Wohin mit dem Medizinischen Versorgungszentrum?

Gegen Ärztemangel: Stadt soll Versorgungszentrum für Uentrop prüfen

Ortseingangsschild schief in Hamm-Uentrop an der Straße im Giesendahl
+
Der Haussegen hängt schief – oder ist es nur das Ortseingangsschild? Wenn es um das weitere Vorgehen gegen den Ärztemangel geht, sind sich die Parteien nicht immer einig.

Eine ärztliche Versorgung im Uentroper Dorf? Da würde kein Bezirkspolitiker Nein sagen. Wenn es aber darum geht, wie das Problem des Ärztemangels angegangen wird, liegen die Meinungen auseinander.

Uentrop – Wie weit die Meinungen auseinander liegen, das zeigte sich an der Diskussion um einen Antrag von CDU und Grünen in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Uentrop. Letztlich geht es um die Frage: Wo soll ein Medizinisches Versorgungszentrum im Stadtbezirk entstehen? Im Uentroper Dorf und/oder zentral in Werries? Auf eine Antwort muss noch gewartet werden.

Als Mehrheit in der Bezirksvertretung Uentrop fordern CDU und Grüne mit ihrem Antrag die Stadtverwaltung auf, ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) samt zusätzlicher Angebote (kleiner Nahversorger, SB-Bankautomat) auf dem Grundstück der ehemaligen Zahnarztpraxis oder an einem alternativen Ort zu prüfen. Sie warten jetzt auf eine Stellungnahme. Sie erkennen darin keinen Widerspruch zum Vorgehen auf Stadtebene und zum favorisierten Weg der SPD-FDP-Opposition in der BV. Sie will das Thema, wie in der Vergangenheit im Rat beschlossen, zunächst stadtweit angehen und stimmte gegen den Antrag.

Mitte Februar und damit noch vor dem ersten Corona-Lockdown und der Kommunalwahl beschloss die große CDU-SPD-Koalition in der Stadt die Gründung einer Arbeitsgruppe. Darin sollten Stadtverwaltung, Kassenärztliche Vereinigung und Vertreter des Ärztevereins Hamm gemeinsam das Problem des Ärztemangels in der Stadt angehen. Dabei sollte bei einer Datenerhebung ein Fokus auf die Sozialräume gelegt werden – dann drängte die Corona-Krise das Thema in den Hintergrund.

Vorbild für ein Versorgungszentrum in Uentrop?

Und tatsächlich. Dieses Vorgehen habe er nicht mehr im „Hinterkopf“ gehabt, gab Thomas Korte in der Sitzung der Bezirksvertretung zu. Gleichwohl hält der Vorsitzende der CDU-Bezirksfraktion den Prüfauftrag für ein begleitendes Vorgehen.

Bei Recherchen stießen die Christdemokraten auf eine kleine Gemeinde in Hessen, die in diesem Jahr ein kommunales MVZ in Betrieb genommen hat. Die Gegebenheiten dort seien vergleichbar mit denen in Uentrop, sagt Korte. „Wir reden seit Jahren darüber, dass Uentrop keinen Arzt mehr hat, und jetzt soll er, wenn er denn kommt, ,nur‘ nach Werries“, kritisiert er die von der SPD favorisierte Lösung eines MVZ an zentraler Stelle im Bezirk.

Alternative Standorte im Uentroper Dorf möglich

„Die Menschen im Dorf vermissen den Arzt im Dorf“, sagt CDU-Bezirksvertreterin Sabine Dorenkamp auch mit Verweis auf eine Praxis und Zusatzangebote unter einem Dach, die Anlaufstelle seien. Ein solches MVZ biete die Möglichkeit, alles miteinander zu verbinden. So eine Einrichtung könne auch an anderen Standorten als an der vorgeschlagenen Mühlenstraße entstehen.

Maike Schmiedecken, Fraktionsvorsitzende der Grünen, erkennt in der Prüfung keinen Widerspruch zum Ratsbeschluss und weiteren Vorgehen der Ampel-Koalition im Rat. Es seien „verschiedene Bausteine eines Konzeptes“. Eine Prüfung stehe einem größeren Konzept nicht im Wege, sagt sie. Sie schließt dabei eine Uentroper Dependance einer zentralen MZV nicht aus.

Bestandsanalyse in ganz Hamm

Dagegen erkennt die SPD- FDP-Koalition in einer „eierlegenden Wollmilchsau“ keine Lösung des Problems im Uentroper Dorf. Das sagte Jan-Hendrik Flecke, Vorsitzender der SPD-Bezirksfraktion, auch wenn die SPD vor einigen Jahren selbst einen ähnlichen Vorschlag eingebracht hatte. Als Opposition konnte sie sich damals nicht durchsetzen und wirft der CDU jetzt vor, in den Jahren als stärkste Kraft in der Stadt und im Bezirk untätig geblieben zu sein.

Die Situation ist heute zudem eine andere. Sämtliche Ärzte haben mittlerweile das Dorf verlassen, viele Uentroper dürften sich schon umorientiert haben. Die von CDU und Grünen beantragte Prüfung wertet Flecke als ein unkoordiniertes Vorgreifen auf die im Frühjahr beschlossene, aber noch nicht durchgeführte stadtweite Bestandsanalyse. Sie soll auch Hinweise auf geeignete Bereiche für Versorgungszentren liefern.

Grundstück Mühlenstraße in Uentrop stehe nicht zur Verfügung

Solche Flächen, wie von CDU und Grünen vorgeschlagen, per Antrag prüfen zu lassen, hält SPD-Ratsherr Stefan Heitkemper daher für falsch. Er habe zudem in einem Gespräch mit einem Grundstückseigentümer erfahren, dass der Bereich an der Mühlenstraße nicht zur Verfügung stehe und für eine andere Nutzung vorgesehen sei.

Auf der anderen Seite „ehre“ es die SPD, dass CDU und Grüne das Thema MVZ für den Stadtbezirk aus dem Wahlprogramm der Sozialdemokraten aufgenommen hätten, merkt Flecke an.

„Ärztekümmerer“ auch für Hamm

Der Ärztemangel macht sich stadtweit bemerkbar. Laut Heitkemper schließen in nächster Zeit allein im Stadtbezirk Uentrop zwei Praxen. Die Stadt will reagieren. Ab kommender Woche haben Ausschüsse und letztlich der Rat über die Schaffung eines „Kommunales Steuerungsnetzwerk für Gesundheitsförderung und Prävention“ zu beraten und zu beschließen. Außerdem geht es um die Teilnahme an einem Förderprogramm des Bündnisses für Gesundheit der Gesetzlichen Krankenversicherung. Dazu soll im Gesundheitsamt eine Stelle geschaffen werden. Die Kraft soll kommunale Präventions- und Gesundheitsförderungsstrukturen aufbauen und umsetzen. Als positives Beispiel nannte Heitkemper einen „Ärztekümmerer“, der mehrere Ärzte in den Kreis Soest geholt habe. Dagegen bekomme man durch den Antrag von CDU und Grünen keinen Arzt nach Uentrop, meint er.

So will Bezirksbürgermeister Björn Pförtzsch (CDU) den Prüfauftrag auch gar nicht verstanden wissen. Es sei aber interessant, sagt er, ein MVZ in Uentrop als Beispiel zu nehmen und zu überprüfen, ob es überhaupt möglich sei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare