhöft explizit nicht. Vielmehr setzt sie beispielsweise auch beim Zusammenhalten der Figuren auf Naturstoffe – so wie Rattan. In die Natur des Waldes eingreifen kommt für Marion Rauhöft daher nicht in Frage: „Ich nehme nur das, was auf dem Waldboden liegt und bringe es dann in anderer Form wieder zurück“, sagt die Künstlerin mit einem Lächeln.

Mit ihren liebevollen Kunsterwerken begeistert Marion Rauhöft immer wieder die Waldspaziergänger.

Fast jeden Tag in den vergangenen Wochen war Marion Rauhöft im Pilsholz – mal, um sich inspirieren zu lassen, andere Male, um neue Kunstwerke mitzubringen. So wie gerade erst bei den vier kleinen Häschen, die das bald anstehende Osterfest ankündigen. Das stößt auf Beachtung – und auf Würdigung. Süß: „Einige Kinder haben ihnen schon Namen gegeben: Sie heißen Wilma, Mats, Elias und Emilia“, freut sich die Westtünnerin über Resonanz wie diese. Dabei sei es für sie immer spannend, wenn sie die Menschen beobachtet, die sich ihre Kunst anschauen. „Ich habe so einen Spaß daran, dass sich die Menschen über meine Kunst freuen“, erzählt Rauhöft.

Kunstwerke im Pilsholz: Spaziergänger sind begeistert

Eine, die durch Bekannte auf die Kunstwerke aufmerksam wurde und sich seither immer wieder vor Ort umschaut, ist Heidrun Necker. „Ich gehe immer mal wieder durch und entdecke jedes Mal etwas Neues“, sagt die Waldgängerin. Die Kunstwerke würden ihr jedenfalls sehr gut gefallen, betont Necker.

Auch Brigitte Kneffel findet das Ergebnis der kreativen Ader von Marion Rauhöft klasse. „Ich finde es herrlich, was hier entsteht“, sagt Kneffel, die die Künstlerin mit dem Sammeln von Naturmaterialien unterstützt. Was sie besonders bemerkenswert findet, ist die Fantasie der Künstlerin. „Sie sieht einen Stock und weiß gleich, was sie daraus machen kann.“ Schön findet sie zudem die Liebe zum Detail, die die kleinen Kunstwerke ausmachen. Denn: Vieles sieht man nicht sofort auf den ersten Blick.

Marion Rauhöft möchte gerne weiter mit ihrer Kunst dazu beitragen, dass die Menschen öfter in den Wald gehen. Ideen für Neues – auch außerhalb der Waldkunst – hat sie schon jetzt. „Es rattert im Kopf“, sagt sie mit einem Lächeln. Nicht schön ist allerdings, dass immer wieder mal nicht nur Kunstliebhaber unter den Waldgängern sind. „Es ist leider schon einiges kaputtgemacht worden“, ist die Künstlerin traurig über den Umgang mit ihren Werken. Sie lässt den Kopf nicht hängen. Unterkriegen lassen will sie sich davon nicht.

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